Radfahren ist eine Herzenssache
Von unserem Redaktionsmitglied Kara Ballarin
Fit und untrainiert, blutige Anfänger und ambitionierte Hobbyradler -- mehr als 160 Menschen haben sich vor vier Monaten dazu entschieden, an der Radaktion der Schwäbischen Zeitung Move 2010 teilzunehmen. Um für jeden einzelnen die richtige Gruppe zu finden, den richtigen Trainingsplan zu erstellen, ging es nicht gleich aufs Rad, sondern ins Leistungsdiagnostikzentrum nach Friedrichshafen.
„Bei mir wurde durch den Check-up etwas aufgedeckt, was vorher nicht klar war“, sagt ein Teilnehmer aus dem Kreis Ravensburg. Seinen Namen will er in der Zeitung nicht lesen. Im Zuge der Leistungsdiagnostik hing er am EKG. „Es gab Unregelmäßigkeiten im oberen Lastbereich“, sagt er. Diese „Ausreißer“ ließ er gleich von zwei Kardiologen überprüfen. Der Befund: „Zu 96 Prozent ist alles gut.“ Dennoch sei er über das, was bei der Leistungsdiagnostik festgestellt wurde, erschrocken und in der Zeit darauf etwas depressiv gewesen. „Man kommt schon zum Nachdenken, etwa über den stressigen Alltag“, sagt er. Er gilt zwar nicht als Risikopatient, muss keine Medikamente nehmen, aber er soll alle eineinhalb Jahre zur Untersuchung kommen -- das haben die Ärzte geraten. „Ich bin froh, dass das aufgedeckt wurde“, sagt er.
Solche Auffälligkeiten im EKG seien keine Seltenheit, sagt Diplom-Sportwissenschaftler Jan Heckel, der die Leistungsdiagnostik durchgeführt hat. „Herzrhythmus- oder Durchblutungsstörungen werden häufiger aufgedeckt, am allerhäufigsten wird Bluthochdruck festgestellt“, etwa einem Dutzend der Move-2010-Teilnehmer habe er einen Gang zum Arzt empfohlen. Heckel erklärt, dass die Auffälligkeiten oft durch verstopfte oder verengte, also „tote“ Blutgefäße verursacht sind, „und das kann im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt führen.“ Das größte Risiko tragen übergewichtige Menschen mit viel Stress, die sich auch noch ungesund ernähren. Und: „Je älter, desto wahrscheinlicher“, sagt der Sportwissenschaftler, denn je später Bluthochdruck oder schlechte Blutfettwerte entdeckt werden, desto mehr Gefäße können schon geschädigt sein.Training ist blutdrucksenkend
Problematisch sei auch, dass man den Bluthochdruck nicht sofort bemerkt, „also nicht wie eine Erkältung, die plötzlich da ist“, so Heckel. Oft werde das erst spät erkannt, „wenn man was am Herzen merkt, ist es oft schon zu spät.“ Ein wirksames Mittel dagegen ist das, was die Organisatoren der Move-2010-Aktion ihren Radschülern einimpfen: Trainieren im lockeren Pulsbereich. „Das wirkt blutdrucksenkend.“
Die positiven Effekte des Radelns im passenden Pulsbereich bestätigt Ute Strobel aus Meckenbeuren. Die Move-2010-Teilnehmerin ist gerade 50 geworden und hat ihre Fitness über die Monate stetig steigern können, so dass sie nun in einer höheren Gruppe fährt. „Ich bin total überzeugt, auch mein Mann achtet jetzt auf seinen Puls“, sagt sie. Dadurch sei sie jetzt vielleicht langsamer auf dem Berggipfel als ihre Freunde, „dafür schaff‘ ich aber den zweiten Berg auch noch“, sagt sie lachend. Begeistert ist sie vor allem von ihrer Gesundheit. „Früher war ich mehrfach im Jahr krank, heute radle ich bei Wind, Wetter und fünf Grad. Mein Immunsystem ist stärker, ein ganz toller Effekt.“
(Erschienen: 30.07.2010 18:10)
Von unserem Redaktionsmitglied Kara Ballarin
Fit und untrainiert, blutige Anfänger und ambitionierte Hobbyradler -- mehr als 160 Menschen haben sich vor vier Monaten dazu entschieden, an der Radaktion der Schwäbischen Zeitung Move 2010 teilzunehmen. Um für jeden einzelnen die richtige Gruppe zu finden, den richtigen Trainingsplan zu erstellen, ging es nicht gleich aufs Rad, sondern ins Leistungsdiagnostikzentrum nach Friedrichshafen.
