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In Leipzigs den Affenforschern über die Schulter schauen

Leipzig / dpa/gms Die Welt aus Felsen, tropischen Pflanzen, Kletterbäumen und Wasserpflanzen zieht Besucher in den Bann. Im Pongoland des Zoos Leipzig besuchen jährlich 1,32 Millionen Gäste die Tropenhalle, in der alle vier Menschenaffenarten zuhause sind. Die drei Hektar große Anlage ist aber auch ein Forschercamp des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie.

Die drei Hektar große Anlage ist aber auch ein Forschercamp des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie. Nur durch eine Fensterscheibe getrennt, können die Zoobesucher manche der Tests verfolgen und erkennen, wie ähnlich sich die Spezies sind.

«Wissenschaft wird hier nicht versteckt betrieben, sondern jeder kann sehen, was geschieht», sagt Zoochef Jörg Junhold. Kaum lupfen sich die Jalousien in den Labors, bilden sich dichte Menschentrauben. Mucksmäuschenstill verfolgen die Zaungäste durch einseitig durchsichtige Scheiben in verstecken Nischen, wie ein Orang Utan vor zwei unterschiedlich großen Bechern sitzt.

Unter dem größeren ist Futter, der andere ist leer. Zeitverzögert bekommt der Affe die Gefäße präsentiert, nach und nach schwindet zudem die Größendifferenz der beiden Becher. Mit scheinbar simplen Spielen wollen die Forscher das Erinnerungsvermögen der Tiere testen, unterschiedliches Verhalten zwischen Schimpansen, Gorillas, Bonobos und Orang Utans herausarbeiten und langfristig der Menschwerdung auf die Spur kommen.

Nach vier Jahren Arbeit liegen erste Puzzleteile der Forschungen vor, doch die Wissenschaftler sehen sich immer noch am Anfang. «Bei einem Kombinationstest zum Erreichen des Futters haben wir gesehen, dass Orangs wahre Tüftler sind und überlegen. Schimpansen hingegen sind impulsiv und stürmen drauf los», sagt Susanne Mauritz vom Max Planck Institut für Evolutionäre Anthropologie. Verallgemeinern lasse sich dies jedoch nicht. Und genau dies reizt auch Außenstehende. «Wir haben Anfragen nach Führungen durch das Pongoland aus dem ganzen Bundesgebiet. Schulklassen, Biologielehrer oder Fortbildungen», sagt Mauritz. Und jeder bekomme eine individuelle Tour, mal mit mehr, mal mit weniger wissenschaftlichen Details.

Nur bei wenigen Versuchen arbeitet die interdisziplinäre Gruppe aus Biologen, Genetikern und Neuropsychologen aus dem In- und Ausland hinter verschlossenen Türen. «Pongoland war für uns eine Chance, unsere Visionen umzusetzen und zu zeigen, dass sich zwei unterschiedliche Interessen verbinden lassen: Wissenschaft und Zootourismus», sagt Junhold. Seit der Eröffnung des Affenwaldes inmitten der Großstadt seien hunderte Fachleute in die Messestadt gekommen, um sich das erfolgreiche Zusammenspiel anzuschauen und daraus zu lernen.

«Die Anerkennung bestätigt uns weiterzumachen. Wenn es wieder eine Chance für eine Kooperation gibt: Bei uns gibt es offene Türen», sagt der 41-Jährige. «Die Tiere sollen nicht bloß reine Schauobjekte sein, sondern wir wollen aus ihrem Verhalten lernen, was letztlich die Wissenschaft vorantreibt.» Für Affen wie für die anderen Bewohner gelte die Devise: Die Wildtiere in Menschenhand sind Botschafter für bedrohte Arten in freier Wildbahn. Pongoland wurde für den einst für seine Löwenzucht berühmten Tierpark - mit 2300 Löwenbabys wurden hier weltweit die meisten Großkatzen in Gefangenschaft geboren - zum Aushängeschild und brachte einen Besucherschub. Kamen im Jahr 2000 etwa 750 000 Gäste, waren es voriges Jahr knapp 1,32 Millionen.

Und dennoch ist die Affen-WG nur ein Etappenziel auf dem Weg zum Zoo der Zukunft. Bis 2014 wird der heute 127 Jahre alte Tiergarten für 90 Millionen Euro komplett umgebaut und nach Erdteilen strukturiert. Vom Gründergarten aus sollen dann die Besucher durch die Riesentropenhalle «Gondwanaland» als Scheitelpunkt der Kontinente schlendern, die Savanne Afrikas, Pongoland und die Weiten Südamerikas und Asiens bestaunen.

Zoo Leipzig

ANREISE: Der Zoo in der Pfaffendorfer Straße 29 ist mit der Straßenbahn Linie 12 (Richtung Gohlis-Nord) von den Haltestellen Hauptbahnhof und Goerdelerring zu erreichen; mit dem Auto: A14 Abfahrt «Leipzig Mitte» oder A9 Abfahrt «Leipzig West», Richtung «Zentrum», dann der Beschilderung folgen.

ÖFFNUNGSZEITEN: Ganzjährig täglich, von Mai bis September von 9.00 Uhr bis 19.00 Uhr.

EINTRITT: 10 Euro für Erwachsene, 6 Euro für Kinder von 4 bis 14 Jahre.

www.zoo-leipzig.de

(Erschienen: 29.07.2005 09:38)

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