Neben der Seelsorge waren die Medien seine große Leidenschaft
Warum konnte eigentlich je der Eindruck entstehen, Erntedankteppiche gäbe es weltweit nur an einem Ort - in Otterswang bei Bad Schussenried? Wer einmal das Vergnügen hatte, sich in Pfarrer Becks hochmodernem Film- und Tonstudio umzuschauen, weiß warum. Der Mann war ein Mediengenie, versorgte von Otterswang aus gewissenhaft und gewieft zugleich Zeitungen und Zeitschriften, Rundfunkstationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie etliche TV-Sender mit Beiträgen zur oberschwäbischem Kultur - und da tauchte dann halt auch öfters der Blumenschmuck seiner geliebten Barockkirche auf, in der er von 1965 bis 1999 wirkte.
Beck war ein Kind der Region, und er blieb es. 1932 in Leutkirch geboren, studierte er nach dem Abitur am Salvatorkolleg von Bad Wurzach katholische Theologie und Volkskunde in Tübingen. 1958 wurde er in Ulm zum Priester geweiht und kam dann nach Stationen in Ratzenried, Weil der Stadt, Schramberg und Aulendorf nach Otterswang, das er erst nach seiner Pensionierung in Richtung Primisweiler bei Wangen verließ. "Um nicht einzurosten", wie er einmal sagte, absolvierte er zwischendurch von 1976 bis 1978 in Innsbruck ein Promotionsstudium in Kirchengeschichte, Volkskunde und Liturgiewissenschaft. Seine 1980 erschienene Doktorarbeit über die Reichsabtei Heggbach im Kreis Biberach gilt in der Branche als Standardwerk zur Geschichte der Zisterzienserinnen.
Die Kombination von ausgeprägtem Kunstsinn und tiefer Verwurzelung in seiner oberschwäbischen Heimat, gepaart mit wacher Neugier und seinem kulturjournalistischen Naturtalent, ließen Beck dann nebenher zum Medienpfarrer werden. Früh arbeitete er schon für Zeitungen und baute dieses Engagement dann multimedial aus. Dass die Seelsorge dabei nicht zu kurz kam, beweisen wichtige Kirchenämter, die er begleitete - bis hin zur Liturgiekommission der Diözese.
Über den Tod hinaus wird man seinen Namen aber vor allem mit seinen unzähligen Publikationen im Gedächtnis behalten: Bücher, Broschüren, Zeitungsartikel, aber auch TV-Filme und Rundfunkbeiträge. Davon waren sehr viele rein theologisch akzentuiert. Predigten, Andachten, Betrachtungen zu Kirchenfesten belegen, dass er das Wort Gottes als unverzichtbar für ein erfülltes Menschenleben ansah. Daneben war religiöses Brauchtum seine große Leidenschaft. Kaum jemand wusste so gut Bescheid über die christliche Kultur zwischen Schwarzwald und Iller, Donau und Bodensee - vom Blasiussegen bis zur Reiterprozession, von der Kräuterweihe bis zum Palmenbinden. Kaum jemand konnte aber auch so in heiligen Zorn geraten wie er, wenn er das religiöse Vermächtnis seiner Heimat bedroht sah.
Er schrieb 35 Kirchenführer
Auch in regionalen Kunstdingen reichte ihm niemand so schnell das Wasser. Beck, der lange als Kunstgutachter der Diözese tätig war, verfasste 35 Kirchenführer. Zahlreiche Gotteshäuser - von Ellwangen im Norden bis hinunter nach Langenargen, von Schramberg im Westen bis hinüber nach Weitnau im Allgäu - nahm er mit profundem kunsthistorischen Detailwissen in Augenschein. Zuerst bei Schnell & Steiner erschienen, werden sie heute vom Fink Verlag in Weiler betreut. Dort liegen nun etliche Skizzen von weiteren Projekten, die Beck noch am Herzen gelegen hatten. Eine Festschrift zu seinem 75. Geburtstag im Herbst war schon angedacht...
Nicht zu vergessen: Auch die "Schwäbische Zeitung" hat großen Grund zum Trauern. Schrieb Beck doch seit 1980 ein tägliches Kalenderblatt mit Bibelwort, Tagesspruch, Tagesheiligen und Bauernregel. Weit über 9000 werden es gewesen sein. Und die unzähligen Anrufe während der Zeit seiner Krankheit, warum sie denn ausblieben, belegen die enorme Beliebtheit dieser Rubrik.
"Das Leben ist zu kurz", sagte Beck inmitten seiner 10 000 Bücher, als man ihm zum 70. gratulierte. Er hatte leider recht damit.
