Harrison: Kurzzeitchirurgie ist möglich
Von unserem Redakteur Michael Wulf
Es hat zahlreiche Gespräche gegeben in den letzten Wochen, öffentliche und nichtöffentliche. In letzteren wurde, vor allem im Ravensburger Landratsamt, ob der Renitenz der Leutkircher laut und vernehmlich gegrollt. Vor allem die Anfang Juni spontan von den Fraktionsvorsitzenden im Leutkircher Gemeinderat initiierte Unterschriftenaktion unter dem Motto "Rettet das Leutkircher Krankenhaus" stieß bei den OSK-Verantwortlichen auf wenig Begeisterung. Inzwischen, so sieht es aus, haben sich die Gemüter wieder beruhigt, besonders, was die umstrittenen Punkte Notfalldienst und stationäre Chirurgie in Leutkirch betrifft. Damit dürfte auch die Podiumsdiskussion am Dienstag in der Festhalle nicht mehr so brisant verlaufen wie zunächst angenommen. "Wir sind uns auf alle Fälle näher gekommen. Einige Punkte wurden nachgebessert oder konkretisiert", sagt OB Elmar Stegmann, der letzte Woche zusammen mit den Mitgliedern des Arbeitskreises Krankenhaus des Gemeinderates ein ausführliches Gespräch mit Harrison geführt hat.
Stegmann: Bin optimistisch
Eine Sicht der Dinge, die von der OSK-Geschäftsführerin geteilt wird. "Es bleibt bei dem Notarztsitz am Leutkircher Krankenhaus", sagt sie. Damit sei der bislang gewohnte Standard garantiert. Zuständig dafür ist der Wangener Arzt Peter Locher, der am 1. Juli mit seiner Arbeit als Notarztkoordinator für den Bereich Allgäu beginnt. "Ich begrüße es, dass die Notfallversorgung sichergestellt wird und wir auf unsere Fragen jetzt auch konkrete Antworten erhalten haben", sagt Stegmann. "Deshalb bin ich optimistisch, dass für Leutkirch eine gute Lösung gefunden wird."
Klärungsbedarf sieht er allerdings noch, was die chirurgischen Betten betrifft. "Unser Wunsch ist es, dass kleine Operationen wie am Blinddarm, bei denen eine stationäre Aufnahme von zwei, drei Tagen notwendig ist, auch künftig in Leutkirch möglich sind", sagt Stegmann. Und das wird laut Harrison auch der Fall sein. "Wenn ein kurzzeitchirurgischer Eingriff nötig und machbar ist," sagt sie, "dann wird dieser auch in Leutkirch vorgenommen." Sie definiert die neun interdisziplinären Betten, die in Leutkirch vorgehalten werden, als Betten, in der die Kurzzeitchirurgie künftig aufgehoben ist. "Deshalb garantieren wir auch die fachärztliche Kompetenz", sagt Harrison. "Denn interdisziplinäre Betten machen keinen Sinn, wenn diese Fachkompetenz nicht vorhanden ist." Gleichzeitig betont Harrison, dass die OSK beim ambulanten OP-Zentrum mit den niedergelassenen Ärzten eng zusammenarbeiten will. "Das ist keine Bedrohung für die Niedergelassenen", sagt sie und verweist auf den Glaubwürdigkeitsfaktor: "Die Macht der Einweiser ist groß."
"Finger in die Wunde gelegt"
Im ambulanten OP-Zentrum sollen laut dem ärztlichen Leiter Dr. Rüdiger Bohnert zunächst vor allem die Bereiche Hand- und Fußchirurgie abgedeckt sowie Gefäßoperationen angeboten werden. Außerdem werde die Grundlagenchirurgie - wie Arthroskopien bei Knie und Schulter oder Leistenbrüchen --vorgehalten. In der Zukunft sieht er zudem Möglichkeiten in den Bereichen Urologie, HNO oder plastische Chirurgie. "Wir sind derzeit dabei, entsprechende Chirurgen zu rekrutieren", sagt Bohnert. Das alles sei aber nur im Einvernehmen mit den niederlassenen Ärzten möglich."
Deren Sprecher Dr. Carlo Rabuffetti begrüßt die neue Entwicklung. "Wenn wir das mit der Notfallversorgung und der Kurzzeitchirurgie schriftlich haben, ist das Thema durch", sagt er. "Das ist das, was wir erreichen wollten. Ich finde es gut, wenn das jetzt so geklärt wird." Deshalb sei es "wichtig gewesen, nach der ersten Vorstellung des OSK-Konzepts den Finger in die Wunde gelegt und - im Gegensatz zum Landrat oder den Kreisräten - nachgefragt zu haben." Auch das geplante Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) sei kein so "dickes Problem". Man sei immer kompromissbereit gewesen. "Wir sind offen für Gespräche und wir sind vernünftig." Sogar ein Lob hat Rabuffetti für die zuletzt kritisierte OSK-Geschäftsführerin parat: "Sie hat gute Ideen. Wenn das alles so ist wie gesagt und es auch so bliebt, dann kann man sie auch einmal loben."
