Punker sollen einem Obststand weichen
Von unserem Redakteur Bernd Adler
Rolf Engler weiß genau, was er will. Im Fall der Punker auf dem Marienplatz heißt das: Er will sie weghaben. "Ich möchte diese Menschen nicht verteufeln", sagt er im Gespräch mit der "Schwäbischen Zeitung". Vielmehr wolle er mit diesem Thema "sozial umgehen". Doch er möchte auch "konstruktive Unruhe erzeugen", zeigen, dass er die Punker auf dem Marienplatz nicht akzeptiert: "Der Marienplatz ist das Wohnzimmer unserer Stadt. Wenn in der guten Stube das (die Punker, Anm. d. Red) normal ist, dann fragt sich der Besucher, wie sieht's erst im Hinterzimmer aus?"
Um den Punkern Herr zu werden, möchte Engler das Gespräch suchen, den Arbeitslosen unter ihnen einen Job anbieten und - wenn das nichts ändert - den Platz vor der Sparkasse "umwidmen". Im Klartext: Durch eine geänderte Nutzung soll den Punkern ihr Platz genommen werden.
Bild des Platzes soll sich ändern
Engler hat für dieses Vorhaben bereits Unterstützung gesucht. Mit Erfolg. Nach Aussage des CDU-Stadtrats hat die Kreissparkasse zugesagt, ihre Info-Stellwand vor dem Waaghaus zu entfernen, um den Ort besser einsehbar zu machen. Beim Wirtschaftsforum Pro Ravensburg (Wifo) stieß Englers Vorschlag, vor der Sparkasse einen großen Obststand aufzubauen, auf Zustimmung. Mit der Familie Arnegger aus Weiherstobel konnte bereits ein Beschicker des Standes gefunden werden. Geht es nach Rolf Engler, werden vor der Kreissparkasse die zumeist von Punks besetzten Bänke entfernt und Tafeln aufgestellt, die Besucher über die Stadt informieren.
"Die Verantwortung für diese Schmuddelecke hat die Stadt, da sie die Spielregeln aufstellt", sagt Rolf Engler. Doch gerade bei der Stadtverwaltung stoßen seine Vorschläge offenbar bisher auf wenig Gegenliebe. Erster Bürgermeister Hans Georg Kraus, in dessen Zuständigkeit die Öffentliche Sicherheit und Ordnung fällt, teilte Engler vergangene Woche mit, dass für ihn die Punker kein großes Problem darstellen. Nur wenn es größere Störungen oder Anzeigen geben würde, sehe er Handlungsbedarf, zitiert Engler Kraus. Für den CDU-Stadtrat ist das "nicht nachvollziehbar". Er glaubt Rückendeckung zu haben von den "vielen Bürgern", die ihn ansprechen und "ermuntern, in der Sache weiterzumachen". Engler glaubt, dass "viele Menschen in dieser Stadt es als äußerst störend empfinden", dass die Punker angeblich "aktiv Passanten anbetteln, jene verbal beschimpfen, die nichts geben, ihr Radio dröhnen, die Hunde frei laufen lassen, permanent Alkohol trinken" und überhaupt "von morgens bis abends" auf dem Marienplatz sitzen. Hans Georg Kraus als zuständiger Bürgermeister müsse daher handeln, so Engler: "Wenn Kraus da nichts tut, dann muss der Oberbürgermeister einsteigen."
Als "falsch verstandene Sozialtümelei" bezeichnet Rolf Engler die bisherige Linie der Stadt, nichts gegen die Punker zu unternehmen. Dabei müsse doch die Stadt selbst ein Interesse haben, dass sie bei Gästen einen guten Eindruck hinterlasse. "Die Punker prägen das Stadtbild", sagt Engler. "Doch sie sind nicht gerade positiv stadtbildprägend."
Engler will nach Arbeit suchen
Trotzdem sagt der sozialpolitische Sprecher der Kreistags-CDU: "Diese Menschen sind ein Teil unserer Stadt." Engler möchte den Punks daher "eine Perspektive bieten". Unter anderem bietet sich Engler an, nach Arbeitsplätzen zu suchen: "Ich will meinen Teil beitragen, dass diese Menschen in Arbeit ein normales Leben führen können." Schließlich wolle er nicht, dass die Leute, die jetzt vor der Sparkasse sitzen, irgendwann am Frauentor landen, was vor allem im Bezug auf Suchtmittel ein Abstieg wäre.}
In der Bachstraße ist er aufgewachsen, später zog er in die Weststadt: Rolf Engler ist ein echter Ravensburger, dem seine Heimatstadt am Herzen liegt. Und darum will er keine Punker auf dem Marienplatz. SZ-Foto: Bernd Adler}
Punker auf dem Marienplatz
Der Platz vor der Kreissparkasse im Waaghaus ist seit Jahren ein beliebter Treffpunkt von Punkern. Nach Selbstauskunft der Punks halten sich zur Zeit im engeren Kreis zehn Leute, im weiteren 20 regelmäßig vor dem Waaghaus auf. Sie sind zwischen 16 und 36 Jahren alt. Nach Angaben der Punker arbeiten zwei Drittel von ihnen, gehen zur Schule oder machen eine Ausbildung. Nur drei Personen würden Passanten anbetteln.
