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KAB lehnt 24-Stunden-Ladenöffnung ab

BAD WALDSEE / sz Die Ladenöffnung an Werktagen rund um die Uhr bei Kaufland in Ravensburg betrachten die Mitglieder des Bezirksvorstandes der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung KAB-Bodensee, die im Kloster Reute in Bad Waldsee getagt haben, als einen sozialen Rückschritt. Dies teilt die KAB in einer Pressemitteilung mit. Das Verkaufspersonal, überwiegend Frauen und Mütter, würden dadurch noch mehr als bisher soziale gemeinsame Zeit für Familie, Kultur, Sport, Kirche und Politik verlieren.

Das Verkaufspersonal, überwiegend Frauen und Mütter, würden dadurch noch mehr als bisher soziale gemeinsame Zeit für Familie, Kultur, Sport, Kirche und Politik verlieren. "Immer mehr Beschäftigte im Einzelhandel werden zukünftig mit den aus der Schicht-Arbeit bekannten gesundheitlichen und sozialen Folgen zu kämpfen haben", schreiben die Mitglieder in ihrer Mitteilung. Dabei seien die Arbeitsbedingungen im Einzelhandel ohnehin schon sehr belastend: Spätöffnung, Samstagsarbeit, hohe Konzentration an den Scannerkassen, einseitige körperliche Belastungen, Beratung und Verkauf oft im Stehen.

"Ladenöffnung rund um die Uhr verstärkt den Trend hin auf eine total durchökonomisierte Gesellschaft", betonte KAB-Diözesansekretär Peter Niedergesäss in Ravensburg. Auch Einkaufszeiten seien "Taktgeber" des gesellschaftlichen Lebens. Jeder Werktag braucht seine Unterbrechung durch den Feierabend. Gesellschaft funktioniere nicht wie ein Hamsterrad. Es müsse gemeinsame Zeit bleiben für Ruhe, Regeneration und Rekreation. Eine ökonomisierte "Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft" sei auch extrem demokratiefeindlich, weil keine Zeit mehr bleibe für Dialog, Initiativen und deren Vernetzung.

KAB-Bezirksvorsitzender Heiner Stauss befürchtet, dass dem Einkauf rund um die Uhr auch bald die Produktion mit noch mehr Schicht- und Nachtarbeit folgt. Dadurch verstärkt sich auch der Druck auf den arbeitsfreien Sonntag. Wer heute freiwillig nachts und am Sonntag einkaufen gehe, werde morgen unfreiwillig nachts und am Sonntag arbeiten müssen. Auf diesen inneren Zusammenhang will KAB die Menschen hinweisen und sie vom Wert gemeinsamer Zeit überzeugen.

Kunden sollten sich weigern

Zum andern bezweifelt Niedergesäss aber auch den ökonomischen Nutzen der 24-Stunden-Öffnung im Verkauf. Einkaufsverhalten ist budget-orientiert. Man kann einen Euro nur einmal ausgeben. Und dafür reichen die jetzigen Öffnungszeiten an Werktagen bei weitem aus, so die KAB. Erweiterte Öffnungszeiten brächten nicht mehr Umsatz, sondern höhere Kosten. Sie führten zudem zu Preisverteuerungen und zu einer gewaltigen Wettbewerbsverzerrung hin zu Discountern und großen Handelsketten.

Dem Versuch, in Ravensburg und anderswo Kaufhäuser an Werktagen 24 Stunden zu öffnen, fehlt nach Meinung des KAB-Sekretärs jede ethische Legitimation. Er appelliert daher an die Bevölkerung, sich den Ladenöffnungszeiten rund um die Uhr zu verweigern.

(Erschienen: 06.12.2007 00:09)

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