„Bei mir wurde durch den Check-up etwas aufgedeckt, was vorher nicht klar war“, sagt ein Teilnehmer aus dem Kreis Ravensburg. Seinen Namen will er in der Zeitung nicht lesen. Im Zuge der Leistungsdiagnostik hing er am EKG. „Es gab Unregelmäßigkeiten im oberen Lastbereich“, sagt er. Diese „Ausreißer“ ließ er gleich von zwei Kardiologen überprüfen. Der Befund: „Zu 96 Prozent ist alles gut.“ Dennoch sei er über das, was bei der Leistungsdiagnostik festgestellt wurde, erschrocken und in der Zeit darauf etwas depressiv gewesen. „Man kommt schon zum Nachdenken, etwa über den stressigen Alltag“, sagt er. Er gilt zwar nicht als Risikopatient, muss keine Medikamente nehmen, aber er soll alle eineinhalb Jahre zur Untersuchung kommen -- das haben die Ärzte geraten. „Ich bin froh, dass das aufgedeckt wurde“, sagt er.
Solche Auffälligkeiten im EKG seien keine Seltenheit, sagt Diplom-Sportwissenschaftler Jan Heckel, der die Leistungsdiagnostik durchgeführt hat. „Herzrhythmus- oder Durchblutungsstörungen werden häufiger aufgedeckt, am allerhäufigsten wird Bluthochdruck festgestellt“, etwa einem Dutzend der Move-2010-Teilnehmer habe er einen Gang zum Arzt empfohlen. Heckel erklärt, dass die Auffälligkeiten oft durch verstopfte oder verengte, also „tote“ Blutgefäße verursacht sind, „und das kann im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt führen.“ Das größte Risiko tragen übergewichtige Menschen mit viel Stress, die sich auch noch ungesund ernähren. Und: „Je älter, desto wahrscheinlicher“, sagt der Sportwissenschaftler, denn je später Bluthochdruck oder schlechte Blutfettwerte entdeckt werden, desto mehr Gefäße können schon geschädigt sein.Training ist blutdrucksenkend
Problematisch sei auch, dass man den Bluthochdruck nicht sofort bemerkt, „also nicht wie eine Erkältung, die plötzlich da ist“, so Heckel. Oft werde das erst spät erkannt, „wenn man was am Herzen merkt, ist es oft schon zu spät.“ Ein wirksames Mittel dagegen ist das, was die Organisatoren der Move-2010-Aktion ihren Radschülern einimpfen: Trainieren im lockeren Pulsbereich. „Das wirkt blutdrucksenkend.“
Die positiven Effekte des Radelns im passenden Pulsbereich bestätigt Ute Strobel aus Meckenbeuren. Die Move-2010-Teilnehmerin ist gerade 50 geworden und hat ihre Fitness über die Monate stetig steigern können, so dass sie nun in einer höheren Gruppe fährt. „Ich bin total überzeugt, auch mein Mann achtet jetzt auf seinen Puls“, sagt sie. Dadurch sei sie jetzt vielleicht langsamer auf dem Berggipfel als ihre Freunde, „dafür schaff‘ ich aber den zweiten Berg auch noch“, sagt sie lachend. Begeistert ist sie vor allem von ihrer Gesundheit. „Früher war ich mehrfach im Jahr krank, heute radle ich bei Wind, Wetter und fünf Grad. Mein Immunsystem ist stärker, ein ganz toller Effekt.“
(Erschienen: 30.07.2010 18:10)
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