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Ist Reiki-Mann ein Scharlatan?

Neu-Ulm / kr Ist ein 50-Jähriger aus dem Kreis Neu-Ulm ein Heiler, der Gebrechen mit der fernöstlichen Reiki-Methode lindern kann, oder ist er ein Scharlatan, der sich an einer gutgläubigen Patientin vergriffen hat? Die Staatsanwaltschaft ist der Meinung, der Mann gehört in letztere Kategorie und hat ihn wegen sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Beratungs- oder Betreuungsverhältnisses an-geklagt. Zugetragen hat sich das Ganze in der Praxis des sogenannten Reiki-Meisters im Mai dieses Jahres. Zum wiederholten Mal suchte ihn eine 35 Jahre alte Frau aus dem Oberschwäbischen auf, da es ihr schon seit einiger Zeit nicht allzu gut ging.

Zugetragen hat sich das Ganze in der Praxis des sogenannten Reiki-Meisters im Mai dieses Jahres. Zum wiederholten Mal suchte ihn eine 35 Jahre alte Frau aus dem Oberschwäbischen auf, da es ihr schon seit einiger Zeit nicht allzu gut ging. Die Schulmediziner waren mit ihrem Latein zu Ende - Gründe für das allgemeine Unwohlsein fand keiner, auch nicht der Frauenarzt der Frau. In ihrer Not war sie wohl dankbar für den Tipp, sich doch einmal an den Reiki-Kundigen zu wenden, bei den auch schon ihr Vater aufgesucht hatte.

Hatten die studierten Mediziner bislang keine Diagnose stellen können, der Reiki-Meister konnte es. Er erkannte auf den ersten Blick, dass seine "Kundin" voller "schwarzer" - will heißen: schlechter - Energie ist. Ganz schwarz war dabei nach Erkenntnis des Meisters der Unterleib der 35-Jährigen, was nichts anderes bedeutete als Krebs.

Praktisch im selben Atemzug machte der Mann seiner verzweifelten Patientin aber Hoffnung: Dank seiner Fähigkeiten, in Sonderheit seiner heilenden Hände, könne er die todbringende schwarze Energie aus ihrem Körper ziehen. Dazu müsse sie sich allerdings komplett ausziehen und sich nackt auf die Massagebank legen. Die Frau tat angeblich, was der Meister angeordnet hatte.

Phase 1 des Energieabsaugens betraf Handauflegen auf Rücken- und Schulterpartie. Es folgte Stufe zwei, die nach Aussagen der Frau darin bestand, dass der 50-Jährige ihr am Unterleib herumfingerte. Entscheidend für einen Behandlungserfolg sei, so die Worte des angeblichen Heilkundigen, dass die Patientin einen Orgasmus bekomme, um auch den letzten Rest der schwarzen Energie aus ihrem Leib zu ziehen. Erst als die Frau behauptete, sie habe besagten Orgasmus gehabt, habe der während der ganzen Behandlung völlig bekleidete Mann von ihr abgelassen.

"Lediglich auf Hand und Kopf"

Konfrontiert mit den Anschul-digungen der Frau schilderte der Reiki-Meister das Ganze erheblich anders. Weder habe er seine Patientin auf-gefordert, sich auszuziehen, noch habe er sie unsittlich berührt. Er habe, wie es seine Heilkunst vorzieht, ihr lediglich seine Hände auf Kopf und Hand gelegt. Auf die Frage, wie die Frau dann dazu komme, derart schwere Vorwürfe zu erheben, hatte der Reiki-Meister eine Antwort. Mutmaßlich habe die Patientin ihren Vater rächen wollen, der schon früher Hilfe bei dem Heilkundigen gesucht hatte - mit eher mäßigem Erfolg: Seit der Behandlung klagt der Mann über chronische Kopfschmerzen.

Wann oder ob überhaupt der Fall vor Gericht kommt, konnte der Direktor des Amtsgerichts Neu-Ulm, Dr. Bernt Münzenberg, am gestrigen Freitag noch nicht sagen. Die Anklage müsse zunächst geprüft werden.

(Erschienen: 03.01.2009 00:07)

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