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Gegen das"Zappelphilipp-Syndrom" gibt's kein Mittel

ALLMENDINGEN - Keine Patentrezepte gibt es gegen die Hyperaktivität von Kindern, auch "Zappelphilipp-Syndrom" genannt. Auf diesen Nenner hat Professor Dr. Harald Bode vom sozialpädiatrischen Zentrum der Uni-Klinik Ulm seinen Vortrag bei den 26.

Auch die neuen Behandlungsmethoden mit ungesättigten Fettsäuren, homöopathischen Mitteln oder Ergotherapien sind noch nicht das Gelbe vom Ei gegen ADHS (Attention Deficit Hyperactivity Syndrom). Was der Arzt und Autor Dr. Heinrich Hofmann in seinem "Struwwelpeter" beim "Zappelphilipp" treffend charakterisierte, nennt man heute ADHS. Professor Bode sprach als einer von insgesamt 13 Referenten bei den 26. Allmendinger Gesundheitstagen.

Nach heutigen Erkenntnissen beträgt die Krankheitshäufigkeit bei Drei- bis 17-Jährigen im Durchschnitt 7,9 Prozent bei Jungen und 1,8 Prozent bei Mädchen. Untersuchungen ergaben, dass bei unteren Schichten doppelt soviel ADHS-Kinder als bei oberen Schichten vorzufinden sind.

Die Symptome sind bekannt, und die Hälfte der Anwesenden gestern in der Schulaula konnte ein Lied davon singen, da sie beruflich oder privat davon betroffen ist: Nicht-Stillhalten, Aggressivität, grundloses Schreien, Krach machen und Stören. Begleiterscheinungen sind in der Folge unter anderem ein störendes Sozialverhalten und in der Schule eine Rechtschreib-Lese-Schwäche. Alles kann schließlich in einer Behinderung enden, die zu Kriminalität, Drogenmissbrauch und Alkoholismus führen kann. Auch Schulversagen oder Scheinschwangerschaften sind als Folgen bekannt.

ADHS kann erblich bedingt sein

Als sicher gilt, dass ADHS vererbt sein kann, doch auch von einigen Umweltfaktoren abhängig ist. Bode: "Es ist ein Prozess von Gen-Welt und Interaktionen." Das ADHS-behaftete Kind mache sich und der Umwelt Probleme vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Die Folgen sind unzufriedene Eltern, die auf die Aktionen ihres Kindes mit negativen Erziehungsstrategien reagierten. Aggressivität und Beziehungsstörungen kommen in der Folge auf.

Frühe Diagnose ist wichtig

Was kann im Vorfeld gegen ADHS getan werden? Eine frühe Diagnose ist wichtig, sagt Bode, denn schließlich könnten die Symptome auch einen anderen Befund aufweisen. Auch vor- und nachgeburtlicher Stress sollte vermieden werden. Bode empfahl Eltern deshalb Trainingsprogramme im frühen Stadium. Prävention mit Medikamenten habe bei Ratten geholfen, bei Menschen sei die Behandlung mit MPH (Methyphenidat) wegen fehlender Langzeitergebnisse noch nicht gesichert und könne zudem erst bei Kindern ab neun Jahren angewandt werden.

Ratschläge hatte Professor Bode genügend parat. Für die Eltern: "Bleiben Sie gelassen!" Oder: "Stehen Sie hinter dem Kind!" Den Lehrern riet er, Kleingruppen zu bilden, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, Anerkennung, Verständnis und Zutrauen zu dem ADHS-Kind zu haben. Und vor allem: "Ruhe bewahren!"

Neue Behandlungsmethoden sind das Einnehmen von ungesättigten Fettsäuren, was deutlich bessere Ergebnisse gebracht hat. In Ulm ist in diesem Bereich eine Studie geplant. Die Homöopathie hat in Versuchen festgestellt, dass bei Ritalin zu 78 Prozent und bei Zappelin zu 47 Prozent eine positive Wirkung auftritt. Eine Verbesserung wurde allerdings auch bei Placebo-Einnahmen (Tabletten ohne Wirkstoff) aufgrund der gestiegenen Elternerwartung festgestellt.

Bachblüten machen Probleme

Bachblüten - eine neue Methode - in Tablettenform machten Probleme: Das Testkind nahm selten viermal täglich das Medikament ein. Bei Anwendung der Ergotherapie gibt es noch keine belegten Effekte. Fazit: Kein Patenrezept ist in Sicht - ADHS bleibt eine biopsychosoziale Krankheit.

(Erschienen: 27.10.2008 00:07)

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