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Jugendliche mobben sich immer öfter im Internet

Berlin/Bremen / dpa Sie machen sich gegenseitig runter und die ganze Schule liest mit: Im Internet beschimpfen sich Jugendliche immer öfter ohne Rücksicht auf Verluste, sagte der Bremer Medienpädagoge Markus Gerstmann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Was früher eine Schulhof-Hänselei blieb, ende heute in virtuellen Gemeinschaften in regelrechten Hassgruppen. «Das sind die neuen Möglichkeiten des Web 2.

Was früher eine Schulhof-Hänselei blieb, ende heute in virtuellen Gemeinschaften in regelrechten Hassgruppen. «Das sind die neuen Möglichkeiten des Web 2.0, die Jugendlichen nutzen sie, aber übertragen nicht die üblichen Umgangsformen darauf.»

Studien zufolge war jeder vierte bis fünfte Schüler schon vom sogenannten Cyber-Mobbing betroffen - mit zum Teil gravierenden Folgen, wie Gerstman sagt: «Für die Kinder bricht die Welt zusammen. Sie können sich nicht wehren, brechen in der Schule zusammen.» Das Problem steht deshalb im Zentrum des «Safer Internet Day» an diesem Dienstag. Bundesweit sind Schulen aufgerufen, über Cyber-Mobbing in den Klassen zu diskutieren.

Online-Communities wie SchülerVZ, Wer kennt wen und Lokalisten seien aus dem Alltag der meisten Schüler nicht mehr wegzudenken, sagt Gerstman. Deshalb ende das Mobbing nicht an der Schultür. «Ich habe keine Rückzugsmöglichkeit mehr», erklärte Gerstmann. «Ich komme aus der Schule, mache Handy und Internet an und finde Kommentare über mich.» Die virtuellen Attacken blieben auch kaum jemandem verborgen: «Früher war das Ärgern auf die Klasse beschränkt, jetzt weiß es gleich die ganze Schule.» Selbst ein Schulwechsel bringe Betroffenen nichts mehr, weil dort der Neue zunächst im Netz erkundet werde.

«Es ist ein pubertäres Problem», sagt Gerstmann, es gehe ums Abgrenzen, das Identitäten- und Cliquenbilden - doch mit deutlich durchschlagender Wirkung. «Das gesprochene Wort ist vergänglich. Im Internet ist es wie in Stein gemeißelt.» Kritisches komme im Netz viel schärfer rüber, Ironie werde oft nicht erkannt. «Viele mobben aus Unwissenheit, dass das so eine große Wirkung hat.»

Gerstmann will Schülern das Netz nicht verbieten, rät aber zu gewissen Regeln: Keine privaten Fotos einstellen, sein Profil nur auf Anfrage zeigen, nicht bei jedem Angriff Contra geben. «Generell gilt: Äußere Dich mit Bedacht. Und wende Dich an Erwachsene.» Eltern hätten jedoch selten Ahnung von den Communities, beklagte Gerstmann. Sie müssten sich technisch auf dem Laufenden halten, etwa durch Schulungen.

(Erschienen: 07.02.2009 09:08)

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