Klinik "Sonnenhof" schließt für immer
Von unserem Redakteur Ulrich Deschler
Elisabeth Neugebauer schläft zurzeit nur noch sehr wenig, gesteht sie beim Gespräch. "Da steckt viel Herzblut drin", sagt sie und meint damit den "Sonnenhof", eine Einrichtung, die es in Wangen seit mittlerweile 53 Jahren gibt. Zunächst war das Haus auf der Berger Höhe ein kleines Hotel mit 30 Betten, dann wurde es zur Kureinrichtung für Lungen-Patienten.
Vor 25 Jahren hat Elisabeth Neugebauer die Leitung von ihrer Mutter übernommen. "Wir hatten damals acht Mitarbeiter und zehn Patienten", erzählt sie. Das Haus ist auf 90 Betten gewachsen, hat sich auf Orthopädie spezialisiert, für Kuren und Anschlussheilbehandlungen (AHB). "Wir haben viele Millionen investiert", betont Elisabeth Neugebauer. In den guten Jahren wurden bis zu 65 Mitarbeiter beschäftigt. Mittlerweile sind es noch 48.
Und die sind nun "völlig niedergeschlagen" seitdem die Schließung bekannt wurde, erzählt Elisabeth Neugebauer. "Viele sind schon seit über 20 Jahren da", erklärt sie, "unsere Oberschwester Ingrid Gaßner sogar seit 37 Jahren". Sie selber hat im Juni 2004 Einrichtung und Geschäftsführung an ihren Sohn Dr. Torsten Neugebauer übergeben.
Auf einer Betriebsversammlung sind die Mitarbeiter gestern Nachmittag über Hintergründe und weiteres Verfahren informiert worden. "Wir machen keine Insolvenz", betonte Elisabeth Neugebauer gestern beim Pressegespräch. "Wir machen eine Betriebsschließung, mit Einhaltung der Kündigungszeiten und in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit". Und noch etwas ist ihr wichtig: "Der Betrieb läuft bis 31. November voll weiter".
Danach wird es still im "Sonnenhof". "Wir haben wirklich alles versucht," beteuert die frühere Chefin, "aber seit gut zwei Jahren zahlen wir ordentlich drauf". Man habe Grundstücke verkauft, um Gehälter bezahlen zu können. "Wir haben gedacht, das ist nur eine Talsohle", ergänzt Schwiegertochter Iris Neugebauer, die als Ärztin bisweilen in den Familienbetrieb eingebunden ist. Angebote als Hotel garni sollten die Durststrecke überwinden helfen. "Aber das Hotel hätte uns nicht aus der Misere geholfen", glaubt Iris Neugebauer.
"Bis 1996 habe ich ein volles Haus gehabt", erinnert sich Elisabeth Neugebauer. "Einen ersten Einbruch gab es 1996 bei der Gesundheitsreform", berichtet sie, "aber dann hat sich die Lage wieder erholt". Sie erläutert weiter: "Bis 2001 hatten wir ordentliche Jahre, aber dann ging es beständig abwärts auf 60, 50, 40 Prozent Auslastung". Die Bundesanstalt für Arbeit (BfA) als Vertragspartner habe aber darauf bestanden, dass Personal vorgehalten wird wie bei einer 96-prozentigen Auslastung.
Elisabeth Neugebauer beziffert die monatlichen Personalkosten auf rund 100 000 Euro. "Den medizinischen Apparat kann man mit unserer Patientenzahl nicht aufrecht erhalten", umreißt Iris Neugebauer das Problem.
Konkurrenz der "Großen"
"Dass sich das Gute nicht halten kann", ist für Elisabeth Neugebauer besonders bitter. "Unsere Therapieabteilung ist hervorragend und preiswert", erklärt sie, "es gibt kein Zimmer, das nicht renoviert ist. In diesem Haus ist alles neu". Mit 93,40 Euro sei der Tagessatz deutlich günstiger als bei vergleichbaren Einrichtungen in der Region. Gegen die Konkurrenz der "Großen" im Kurbetrieb und bei den Anschlussheilbehandlungen half das alles offenbar nichts. "Die Großen fressen die Kleinen", stellt Elisabeth Neugebauer fest. "Es versucht halt jeder durchzukommen".
