Methadon-Patienten fühlen sich in die Kriminalität zurückgetrieben
"Ohne Methadon wäre ich schon lange tot. Und wenn die Behandlung damit auch noch wegfällt, lande ich sicher wieder auf der Straße", sagte ein Drogenabhängiger noch vor der Kundgebung, zu der sich gestern Nachmittag knapp 100 Opiatabhängige auf dem Marienplatz versammelt hatten, um danach in einem Demonstrationszug zur Vetter-Apotheke zu laufen - pfeifend, rufend und mit plakativen Sprüchen in der Hand. Wie etwa: "Zurück in die Kriminalität. Nein Danke." Oder: "Besser in der Apotheke einnehmen als die Apotheke einnehmen." Oder: "Ärzte schließen - die Todesrate steigt."
Damit wollten die Drogenabhängigen nicht nur auf ihre, sondern auf die allgemeine Lage hinweisen. Mit der Eröffnung der sogenannten Schwerpunktpraxis hätten viele Patienten die Hoffnung verbunden, endlich eine gesicherte Behandlung zu bekommen, sagte eine Patientin durchs Megaphon. "Nun steht nicht nur eine einzelne Praxis vor dem Aus, sondern die gesamte Substitutionsbehandlung steht nun vor einem schicksalhaften Scheideweg."
Durch die bundesweite Umstrukturierung des Gesundheitswesens sollen die Ärzte etwa 20 Prozent weniger für ihre Substitutionsbehandlungen bekommen. "Diese Kürzung ist wie ein Schlag ins Gesicht", sagte Frank Matschinski von der gleichnamigen Schwerpunktpraxis, um im gleichen Atemzug die Krankenkassen aufzufordern, diese Planung wieder zurück zunehmen.
Matschinskis Ärger war deutlich zu hören. "Die Patientengruppe mit der geringsten Lobby soll jetzt die Kürzung hinnehmen." Kaum ausgesprochen, folgte ein lautes Pfeifkonzert der rund 100 Patienten. "Wie sollen wir einer regelmäßigen Arbeit nachgehen, wenn wir nebenher Drogen besorgen müssen? Wie sollen wir unsere Familien und Kinder versorgen, wenn wir in die Illegalität und Beschaffungskriminalität zurückgetrieben werden?", fragte eine Patientin durchs Megaphon. "Für viele von uns ist ein Leben ohne Substitution kaum denkbar."
Deshalb forderten die Demonstranten die Krankenkassen auf, "die Behandlungen von Opiatabhängigen sicherzustellen und die Kosten einer qualifizierten Behandlung vollständig zu übernehmen".
In Oberschwaben sind rund 700 Menschen opiatabhängig, landesweit geht man von 7000 bis 8000 Patienten aus.
(Erschienen: 22.11.2008 00:07)
"Ohne Methadon wäre ich schon lange tot. Und wenn die Behandlung damit auch noch wegfällt, lande ich sicher wieder auf der Straße", sagte ein Drogenabhängiger noch vor der Kundgebung, zu der sich gestern Nachmittag knapp 100 Opiatabhängige auf dem Marienplatz versammelt hatten, um danach in einem Demonstrationszug zur Vetter-Apotheke zu laufen - pfeifend, rufend und mit plakativen Sprüchen in der Hand. Wie etwa: "Zurück in die Kriminalität. Nein Danke." Oder: "Besser in der Apotheke einnehmen als die Apotheke einnehmen." Oder: "Ärzte schließen - die Todesrate steigt."
Damit wollten die Drogenabhängigen nicht nur auf ihre, sondern auf die allgemeine Lage hinweisen. Mit der Eröffnung der sogenannten Schwerpunktpraxis hätten viele Patienten die Hoffnung verbunden, endlich eine gesicherte Behandlung zu bekommen, sagte eine Patientin durchs Megaphon. "Nun steht nicht nur eine einzelne Praxis vor dem Aus, sondern die gesamte Substitutionsbehandlung steht nun vor einem schicksalhaften Scheideweg."
Durch die bundesweite Umstrukturierung des Gesundheitswesens sollen die Ärzte etwa 20 Prozent weniger für ihre Substitutionsbehandlungen bekommen. "Diese Kürzung ist wie ein Schlag ins Gesicht", sagte Frank Matschinski von der gleichnamigen Schwerpunktpraxis, um im gleichen Atemzug die Krankenkassen aufzufordern, diese Planung wieder zurück zunehmen.
Matschinskis Ärger war deutlich zu hören. "Die Patientengruppe mit der geringsten Lobby soll jetzt die Kürzung hinnehmen." Kaum ausgesprochen, folgte ein lautes Pfeifkonzert der rund 100 Patienten. "Wie sollen wir einer regelmäßigen Arbeit nachgehen, wenn wir nebenher Drogen besorgen müssen? Wie sollen wir unsere Familien und Kinder versorgen, wenn wir in die Illegalität und Beschaffungskriminalität zurückgetrieben werden?", fragte eine Patientin durchs Megaphon. "Für viele von uns ist ein Leben ohne Substitution kaum denkbar."
Deshalb forderten die Demonstranten die Krankenkassen auf, "die Behandlungen von Opiatabhängigen sicherzustellen und die Kosten einer qualifizierten Behandlung vollständig zu übernehmen".
In Oberschwaben sind rund 700 Menschen opiatabhängig, landesweit geht man von 7000 bis 8000 Patienten aus.
(Erschienen: 22.11.2008 00:07)
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