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Personal Trainer Karsten Schellenberg über seinen Berufsstand: "Mentoren sind wichtiger als Scheine"

Karsten Schellenberg arbeitet seit 17 Jahren als Personal Trainer. Der 44-Jährige betreut unter anderem Schauspielerin Franka Potente, begleitete Reamon auf seiner Tour und machte Clemens Schick, Darsteller im aktuellen James-Bond-Film, fit für den Transalpine-Lauf. Im Interview spricht er mit unserer Mitarbeiterin Birgit Gehrmann über seinen Berufsstand.

SZ: Herr Schellenberg, Sie zählen zu den ersten deutschen Personal Trainern. Wie kamen Sie zu diesem Beruf?

Schellenberg: Nach vielen Jahren Leistungssport arbeitete ich in den 1980-er-Jahren als Fitnesstrainer in einem Studio. Während eines USA-Aufenthaltes habe ich den Beruf des Personal Trainers kennen gelernt und war begeistert. Also bot ich in dem Studio, in dem ich arbeitete, Personal-Trainer-Stunden an. Meine ersten Klienten waren Ärzte und Anwälte. Allerdings waren Anfang der 1990er Studios noch als Muckibuden verschrien und meine Klienten rechte Exoten. Da war die Hemmschwelle, zu mir zu kommen, natürlich hoch. Ich habe deshalb Stunden außerhalb des Studios angeboten.

SZ: Wer leistet sich heutzutage einen Personal Trainer und warum?

Schellenberg: Es ist nicht mehr nur noch etwas für VIPs oder Promis. Der Trend geht dahin, dass sich auch der Otto-Normalverbraucher einen Personal Trainer leisten kann. Manche wollen sich einfach mal „etwas Gutes“ gönnen. Andere wollen ihren Körper und ihre Grenzen kennen lernen. Und das ist es, was ein Personal Trainer leisten kann und muss. Er sollte den Menschen helfen, ihre Techniken zu verfeinern und Ziele zu erreichen. Es ist nichts für Leute, die ihren Körper eh gut kennen, ins Studio oder zum Verein gehen.

SZ: Kann ein Personal Trainer das Fitness-Studio oder den Sportverein ersetzen?

Schellenberg: Wenn es ein guter Trainer ist in jedem Fall. Er kann viel besser auf persönliche Wünsche eingehen. Ein Studio kann immer nur Standard leisten. Oder ich buche mir dort zusätzlich einen Personal Trainer. Bei einem guten Trainer reicht es aus, etwa zwei Mal im Monat eine Stunde zu buchen. Er sollte dann in der Lage sein, ein Trainingsprogramm zu erstellen, nach dem der Klient drei Mal in der Woche alleine trainieren kann.

SZ: Was zeichnet einen guten Personal Trainer aus, und wie viel sollte man für eine Stunde ausgeben?

Schellenberg: Für mich ist es sehr wichtig, dass ein Personal Trainer mal Sportler gewesen ist. Sportler wissen, wie man Leistungsgrenzen erreicht. Aber auch Menschenkenntnis ist wichtig. Wenn es menschlich nicht klappt, klappt auch das beste Training nicht. Die Leute verlassen sich hundertprozentig auf einen. Deshalb rate ich, erst eine Probestunde zu buchen. Es gibt Trainingsstunden zwischen 40 und 150 Euro. Ich denke, 60 bis 80 Euro kann man für einen guten Trainer ausgeben.

SZ: Es gibt mittlerweile den Bundesverband Deutscher Personal Trainer, der sich um Qualitätsstandards bemüht und Ausbildungsprogramme zertifiziert. Was halten Sie davon?

Schellenberg: Eine Zertifizierung ist sicherlich gut, um die Scharlatanerie einzudämmen. Diese Leute haben zumindest eine Theorie durchlaufen, kennen etwas vom Muskelaufbau und haben gelernt, Wissen zu vermitteln. Für mich sind Mentoren aber wichtiger als Scheine. Es zeichnet einen aus, von wem man gelernt hat. Ich selbst werde bald in die USA gehen, um ein Playmate zu trainieren. Für diese Zeit habe ich Trainingsstunden bei Marc Versteegen gebucht, dem Fitnesstrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

SZ: Warum würden Sie sich als guten Personal Trainer bezeichnen?

Schellenberg: Ich lebe für das Personal Training. Ich beschäftige mich mit nichts anderem. Wenn sie es wünschen, bin ich rund um die Uhr für meine Klienten da. Berate sie bei der Ernährung, koche sogar für sie. Aber ich maße mir nicht an, alles zu wissen. Deshalb habe ich ein Team um mich herum, unter anderem einen Ernährungswissenschaftler. Und es ist für mich die größte Herausforderung, wenn ich jemandem helfen und seine Lebensqualität verbessern kann.

(Erschienen: 22.03.2007 13:00)

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