(Erschienen: 05.07.2007 00:07)
Warum konnte eigentlich je der Eindruck entstehen, Erntedankteppiche gäbe es weltweit nur an einem Ort - in Otterswang bei Bad Schussenried? Wer einmal das Vergnügen hatte, sich in Pfarrer Becks hochmodernem Film- und Tonstudio umzuschauen, weiß warum. Der Mann war ein Mediengenie, versorgte von Otterswang aus gewissenhaft und gewieft zugleich Zeitungen und Zeitschriften, Rundfunkstationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie etliche TV-Sender mit Beiträgen zur oberschwäbischem Kultur - und da tauchte dann halt auch öfters der Blumenschmuck seiner geliebten Barockkirche auf, in der er von 1965 bis 1999 wirkte.
Beck war ein Kind der Region, und er blieb es. 1932 in Leutkirch geboren, studierte er nach dem Abitur am Salvatorkolleg von Bad Wurzach katholische Theologie und Volkskunde in Tübingen. 1958 wurde er in Ulm zum Priester geweiht und kam dann nach Stationen in Ratzenried, Weil der Stadt, Schramberg und Aulendorf nach Otterswang, das er erst nach seiner Pensionierung in Richtung Primisweiler bei Wangen verließ. "Um nicht einzurosten", wie er einmal sagte, absolvierte er zwischendurch von 1976 bis 1978 in Innsbruck ein Promotionsstudium in Kirchengeschichte, Volkskunde und Liturgiewissenschaft. Seine 1980 erschienene Doktorarbeit über die Reichsabtei Heggbach im Kreis Biberach gilt in der Branche als Standardwerk zur Geschichte der Zisterzienserinnen.
Die Kombination von ausgeprägtem Kunstsinn und tiefer Verwurzelung in seiner oberschwäbischen Heimat, gepaart mit wacher Neugier und seinem kulturjournalistischen Naturtalent, ließen Beck dann nebenher zum Medienpfarrer werden. Früh arbeitete er schon für Zeitungen und baute dieses Engagement dann multimedial aus. Dass die Seelsorge dabei nicht zu kurz kam, beweisen wichtige Kirchenämter, die er begleitete - bis hin zur Liturgiekommission der Diözese.
Über den Tod hinaus wird man seinen Namen aber vor allem mit seinen unzähligen Publikationen im Gedächtnis behalten: Bücher, Broschüren, Zeitungsartikel, aber auch TV-Filme und Rundfunkbeiträge. Davon waren sehr viele rein theologisch akzentuiert. Predigten, Andachten, Betrachtungen zu Kirchenfesten belegen, dass er das Wort Gottes als unverzichtbar für ein erfülltes Menschenleben ansah. Daneben war religiöses Brauchtum seine große Leidenschaft. Kaum jemand wusste so gut Bescheid über die christliche Kultur zwischen Schwarzwald und Iller, Donau und Bodensee - vom Blasiussegen bis zur Reiterprozession, von der Kräuterweihe bis zum Palmenbinden. Kaum jemand konnte aber auch so in heiligen Zorn geraten wie er, wenn er das religiöse Vermächtnis seiner Heimat bedroht sah.
Er schrieb 35 Kirchenführer
Auch in regionalen Kunstdingen reichte ihm niemand so schnell das Wasser. Beck, der lange als Kunstgutachter der Diözese tätig war, verfasste 35 Kirchenführer. Zahlreiche Gotteshäuser - von Ellwangen im Norden bis hinunter nach Langenargen, von Schramberg im Westen bis hinüber nach Weitnau im Allgäu - nahm er mit profundem kunsthistorischen Detailwissen in Augenschein. Zuerst bei Schnell & Steiner erschienen, werden sie heute vom Fink Verlag in Weiler betreut. Dort liegen nun etliche Skizzen von weiteren Projekten, die Beck noch am Herzen gelegen hatten. Eine Festschrift zu seinem 75. Geburtstag im Herbst war schon angedacht...
Nicht zu vergessen: Auch die "Schwäbische Zeitung" hat großen Grund zum Trauern. Schrieb Beck doch seit 1980 ein tägliches Kalenderblatt mit Bibelwort, Tagesspruch, Tagesheiligen und Bauernregel. Weit über 9000 werden es gewesen sein. Und die unzähligen Anrufe während der Zeit seiner Krankheit, warum sie denn ausblieben, belegen die enorme Beliebtheit dieser Rubrik.
"Das Leben ist zu kurz", sagte Beck inmitten seiner 10 000 Bücher, als man ihm zum 70. gratulierte. Er hatte leider recht damit.
(Erschienen: 05.07.2007 00:07)
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