(Erschienen: 25.06.2005 00:19)
Von unserem Redakteur Michael Wulf
Es hat zahlreiche Gespräche gegeben in den letzten Wochen, öffentliche und nichtöffentliche. In letzteren wurde, vor allem im Ravensburger Landratsamt, ob der Renitenz der Leutkircher laut und vernehmlich gegrollt. Vor allem die Anfang Juni spontan von den Fraktionsvorsitzenden im Leutkircher Gemeinderat initiierte Unterschriftenaktion unter dem Motto "Rettet das Leutkircher Krankenhaus" stieß bei den OSK-Verantwortlichen auf wenig Begeisterung. Inzwischen, so sieht es aus, haben sich die Gemüter wieder beruhigt, besonders, was die umstrittenen Punkte Notfalldienst und stationäre Chirurgie in Leutkirch betrifft. Damit dürfte auch die Podiumsdiskussion am Dienstag in der Festhalle nicht mehr so brisant verlaufen wie zunächst angenommen. "Wir sind uns auf alle Fälle näher gekommen. Einige Punkte wurden nachgebessert oder konkretisiert", sagt OB Elmar Stegmann, der letzte Woche zusammen mit den Mitgliedern des Arbeitskreises Krankenhaus des Gemeinderates ein ausführliches Gespräch mit Harrison geführt hat.
Stegmann: Bin optimistisch
Eine Sicht der Dinge, die von der OSK-Geschäftsführerin geteilt wird. "Es bleibt bei dem Notarztsitz am Leutkircher Krankenhaus", sagt sie. Damit sei der bislang gewohnte Standard garantiert. Zuständig dafür ist der Wangener Arzt Peter Locher, der am 1. Juli mit seiner Arbeit als Notarztkoordinator für den Bereich Allgäu beginnt. "Ich begrüße es, dass die Notfallversorgung sichergestellt wird und wir auf unsere Fragen jetzt auch konkrete Antworten erhalten haben", sagt Stegmann. "Deshalb bin ich optimistisch, dass für Leutkirch eine gute Lösung gefunden wird."
Klärungsbedarf sieht er allerdings noch, was die chirurgischen Betten betrifft. "Unser Wunsch ist es, dass kleine Operationen wie am Blinddarm, bei denen eine stationäre Aufnahme von zwei, drei Tagen notwendig ist, auch künftig in Leutkirch möglich sind", sagt Stegmann. Und das wird laut Harrison auch der Fall sein. "Wenn ein kurzzeitchirurgischer Eingriff nötig und machbar ist," sagt sie, "dann wird dieser auch in Leutkirch vorgenommen." Sie definiert die neun interdisziplinären Betten, die in Leutkirch vorgehalten werden, als Betten, in der die Kurzzeitchirurgie künftig aufgehoben ist. "Deshalb garantieren wir auch die fachärztliche Kompetenz", sagt Harrison. "Denn interdisziplinäre Betten machen keinen Sinn, wenn diese Fachkompetenz nicht vorhanden ist." Gleichzeitig betont Harrison, dass die OSK beim ambulanten OP-Zentrum mit den niedergelassenen Ärzten eng zusammenarbeiten will. "Das ist keine Bedrohung für die Niedergelassenen", sagt sie und verweist auf den Glaubwürdigkeitsfaktor: "Die Macht der Einweiser ist groß."
"Finger in die Wunde gelegt"
Im ambulanten OP-Zentrum sollen laut dem ärztlichen Leiter Dr. Rüdiger Bohnert zunächst vor allem die Bereiche Hand- und Fußchirurgie abgedeckt sowie Gefäßoperationen angeboten werden. Außerdem werde die Grundlagenchirurgie - wie Arthroskopien bei Knie und Schulter oder Leistenbrüchen --vorgehalten. In der Zukunft sieht er zudem Möglichkeiten in den Bereichen Urologie, HNO oder plastische Chirurgie. "Wir sind derzeit dabei, entsprechende Chirurgen zu rekrutieren", sagt Bohnert. Das alles sei aber nur im Einvernehmen mit den niederlassenen Ärzten möglich."
Deren Sprecher Dr. Carlo Rabuffetti begrüßt die neue Entwicklung. "Wenn wir das mit der Notfallversorgung und der Kurzzeitchirurgie schriftlich haben, ist das Thema durch", sagt er. "Das ist das, was wir erreichen wollten. Ich finde es gut, wenn das jetzt so geklärt wird." Deshalb sei es "wichtig gewesen, nach der ersten Vorstellung des OSK-Konzepts den Finger in die Wunde gelegt und - im Gegensatz zum Landrat oder den Kreisräten - nachgefragt zu haben." Auch das geplante Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) sei kein so "dickes Problem". Man sei immer kompromissbereit gewesen. "Wir sind offen für Gespräche und wir sind vernünftig." Sogar ein Lob hat Rabuffetti für die zuletzt kritisierte OSK-Geschäftsführerin parat: "Sie hat gute Ideen. Wenn das alles so ist wie gesagt und es auch so bliebt, dann kann man sie auch einmal loben."
(Erschienen: 25.06.2005 00:19)
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