Reste von römischer Badeanlage in Andernach freigelegt
Die reicheren Bürger integrierten die Becken in ihre Privathäuser. In Andernach am Rhein haben Archäologen des rheinland- pfälzischen Landesamtes für Denkmalpflege in diesem Jahr Überreste einer Anlage ausgegraben, die außergewöhnlich gut erhalten sind. Für den Koblenzer Konservator Axel von Berg ist der Fund eine kleine Sensation, der durchaus mit ähnlichen Anlagen in Trier und Köln mithalten kann.
Die Kirchengemeinde Maria Himmelfahrt plant neben ihrer Kirche ein neues Pfarrheim. Bei den vorbereitenden Arbeiten wurden zunächst eine ganze Reihe menschlicher Knochen gefunden. Denn etwa vom achten Jahrhundert nach Christus bis in das 18. Jahrhundert hinein diente der Ort als Bestattungsplatz. Je tiefer die Archäologen gruben, desto mehr römische Funde kamen zu Tage. "Wir stießen auf massiv gemauertes Material", erklärt von Berg. Freigelegt wurde ein kleines, quadratisches Badebecken, das mit wasserundurchlässigem Mörtel verputzt ist und ein kleines Loch besitzt. In diesem Ausfluss entdeckten die Archäologen sogar noch ein kleines Bleirohr.
Nach Einschätzung des Konservators handelt es sich um ein früheres Kaltwasserbecken. Es sei Teil einer größeren, vormals öffentlichen Badeanlage, die wohl bis unter die Kirche reiche. Der Ort sei dafür prädestiniert: Andernach (römisch: Antumnacum) sei wegen der Nähe zum Rhein schon damals ein wichtiger Umschlagplatz für Basaltprodukte aus der Region um Mayen gewesen. Die Grabungsgelände liegt den Angaben zufolge in einem früheren, spätrömischen Kastell nahe des römischen Hafens. Hier schnitten sich wichtige antike Straßen. Das Wasserbecken stammt laut von Berg aus dem vierten Jahrhundert nach Christus.
Auch für den außergewöhnlich guten Zustand hat von Berg eine Erklärung: "Das Becken wurde höchstwahrscheinlich später als Taufbecken weiter genutzt." Dafür spreche auch die Nähe zur Kirche. Vor dem Kaltwasserbecken legten die Archäologen noch ein weiteres Bauwerk frei, bei dem es sich laut von Berg um Teile eines alten Warmwasserbeckens handelt - und zwar mit einer Art Heizung. "Die Römer haben den Fußboden auf kleine Säulen gestellt", erklärt von Berg. Darunter habe jemand mit Holz oder Kohle gefeuert.
Die Kirchengemeinde will den Fund in das geplante Pfarrheim einbinden. "Eine Unterkellerung war von Anfang an vorgesehen", erklärt Architekt Wolfgang Rumpf. "Diese Unterkellerung integrieren wir baulich und räumlich in die Ausgrabung." Weil damit auch die Baukosten steigen, will die Stadt Andernach sich laut Rumpf an dem Vorhaben beteiligen. Die Grabungen sind nun abgeschlossen. In einem Jahr soll das neue Pfarrheim fertig sein. Später sollen auch die weitere römischen Funde wie Münzen und alte Gefäße an der Kirche ausgestellt werden.
(Erschienen: 15.11.2006 10:43)
Die reicheren Bürger integrierten die Becken in ihre Privathäuser. In Andernach am Rhein haben Archäologen des rheinland- pfälzischen Landesamtes für Denkmalpflege in diesem Jahr Überreste einer Anlage ausgegraben, die außergewöhnlich gut erhalten sind. Für den Koblenzer Konservator Axel von Berg ist der Fund eine kleine Sensation, der durchaus mit ähnlichen Anlagen in Trier und Köln mithalten kann.
Die Kirchengemeinde Maria Himmelfahrt plant neben ihrer Kirche ein neues Pfarrheim. Bei den vorbereitenden Arbeiten wurden zunächst eine ganze Reihe menschlicher Knochen gefunden. Denn etwa vom achten Jahrhundert nach Christus bis in das 18. Jahrhundert hinein diente der Ort als Bestattungsplatz. Je tiefer die Archäologen gruben, desto mehr römische Funde kamen zu Tage. "Wir stießen auf massiv gemauertes Material", erklärt von Berg. Freigelegt wurde ein kleines, quadratisches Badebecken, das mit wasserundurchlässigem Mörtel verputzt ist und ein kleines Loch besitzt. In diesem Ausfluss entdeckten die Archäologen sogar noch ein kleines Bleirohr.
Nach Einschätzung des Konservators handelt es sich um ein früheres Kaltwasserbecken. Es sei Teil einer größeren, vormals öffentlichen Badeanlage, die wohl bis unter die Kirche reiche. Der Ort sei dafür prädestiniert: Andernach (römisch: Antumnacum) sei wegen der Nähe zum Rhein schon damals ein wichtiger Umschlagplatz für Basaltprodukte aus der Region um Mayen gewesen. Die Grabungsgelände liegt den Angaben zufolge in einem früheren, spätrömischen Kastell nahe des römischen Hafens. Hier schnitten sich wichtige antike Straßen. Das Wasserbecken stammt laut von Berg aus dem vierten Jahrhundert nach Christus.
Auch für den außergewöhnlich guten Zustand hat von Berg eine Erklärung: "Das Becken wurde höchstwahrscheinlich später als Taufbecken weiter genutzt." Dafür spreche auch die Nähe zur Kirche. Vor dem Kaltwasserbecken legten die Archäologen noch ein weiteres Bauwerk frei, bei dem es sich laut von Berg um Teile eines alten Warmwasserbeckens handelt - und zwar mit einer Art Heizung. "Die Römer haben den Fußboden auf kleine Säulen gestellt", erklärt von Berg. Darunter habe jemand mit Holz oder Kohle gefeuert.
Die Kirchengemeinde will den Fund in das geplante Pfarrheim einbinden. "Eine Unterkellerung war von Anfang an vorgesehen", erklärt Architekt Wolfgang Rumpf. "Diese Unterkellerung integrieren wir baulich und räumlich in die Ausgrabung." Weil damit auch die Baukosten steigen, will die Stadt Andernach sich laut Rumpf an dem Vorhaben beteiligen. Die Grabungen sind nun abgeschlossen. In einem Jahr soll das neue Pfarrheim fertig sein. Später sollen auch die weitere römischen Funde wie Münzen und alte Gefäße an der Kirche ausgestellt werden.
(Erschienen: 15.11.2006 10:43)
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