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Schlägerei am Zirkus: Männer sind polizeibekannt

LAUPHEIM - Menschen aus der rechtsextremen Szene und eine Zirkusfamilie haben sich am Sonntag eine Schlägerei geliefert. Schauplatz war der obere Festplatz. Die sechs mutmaßlichen Täter hatten zuvor Flugblätter verteilt und sich als Tierschützer ausgegeben.

Von unserer Redakteurin Karen Annemaier

Sonntagnachmittag, gegen 14.30 Uhr, in einer halben Stunde beginnt die Vorstellung. Aus der Sicht von Edmund Kaiser junior geschieht in den nächsten Minuten Folgendes: Am Fuß des Festplatzes haben sich mehrere junge Männer aufgestellt, sie verteilen Flugblätter, "Zirkus - Amüsement auf Kosten der Tiere" sind sie überschrieben. Die Senior-Chefin ruft die Polizei an. Die Zirkusfamilie sieht ihr Hausrecht verletzt. Mit demonstrierenden Tierschützern habe man es öfter zu tun, sagt Sohn Edmund, aber was dann folgt, ist ihm noch nie untergekommen: Senior-Zirkusdirektor Edmund Kaiser geht auf die Männer zu und möchte ein Flugblatt haben. Da ruft ein Mann aus der Gruppe, "das ist einer von denen". Einer der "Flugblatt-Verteiler" wirft sich von hinten auf den Zirkusdirektor, hat sein Sohn beobachtet. Der 60-Jährige sei zu Boden gegangen, habe sich Prellungen und Schürfwunden zugezogen. Die drei Söhne eilen herbei. "Zehn Personen schlugen und traten aufeinander ein und erlitten hierbei teilweise auch leichtere Verletzungen", meldet der Polizeibericht. Die Polizeidirektion Biberach ermittelt nun gegen "sechs Personen, die offensichtlich Streit gesucht haben". Der Vorwurf lautet "gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung".

Auf Nachfrage der SZ bestätigt der Polizei-Sprecher, dass es sich bei den angeblichen Tierschützern um "polizeibekannte Aktivisten aus der rechtsextremen Szene" handle; vier davon stammten aus der Laupheimer Gegend, zwei seien von auswärts angereist. Ob die Aktion auf dem Laupheimer Festplatz eine hausgemachte Idee einiger Weniger ist oder ob die rechte Szene insgesamt den Tierschutz als Plattform verwenden will, um Menschen anzusprechen - das müsse man erst noch ergründen.

Fakt ist, dass die auf dem Flugblatt angegebene Internet-Adresse - mit der Endung "tl" für Ost-Timor - eventuelle Zweifel an einem rechtsextremen Hintergrund ausräumt. Die "Nationalen Sozialisten - AG Tierrecht", die sich als "unabhängiger Zweig innerhalb des nationalen Widerstands" verstehen, verkünden dort, sie wollten "Stimme und Fäuste gegen die Ausbeutung der Tierwelt erheben". "Jede Form des Aktivismus" werde toleriert. Unter den Zielen der "AG Tierrecht" wird unter anderem das "Verbot des religiösen Schächtens" und ein "Importverbot für koscheres Fleisch" angegeben. Kontaktadresse ist ein Postfach in Baden-Württemberg.

Ein ganz neues Phänomen

Rechtsextremismus und gewalttätiger Tierschutz, diese Kombination ist beim Landeskriminalamt in Stuttgart gänzlich unbekannt. "Das Phänomen ist neu", sagt der dortige Pressesprecher. Aufgrund besagter Homepage gebe es nun aber einen Anfangsverdacht auf verfassungsfeindliche Taten, das Amt werde Ermittlungen gegen die Betreiber einleiten. Allerdings werde es schwierig sein, die Homepage zu verbieten, weil sie nicht aus Deutschland stamme.

Zurück zur Schlägerei am Sonntag. Edmund Kaiser junior vermutet, dass es die Männer auf den Zirkus nicht wegen der Tiere abgesehen hatten - er kann belegen, dass das Kreisveterinäramt den Ernährungs- und Pflegezustand seines Tierbestands für "gut" befunden hat. Sondern: "Wir sind zwar keine Sinti und Roma, aber wir sind fahrendes Volk und mit unserer Familie reisen viele Nicht-Deutsche, die für uns arbeiten."

Er möchte nicht, dass in Laupheim öffentlich wird, wo der Zirkus als nächstes gastieren wird.

(Erschienen: 20.03.2007 00:08)

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