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Schnelle Chirurgie liegt im Trend

Berlin / dpa Zwei Tage nach einer großen Darmoperation bereits das Krankenhaus zu verlassen, erscheint lebensgefährlich. In der Medizin aber breitet sich derzeit ein neuer Behandlungsstandard aus, der den Kurzaufenthalt im Krankenhaus zur Regel werden lässt. "Fast Track" (Schnellspur) heißt die aus Dänemark stammende Methode, die seit rund eineinhalb Jahren deutsche OP-Säle erobert.

"Fast Track" (Schnellspur) heißt die aus Dänemark stammende Methode, die seit rund eineinhalb Jahren deutsche OP-Säle erobert. "Ein enorm positiver Ansatz, sowohl aus medizinischer als auch aus Sicht des Patienten", sagt der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Hartwig Bauer.

"Schnelle Chirurgie, da denken viele erst mal an Rausschmiss aus Kostengründen", nennt Claudia Spies von der Klinik für Anästhesiologie an der Berliner Charité ein typisches Missverständnis. "Das stimmt nicht. Die Behandlung ist zwar kürzer, aber viel intensiver und individuell abgestimmt. Dem Patienten bleiben so viele Schmerzen und Komplikationen erspart." Für die Entlassung eines "Fast Track"-Operierten gelten die gleichen Regeln wie bei herkömmlicher Behandlung. "Nur dauert es eben nicht mehr so lange, bis ein Patient diesen Genesungszustand erreicht."

Bislang blieben Patienten nach schweren Baucheingriffen durchschnittlich zwei Wochen im Krankenhaus. Sie durften sechs bis acht Stunden vor der Operation nichts mehr essen, danach gab es fünf Tage lang weder Speisen noch Getränke. "Mit unserer Methode müssen die Patienten nur zwei Stunden vorher nüchtern bleiben", erklärt Christoph-Thomas Germer, Chefarzt der Klinik für Allgemeinchirurgie in Nürnberg. "Am Abend nach der OP dürfen sie schon trinken und einen Joghurt essen." Wenige Stunden nach dem Eingriff dürfen - und sollen - die Patienten aufstehen und umherlaufen.

Was sich anhört wie Zauberei, ist einem neuen Konzept der Schmerzbehandlung und dem Ablegen alter Gewohnheiten zu verdanken. "Die Operationsverfahren haben sich in den vergangenen Jahren drastisch verbessert. Die Begleit-Riten aber haben sich nie angepasst", erklärt Spies. Viele Chirurgen hätten aus Angst vor Klagen bei Komplikationen auch längst sinnlos gewordene Behandlungsregeln beibehalten. Mit der Einführung der Fallpauschalen, die den Kliniken längere Liegezeiten nach Operationen nicht mehr vergüten, wurde bei vielen Medizinern das Umdenken beschleunigt.

"Die vor Dickdarm-Operationen bislang übliche Spülung des Darmes mit bis zu acht Litern Kochsalzlösung zum Beispiel ist eher schädlich - und unangenehm für den Patienten", erklärt Germer. Sie wird bei "Fast Track"-Operationen deshalb meist ebenso weggelassen wie die tagelange Ernährung über Magensonden und das Legen von Wunddrainagen. "So gibt es weniger Entzündungen, und die Nähte gehen seltener wieder auf." Statt wie bislang hoch werde der Schnitt bei einem Eingriff quer gesetzt oder minimalinvasiv operiert. "Die Wunden heilen so schneller und sind weniger schmerzhaft."

Ebenso wichtig wie der Chirurg ist bei "Fast Track" der Anästhesist. "Ziel ist die völlige Schmerzfreiheit des Patienten", sagt Spies. Statt der zuvor üblichen Morphinderivate, die oft tagelang lähmend auf den Darm wirkten, werden per Wirbelsäulen-Katheter andere Schmerzmittel zugeführt. Auf diese Weise kaum noch eingeschränkt laufen Patienten schon bald umher - und beschleunigen ihre Genesung damit zusätzlich. Typische Komplikationen bei Bettlägrigen wie Lungenentzündungen, Thrombosen oder Darmträgheit treten bei "Fast Track"-Patienten viel seltener auf. "Bei Dickdarm- OPs sinkt der Anzahl der Problemfälle von 30 auf 10 Prozent", sagt Germer.

Die meisten Erfahrungen haben "Fast Track"-Experten bislang bei Darmoperationen gesammelt, geeignet ist die Methode aber auch für andere offene Eingriffe beispielsweise an Herz oder Lunge. Altersbeschränkungen gibt es nicht. "Man hat ursprünglich geglaubt, ältere Menschen wären dafür nicht geeignet", erklärt Bauer. "Das Gegenteil ist der Fall." Gerade für sie sei es gut, schnell wieder mobil zu sein und essen zu können. Voraussetzung ist dabei allerdings, dass der Patient die Prinzipien der Behandlung versteht und mitträgt. "Da ist vor jeder OP enorme Aufklärungsarbeit nötig", betont Bauer.

(Erschienen: 14.06.2006 12:05)

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