Wie es mit dem Gebäudekomplex auf der Berger Höhe weitergeht, mit Park, Schwimmbad und vielem mehr an Sonderausstattung, steht derzeit noch in den Sternen. Die Familie Neugebauer sucht nach Investoren zum Pachten oder Kaufen. "Wir sind offen", betont Iris Neugebauer. "Es wäre schön, es gäbe eine gute Lösung".}
"Für jeden Baum im Garten habe ich den Platz ausgesucht", erzählt Elisabeth Neugebauer. Auch für die langjährige Chefin ist es bitter, dass der "Sonnenhof" schließen muss. 25 Jahre hat sie die Geschicke des Haues geleitet - im Großen wie im Kleinen. Foto: Deschler}
Daten zum "Sonnenhof"
Anfänge: 1952
Mitarbeiter: 48
Status: Kurklinik und Hotel garni
Fachpersonal: Drei feste Ärzte,eine Psychologin, zwölf Therapeuten, fünf Krankenschwestern, drei medizinische Schreibkräfte
Kapazität: 90 Betten}
Die "Kleinen" tun sich schwer im neuen Gesundheitssystem. Das zeigt sich am Beispiel "Sonnenhof".
Es erwischt auch die Falschen
Von Ulrich Deschler
Dass die Sparzwänge der Gesundheitsreform Opfer fordern, ist kaum zu vermeiden. Bitter ist, wenn es dabei die Falschen erwischt. Zum Beispiel kleinere, aber seriös betriebene Einrichtungen wie die Kurklinik "Sonnenhof" in Wangen. Allem Anschein nach liegen die Ursachen für das Scheitern in einem Geflecht von Beziehungen im Gesundheitssystem, in dem es die "Kleinen" immer schwerer haben. Aus der Sicht der Patienten ist das bedauerlich. Viele von ihnen fühlen sich in überschaubaren Einrichtungen besser aufgehoben.
Die Tage der Kurklinik "Sonnenhof" sind gezählt. Die Anlage selber ist in Schuss, sollte sich beispielsweise ein Investor für ein Wellness-Hotel finden.
(Erschienen: 08.09.2005 00:19)
Von unserem Redakteur Ulrich Deschler
Elisabeth Neugebauer schläft zurzeit nur noch sehr wenig, gesteht sie beim Gespräch. "Da steckt viel Herzblut drin", sagt sie und meint damit den "Sonnenhof", eine Einrichtung, die es in Wangen seit mittlerweile 53 Jahren gibt. Zunächst war das Haus auf der Berger Höhe ein kleines Hotel mit 30 Betten, dann wurde es zur Kureinrichtung für Lungen-Patienten.
Vor 25 Jahren hat Elisabeth Neugebauer die Leitung von ihrer Mutter übernommen. "Wir hatten damals acht Mitarbeiter und zehn Patienten", erzählt sie. Das Haus ist auf 90 Betten gewachsen, hat sich auf Orthopädie spezialisiert, für Kuren und Anschlussheilbehandlungen (AHB). "Wir haben viele Millionen investiert", betont Elisabeth Neugebauer. In den guten Jahren wurden bis zu 65 Mitarbeiter beschäftigt. Mittlerweile sind es noch 48.
Und die sind nun "völlig niedergeschlagen" seitdem die Schließung bekannt wurde, erzählt Elisabeth Neugebauer. "Viele sind schon seit über 20 Jahren da", erklärt sie, "unsere Oberschwester Ingrid Gaßner sogar seit 37 Jahren". Sie selber hat im Juni 2004 Einrichtung und Geschäftsführung an ihren Sohn Dr. Torsten Neugebauer übergeben.
Auf einer Betriebsversammlung sind die Mitarbeiter gestern Nachmittag über Hintergründe und weiteres Verfahren informiert worden. "Wir machen keine Insolvenz", betonte Elisabeth Neugebauer gestern beim Pressegespräch. "Wir machen eine Betriebsschließung, mit Einhaltung der Kündigungszeiten und in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit". Und noch etwas ist ihr wichtig: "Der Betrieb läuft bis 31. November voll weiter".
