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KaVo-Werk Leutkirch steht vor dem Aus

LEUTKIRCH/BIBERACH - Hiobsbotschaft für die 470 bei KaVo in Leutkirch Beschäftigten und deren Familien: Das hiesige KaVo-Werk wird 2005 zugemacht. Das teilte KaVo-Vorsitzender Dr. Ing.

Von unserem Redakteur Bernd Guido Weber

Für die restlichen Männer und Frauen von KaVo Leutkirch soll zusammen mit dem Betriebsrat ein Sozialplan mit Interessensausgleich und Aufhebungsverträgen ausgehandelt werden. Betriebsbedingte Kündigungen schließt KaVo-Vorstandsvorsitzender Rickert bis zum März 2005 aus. Danach seien diese Kündigungen "nach derzeitiger Planung wohl unvermeidbar". Mit der "Umsetzung" des Planes will Rickert Ende März 2005 beginnen. Das bedeutet wohl das Aus für KaVo Leutkirch zu diesem Zeitpunkt. Was mit der Immobilie passiert, konnte Rickert gestern noch nicht sagen.

Produktion wird konzentriert

Die Schließung des Leutkircher Werkes ist nur ein Teil der Neuausrichtung, mit der KaVo laut Aussage Rickerts auf verlangsamtes Wachstum bei schwierigeren Marktbedingungen reagieren will. Produktion, Auftragsabwicklung, Service und Vertrieb sollen an den Standorten Biberach und Warthausen zusammengelegt werden; damit sollen 330 Vollzeitstellen eingespart werden. Zusätzlich trennt sich KaVo von Dienstleistungsbereichen wie Kantine oder Gärtner; das ergibt einen weiteren Abbau von 59 Vollzeitstellen.

Außerdem sollen Teile, die auf dem freien Markt günstiger zugekauft werden können, nicht mehr bei KaVo selbst produziert werden. Der Dental- Spezialist war bislang stolz darauf, möglichst viele Komponenten selbst in höchster Qualität zu fertigen. Geplant ist, den Produktionsbereich, der nicht zu den "Kernkompetenzen" gehört, in einem eigenständigen Fertigungszentrum zu bündeln. Dort sollen zunächst 275 Vollzeitstellen angesiedelt werden. Rund ein Drittel der Beschäftigten im neuen Fertigungszentrum sollen Mitarbeiter aus Leutkirch sein, die bislang Teile für hochwertige Laboreinrichtungen herstellen. Für diese 80 oder 90 der 280 übernommenen Leutkircher Mitarbeiter wird das neue Fertigungszentrum nicht unbedingt ein sicherer Arbeitsplatz werden. KaVo-Vorsitzender Rickert plant, diese  Produktion bis zum Jahre 2007 ganz oder in Teilen zu verkaufen oder als eigenständigen Betrieb zu führen. Ob alle der dortigen 275 angesiedelten Jobs zukunftsfähig sind, bezweifelt Rickert, beziehungsweise die mit der Analyse beauftragte Unternehmensberatung. Danach sind 116 dieser Jobs nicht sicher. Rickert gestern: "Das kann aber auch ganz anders sein."

Betriebsrat informiert heute

Sowohl die IG Metall Ulm als auch die IG Metall Friedrichshafen zeigen sich über den mit der Umstrukturierung verbundenen Stellenabbau sowie die geplante Schließung des Werkes Leutkirch empört. Die IG-Metall-Bevollmächtigte Lilo Rademacher wirft der Unternehmensleitung vor, sich beim Danaher-Konzern nicht genug für den Ausbau der KaVo- Stärken eingesetzt zu haben. Die Unternehmensleitung habe sich blind dem Shareholder-Value unterworfen. Der hiesige Betriebsratsvorsitzende Klaus Knippschild sagt, in den nächsten Wochen müssten mögliche Alternativen beraten werden. Heute teilt der Leutkircher Betriebsrat den KaVo-Mitarbeitern mit, wie er die Situation einschätzt. Am Montag Nachmittag sol len weitere Schritte beraten werden. Wirtschaft}

Bei den KaVo-Werken in Leutkirch sollen die Tore bald geschlossen werden.

SZ-Foto: Roland Rasemann}

KaVo-Vorsitzender Martin Rickert: "Die Alarmzeichen häufen sich"

Martin Rickert hatte bereits am Montag nachmittag die KaVo-Führungskräfte sowie den Betriebsrat von der geplanten Umstrukturierung und dem Stellenabbau informiert. Gestern Morgen um neun Uhr stellte er dieses Konzept der Leutkircher Belegschaft vor, die in gedrückter Stimmung zuhörte. Am Nachmittag war Rickert in den Werken Biberach und Warthausen. Nach Rickerts Analysen und der von ihm beauftragten Unternehmensberatung sei dieser Schritt dringend nötig, da sich die Alarmzeichen häuften. KaVo mache Gewinn, sei derzeit noch weltweit Marktführer, büße aber in den USA Anteile im zweistelligen Bereich ein, stehe auch im Wachstumsmarkt Asien unter Konkurrenzdruck. Die anderen Anbieter seien besser aufgestellt, KaVo produziere stattdessen an drei verschiedenen Standorten. Darum, so Rickert, müsse man einen schmerzhaften Schnitt machen, um den Standort Biberach und Warthausen dauerhaft zu sichern. Dort gibt es derzeit rund 1700 KaVo-Mitarbeiter. Das Konzept, das in nerhalb von drei Jahren umgesetzt werde, stelle man jetzt vor, anstatt die unangenehmen Wahrheiten scheibchenweise zu verkünden. Eine Umstrukturierung hätte auch unter den früheren Besitzern erfolgen müssen, um KaVo die Position zu sichern. Der Verkauf an den US-Konzern Danaher habe diesen Prozess höchstens be schleunigt. (bgw)

(Erschienen: 10.11.2004 00:20)

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