Protest ebnet Veränderungen den Weg
Über diese bewegten Tage im April '68 verfasste Dr. Peter Schmid im Vorjahr zwei Aufarbeitungsversuche: Eine 20-seitige Broschüre "Biberach und die 68er" sowie ein Theaterstück mit dem Untertitel "Zur Erinnerung und Mahnung an Bundeskanzler-Kiesinger", kombiniert mit dem Prozess gegen die Biberacher Venceremos-Schülerzeitung und-dem-Komplex Rockmusik, Sexualität-und Drogen.
Der aufmüpfige Kampf der Biberacher 68er-Generation für eine Entnazifizierung und eine weitere Demokratisierung auf allen Ebenen wird von den 20 Laienschauspielern und einer Zweimann-Band dabei ebenso in Szene gesetzt, wie das Abtauchen einiger politisch resignierten Protagonisten in die Drogenszene. Peter Schmid: "Meine Zusatzkomponente - es auch ein Antidrogenstück".
Es war, so der Biberacher Psychologe eine kleine Gruppe, doch Ideenreich und provokant, so bezeichnet Dr. Peter Schmid die damalige Biberacher A.P.O., die-sich vom Kürzel-der größeren-Studentenbewegung-durch drei Pünktchen unterschied. Höhepunkt-dieser kurzlebigen Biberacher Bewegung: Sie hatte am 22. April 1968 den wegen seiner Nazivergangenheit umstrittenen Kanzler auf dem Biberacher Marktplatz mit roten Kreuzen und Transparenten konfrontiert, mit Zwischenrufen und-einem Plakat mit der Aufschrift "33 bis 45?"
War-Kurt Georg Kiesinger als Ministerpräsident noch mit der Kutsche zur Ehrenloge beim Schützenfest eskortiert worden, so beklatschten ihn als Kanzler nun nicht mehr alle. Mehr noch: Demonstranten unterbrachen ihn immer wieder, nannten ihn eine braune Socke.-Diese Zwischenrufe eskalierten dann in der Aufforderung Kiesingers "Schaffen Sie die Leute vom Platz", was dann ein Bürger zu Fausthieben ins Gesicht eines Demonstranten animierte. Für die Stuttgarter Zeitung wie für die Süddeutsche war dieser Gewaltaufruf, pikanterweise da, wo heute das Esel steht,-eindeutig "ein-Faux pas" des damaligen Kanzlers.
"Penible Recherche"
Für Peter Schmid war vor dem Schreiben-seines Theaterstücks in sechs Akten-klar, dass diese Aufarbeitung der 68er-Geschichte in Biberach, die bereits im vergangenen Jahr acht Mal im Komödienhaus sowie im Füramooser Rössle gezeigt wurde, vor allem eines sein musste: auf penibler Recherche fußend.-"Denn ich hatte mit viel Gegenwind und Kritik gerechnet." Er selbst, der damals zwar nicht zum inneren Kern gehörte, aber sich als Sympathisant einordnet, sei dann doch überrascht gewesen über die mehrheitlich positive Resonanz auf die Aufführungen im Vorjahr. Seine Recherchen seien ihm bei den reichhaltigen Quellen und Gesprächen mit Zeitzeugen her leicht gefallen, erklärt er. Mit den Aufführungen-im Vorjahr kamen neue Informationen und Anekdoten hinzu:-Denn die freie Theatergruppe unterbricht das Stück für kurze Erläuterungen und Diskussionen - und so gab etwa Alt-OB Hoffmann-bekannt, dass er Kiesingers geplanter Eintrag ins goldene Buch der Stadt damals verhinderte. Bei einem neuen Stück in zehn Jahren wird dies sicherlich mit aufgenommen, betont Dr. Peter Schmid.
(Erschienen: 18.04.2008 00:07)
Über diese bewegten Tage im April '68 verfasste Dr. Peter Schmid im Vorjahr zwei Aufarbeitungsversuche: Eine 20-seitige Broschüre "Biberach und die 68er" sowie ein Theaterstück mit dem Untertitel "Zur Erinnerung und Mahnung an Bundeskanzler-Kiesinger", kombiniert mit dem Prozess gegen die Biberacher Venceremos-Schülerzeitung und-dem-Komplex Rockmusik, Sexualität-und Drogen.
Der aufmüpfige Kampf der Biberacher 68er-Generation für eine Entnazifizierung und eine weitere Demokratisierung auf allen Ebenen wird von den 20 Laienschauspielern und einer Zweimann-Band dabei ebenso in Szene gesetzt, wie das Abtauchen einiger politisch resignierten Protagonisten in die Drogenszene. Peter Schmid: "Meine Zusatzkomponente - es auch ein Antidrogenstück".
Es war, so der Biberacher Psychologe eine kleine Gruppe, doch Ideenreich und provokant, so bezeichnet Dr. Peter Schmid die damalige Biberacher A.P.O., die-sich vom Kürzel-der größeren-Studentenbewegung-durch drei Pünktchen unterschied. Höhepunkt-dieser kurzlebigen Biberacher Bewegung: Sie hatte am 22. April 1968 den wegen seiner Nazivergangenheit umstrittenen Kanzler auf dem Biberacher Marktplatz mit roten Kreuzen und Transparenten konfrontiert, mit Zwischenrufen und-einem Plakat mit der Aufschrift "33 bis 45?"
War-Kurt Georg Kiesinger als Ministerpräsident noch mit der Kutsche zur Ehrenloge beim Schützenfest eskortiert worden, so beklatschten ihn als Kanzler nun nicht mehr alle. Mehr noch: Demonstranten unterbrachen ihn immer wieder, nannten ihn eine braune Socke.-Diese Zwischenrufe eskalierten dann in der Aufforderung Kiesingers "Schaffen Sie die Leute vom Platz", was dann ein Bürger zu Fausthieben ins Gesicht eines Demonstranten animierte. Für die Stuttgarter Zeitung wie für die Süddeutsche war dieser Gewaltaufruf, pikanterweise da, wo heute das Esel steht,-eindeutig "ein-Faux pas" des damaligen Kanzlers.
"Penible Recherche"
Für Peter Schmid war vor dem Schreiben-seines Theaterstücks in sechs Akten-klar, dass diese Aufarbeitung der 68er-Geschichte in Biberach, die bereits im vergangenen Jahr acht Mal im Komödienhaus sowie im Füramooser Rössle gezeigt wurde, vor allem eines sein musste: auf penibler Recherche fußend.-"Denn ich hatte mit viel Gegenwind und Kritik gerechnet." Er selbst, der damals zwar nicht zum inneren Kern gehörte, aber sich als Sympathisant einordnet, sei dann doch überrascht gewesen über die mehrheitlich positive Resonanz auf die Aufführungen im Vorjahr. Seine Recherchen seien ihm bei den reichhaltigen Quellen und Gesprächen mit Zeitzeugen her leicht gefallen, erklärt er. Mit den Aufführungen-im Vorjahr kamen neue Informationen und Anekdoten hinzu:-Denn die freie Theatergruppe unterbricht das Stück für kurze Erläuterungen und Diskussionen - und so gab etwa Alt-OB Hoffmann-bekannt, dass er Kiesingers geplanter Eintrag ins goldene Buch der Stadt damals verhinderte. Bei einem neuen Stück in zehn Jahren wird dies sicherlich mit aufgenommen, betont Dr. Peter Schmid.
(Erschienen: 18.04.2008 00:07)
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