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Rechte könnten wiederkommen

FRIEDRICHSHAFEN - Nach der heftigen Demo Links gegen Rechts atmet die Polizei durch. Doch das Thema ist nicht vom Tisch. Künftig ist verstärkt frühzeitige Aufklärung - sprich: verdeckte Ermittlung - angesagt.

Von unserer Redakteurin Ruth Auchter

Schließlich hätten sie erreicht was sie wollten: Die Linken aufzustacheln, die Polizei - verbal und teilweise gewaltsam - anzugreifen und auf sich aufmerksam zu machen. Daher wertet Karl-Heinz Wolfsturm, Leiter der Friedrichshafener Polizeidirektion, die "Wir kommen wieder!"-Rufe der Neonazis bei ihrer Abfahrt am Samstag als "deutliche Provokation". Er schließe nicht aus, so Wolfsturm, dass sich das Szenario vom vergangenen Samstag am See wiederholt. Ein Trend, der sich in den vergangenen zwei Jahren durch ganz Deutschland zieht: "Ich befürchte", sagt Wolfsturm, "die Demonstrationen und mit ihnen die Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und Antifas nehmen künftig nicht ab". Grund genug für ihn, sich verstärkt auf Aufklärung im Vorfeld zu konzentrieren. Was freilich nicht allein die Aufgabe der Polizei sein kann. Verdeckte Ermittler müssen die Szene durchleuchten - "damit wir frühzeitig wissen, was die zu tun gedenken". Auch die Bürger sollen genau hingucken und etwa ein "verdächtiges" Konzert - im Vorfeld, appelliert Wolfsturm.

Polizei war "hart gefordert"

Generell habe das Aufgebot von 800 Beamten "gerade noch gereicht", um der 186 Braunen vom "Freien Widerstand Südwest" sowie der 500 Linken Herr zu werden. "Doch wir waren hart gefordert", räumt der Polizeichef ein - denn mit so vielen militanten Linken hatte man nicht gerechnet. Zumal statt 500 wie in Friedrichshafen in Heidenheim oder Schwäbisch Hall bei ähnlichen Gelegenheiten 200 Linke angerückt sind. Erschrocken war Wolfsturm über "den Gewalteinsatz" der beteiligten Gruppierungen - so was habe es in Baden-Württemberg bislang "in dieser Qualität" nicht gegeben. Vom ersten Moment an sind Feuerzeuge, Eier, Tomaten und Pflastersteine von links nach rechts geflogen; die Rechten hätten mit Tritten und Angriffen - auch gegenüber Beamten - ebenfalls nicht gespart. So krass ging es zu, dass die Polizei Wasserwerfer einsetzen musste - an so etwas kann sich Wolfsturm seit der Castor-Transporte nicht erinnern.

Die spontane Änderung der Demo-Route habe dazu beigetragen, dass die Eskalationen nicht noch schlimmer ausfielen - aus "einsatztechnischen Gründen würde ich wieder so entscheiden", begründet Wolfsturm die Maßnahme. Anzeigen über zerfledderte Gärten oder beschädigte Fassaden sind bei der Polizei bisher nicht eingegangen. Und ob mehr als drei Autos und ein Bus zerkratzt beziehungsweise mit Steinen beworfen wurden, wird sich erst rausstellen, wenn das Material der verschiedenen Einheiten vorliegt und mitsamt der Filme des Doku-Trupps ausgewertet ist.

(Erschienen: 11.10.2005 00:19)

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