Danach wird es still im "Sonnenhof". "Wir haben wirklich alles versucht," beteuert die frühere Chefin, "aber seit gut zwei Jahren zahlen wir ordentlich drauf". Man habe Grundstücke verkauft, um Gehälter bezahlen zu können. "Wir haben gedacht, das ist nur eine Talsohle", ergänzt Schwiegertochter Iris Neugebauer, die als Ärztin bisweilen in den Familienbetrieb eingebunden ist. Angebote als Hotel garni sollten die Durststrecke überwinden helfen. "Aber das Hotel hätte uns nicht aus der Misere geholfen", glaubt Iris Neugebauer.
"Bis 1996 habe ich ein volles Haus gehabt", erinnert sich Elisabeth Neugebauer. "Einen ersten Einbruch gab es 1996 bei der Gesundheitsreform", berichtet sie, "aber dann hat sich die Lage wieder erholt". Sie erläutert weiter: "Bis 2001 hatten wir ordentliche Jahre, aber dann ging es beständig abwärts auf 60, 50, 40 Prozent Auslastung". Die Bundesanstalt für Arbeit (BfA) als Vertragspartner habe aber darauf bestanden, dass Personal vorgehalten wird wie bei einer 96-prozentigen Auslastung.
Elisabeth Neugebauer beziffert die monatlichen Personalkosten auf rund 100 000 Euro. "Den medizinischen Apparat kann man mit unserer Patientenzahl nicht aufrecht erhalten", umreißt Iris Neugebauer das Problem.
Konkurrenz der "Großen"
"Dass sich das Gute nicht halten kann", ist für Elisabeth Neugebauer besonders bitter. "Unsere Therapieabteilung ist hervorragend und preiswert", erklärt sie, "es gibt kein Zimmer, das nicht renoviert ist. In diesem Haus ist alles neu". Mit 93,40 Euro sei der Tagessatz deutlich günstiger als bei vergleichbaren Einrichtungen in der Region. Gegen die Konkurrenz der "Großen" im Kurbetrieb und bei den Anschlussheilbehandlungen half das alles offenbar nichts. "Die Großen fressen die Kleinen", stellt Elisabeth Neugebauer fest. "Es versucht halt jeder durchzukommen".
Wie es mit dem Gebäudekomplex auf der Berger Höhe weitergeht, mit Park, Schwimmbad und vielem mehr an Sonderausstattung, steht derzeit noch in den Sternen. Die Familie Neugebauer sucht nach Investoren zum Pachten oder Kaufen. "Wir sind offen", betont Iris Neugebauer. "Es wäre schön, es gäbe eine gute Lösung".}
"Für jeden Baum im Garten habe ich den Platz ausgesucht", erzählt Elisabeth Neugebauer. Auch für die langjährige Chefin ist es bitter, dass der "Sonnenhof" schließen muss. 25 Jahre hat sie die Geschicke des Haues geleitet - im Großen wie im Kleinen. Foto: Deschler}
Daten zum "Sonnenhof"
Anfänge: 1952
Mitarbeiter: 48
Status: Kurklinik und Hotel garni
Fachpersonal: Drei feste Ärzte,eine Psychologin, zwölf Therapeuten, fünf Krankenschwestern, drei medizinische Schreibkräfte
Kapazität: 90 Betten}
Die "Kleinen" tun sich schwer im neuen Gesundheitssystem. Das zeigt sich am Beispiel "Sonnenhof".
Es erwischt auch die Falschen
Von Ulrich Deschler
Dass die Sparzwänge der Gesundheitsreform Opfer fordern, ist kaum zu vermeiden. Bitter ist, wenn es dabei die Falschen erwischt. Zum Beispiel kleinere, aber seriös betriebene Einrichtungen wie die Kurklinik "Sonnenhof" in Wangen. Allem Anschein nach liegen die Ursachen für das Scheitern in einem Geflecht von Beziehungen im Gesundheitssystem, in dem es die "Kleinen" immer schwerer haben. Aus der Sicht der Patienten ist das bedauerlich. Viele von ihnen fühlen sich in überschaubaren Einrichtungen besser aufgehoben.
Die Tage der Kurklinik "Sonnenhof" sind gezählt. Die Anlage selber ist in Schuss, sollte sich beispielsweise ein Investor für ein Wellness-Hotel finden.
(Erschienen: 08.09.2005 00:19)





























