(Erschienen: 21.08.2006 00:15)
Von unserem Redakteur Bernd Adler
Rolf Engler weiß genau, was er will. Im Fall der Punker auf dem Marienplatz heißt das: Er will sie weghaben. "Ich möchte diese Menschen nicht verteufeln", sagt er im Gespräch mit der "Schwäbischen Zeitung". Vielmehr wolle er mit diesem Thema "sozial umgehen". Doch er möchte auch "konstruktive Unruhe erzeugen", zeigen, dass er die Punker auf dem Marienplatz nicht akzeptiert: "Der Marienplatz ist das Wohnzimmer unserer Stadt. Wenn in der guten Stube das (die Punker, Anm. d. Red) normal ist, dann fragt sich der Besucher, wie sieht's erst im Hinterzimmer aus?"
Um den Punkern Herr zu werden, möchte Engler das Gespräch suchen, den Arbeitslosen unter ihnen einen Job anbieten und - wenn das nichts ändert - den Platz vor der Sparkasse "umwidmen". Im Klartext: Durch eine geänderte Nutzung soll den Punkern ihr Platz genommen werden.
Bild des Platzes soll sich ändern
Engler hat für dieses Vorhaben bereits Unterstützung gesucht. Mit Erfolg. Nach Aussage des CDU-Stadtrats hat die Kreissparkasse zugesagt, ihre Info-Stellwand vor dem Waaghaus zu entfernen, um den Ort besser einsehbar zu machen. Beim Wirtschaftsforum Pro Ravensburg (Wifo) stieß Englers Vorschlag, vor der Sparkasse einen großen Obststand aufzubauen, auf Zustimmung. Mit der Familie Arnegger aus Weiherstobel konnte bereits ein Beschicker des Standes gefunden werden. Geht es nach Rolf Engler, werden vor der Kreissparkasse die zumeist von Punks besetzten Bänke entfernt und Tafeln aufgestellt, die Besucher über die Stadt informieren.
"Die Verantwortung für diese Schmuddelecke hat die Stadt, da sie die Spielregeln aufstellt", sagt Rolf Engler. Doch gerade bei der Stadtverwaltung stoßen seine Vorschläge offenbar bisher auf wenig Gegenliebe. Erster Bürgermeister Hans Georg Kraus, in dessen Zuständigkeit die Öffentliche Sicherheit und Ordnung fällt, teilte Engler vergangene Woche mit, dass für ihn die Punker kein großes Problem darstellen. Nur wenn es größere Störungen oder Anzeigen geben würde, sehe er Handlungsbedarf, zitiert Engler Kraus. Für den CDU-Stadtrat ist das "nicht nachvollziehbar". Er glaubt Rückendeckung zu haben von den "vielen Bürgern", die ihn ansprechen und "ermuntern, in der Sache weiterzumachen". Engler glaubt, dass "viele Menschen in dieser Stadt es als äußerst störend empfinden", dass die Punker angeblich "aktiv Passanten anbetteln, jene verbal beschimpfen, die nichts geben, ihr Radio dröhnen, die Hunde frei laufen lassen, permanent Alkohol trinken" und überhaupt "von morgens bis abends" auf dem Marienplatz sitzen. Hans Georg Kraus als zuständiger Bürgermeister müsse daher handeln, so Engler: "Wenn Kraus da nichts tut, dann muss der Oberbürgermeister einsteigen."
Als "falsch verstandene Sozialtümelei" bezeichnet Rolf Engler die bisherige Linie der Stadt, nichts gegen die Punker zu unternehmen. Dabei müsse doch die Stadt selbst ein Interesse haben, dass sie bei Gästen einen guten Eindruck hinterlasse. "Die Punker prägen das Stadtbild", sagt Engler. "Doch sie sind nicht gerade positiv stadtbildprägend."
Engler will nach Arbeit suchen
Trotzdem sagt der sozialpolitische Sprecher der Kreistags-CDU: "Diese Menschen sind ein Teil unserer Stadt." Engler möchte den Punks daher "eine Perspektive bieten". Unter anderem bietet sich Engler an, nach Arbeitsplätzen zu suchen: "Ich will meinen Teil beitragen, dass diese Menschen in Arbeit ein normales Leben führen können." Schließlich wolle er nicht, dass die Leute, die jetzt vor der Sparkasse sitzen, irgendwann am Frauentor landen, was vor allem im Bezug auf Suchtmittel ein Abstieg wäre.}
In der Bachstraße ist er aufgewachsen, später zog er in die Weststadt: Rolf Engler ist ein echter Ravensburger, dem seine Heimatstadt am Herzen liegt. Und darum will er keine Punker auf dem Marienplatz. SZ-Foto: Bernd Adler}
Punker auf dem Marienplatz
Der Platz vor der Kreissparkasse im Waaghaus ist seit Jahren ein beliebter Treffpunkt von Punkern. Nach Selbstauskunft der Punks halten sich zur Zeit im engeren Kreis zehn Leute, im weiteren 20 regelmäßig vor dem Waaghaus auf. Sie sind zwischen 16 und 36 Jahren alt. Nach Angaben der Punker arbeiten zwei Drittel von ihnen, gehen zur Schule oder machen eine Ausbildung. Nur drei Personen würden Passanten anbetteln.
(Erschienen: 21.08.2006 00:15)
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