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Feuerwehr: Streithähne sollen reden

LINDAU / sz Der Streit um die Drehleiter soll der Feuerwehr nicht schaden. Stadträte mahnten, die Feuerwehrmänner von der Insel und Kommandant Robert Kainz sollten ihre Meinungsverschiedenheit schnell intern austragen. Bereits zuvor hatte OB Petra Seidl die Kontrahenten zu einem Austausch eingeladen.

Besorgte Inselbewohner machten anschließend deutlich, dass sie Angst um ihre Sicherheit haben, wenn die Drehleiter nicht mehr auf der Insel steht, zumal das Gerät für einige Gebäude als zweiter Rettungsweg gilt. Da komme es im Ernstfall nicht auf Minuten, sondern auf Sekunden an. Von den anwesenden Stadträten stellte sich Jürgen Müller (FW) auf die Seite der Insulaner. Er bezweifelte, dass die Drehleiter durch die Ladestraße tatsächlich innerhalb von zehn Minuten an einem Brandort auf der Insel sein kann. Er bat beide Seiten, sich um eine Lösung „ohne Gesichtsverlust“ zu bemühen.

Denn das ist die große Sorge der Räte. Vor allem Josef Stark (CSU) und Ralf Guggenmos (FB) äußerten die Sorge, der Streit könne die Feuerwehr schädigen. Dabei machten beide klar, dass der Stadtrat nicht über den Standort der Drehleiter entscheiden werde. Das sei Aufgabe des Kommandanten. Der Stadtrat werde lediglich entscheiden, wie groß die beiden neuen Wachen im Heuried und auf der Insel werden, aber nicht, welche Fahrzeuge hinter den Toren stehen. Deshalb sei es dringend nötig, dass Kainz und die Vertreter der Inselwache ihre Meinungsverschiedenheit klären.

Stark ließ dabei keinen Zweifel daran, wessen Stellung er für besser hält: „Wenn wir den Kommandanten unterlaufen, gehen wir Gefahr, dass wir einen neuen Kommandanten brauchen.“ Ähnliche Sorge hat Guggenmos, der darauf verwies, dass Lindau mit dem Kommandanten sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Auch Andreas Willhalm, der als Feuerwehrmann und CSU-Stadtrat beide Seiten kennt, mahnte die Kameraden, die Feuerwehr müsse „mit einer Sprache sprechen“. Der jetzige Streit sei für die Lindauer Feuerwehr insgesamt „sehr, sehr schädlich“.

Kainz wies gestern im Gespräch mit der LZ den Vorwurf von sich, er habe Gespräche abgeblockt. Vielmehr hätten Vertreter der Inselwache weder Übungen noch Treffen der Feuerwehr-Führungskräfte zur Aussprache genutzt. Auf Nachfrage der LZ bestätigte Kainz, dass er als Kommandant nicht zur Verfügung stehe, wenn der Stadtrat sich anders entscheiden werde als von ihm vorgeschlagen. Damit wolle er keinen Druck ausüben, aber in diesem Fall fehle einfach „die Grundlage für eine Zusammenarbeit“.

Kainz wiederholte, dass er das Heuried inzwischen für den besseren Standort der Drehleiter hält. Gründe liegen im Geld, denn wegen der Zuschusspolitik des Freistaates seien die Stellplätze in der großen Wache für Lindau deutlich billiger als in einer kleinen Wache auf der Insel. Dass sich dies ohne Mehrkosten verschieben lasse, sei nicht wahr. Außerdem hätten die Untersuchungen gezeigt, dass die Drehleiter entgegen bisheriger Annahme eben nicht im ganzen Stadtgebiet innerhalb von zehn Minuten am Einsatzort sein könne. Damit das auch in Zech gelingt, sei der Umzug ins Heuried wichtig.

Sie sei jederzeit gesprächsbereit und offen, verteidigt sich Oberbürgermeisterin Petra Seidl. Für kommenden Mittwoch hat sie alle Inselfeuerwehrler zum Gespräch mit Kommandant Kainz eingeladen. Am Donnerstag will sie besorgte Bürger informieren.

Sie habe Verständnis dafür, dass die Mitglieder der Interessengemenschaft Inselwache besorgt reagieren angesichts der großen Veränderungen, die zu erwarten sind. Aber als OB sei es ihre Pflicht, mit dem Steuergeld der Bürger sorgsam umzugehen. Und alle Fachleute, vom Kommandanten über den Kreisbrandrat bis zur Regierung von Schwaben, bestätigten, dass der Umzug der Drehleiter aufs Festland kein Menschenleben auf der Insel gefährde. „Die Sicherheit steht an oberster Stelle.“ Das hätten die Verantwortlichen am vergangenen Dienstag auch den Stadträten bestätigt.

Seidl erläuterte noch mal, dass der Stadtrat nur über den Standort und die Größe der Wachen entscheiden werde, nicht über Verteilung der Fahrzeuge und die daraus folgende Einsatztaktik. Das sei Sache der Fachleute, sprich des Kommandos. „Ich steh hinter dem, was der Kommandant vorgelegt hat“, machte Seidl kein Hehl aus ihrer Meinung.

Deshalb habe sie zu Beginn dieser Woche jeden Feuerwehrmann der Insel persönlich zu einem Gespräch eingeladen. Seidl will mit einer offenen Diskussion die Schärfe aus dem Streit nehmen. Am kommenden Donnerstag, 22. Oktober, 19.30 Uhr, wird sie mit Kainz in der Inselhalle allen Interessierten das neue Einsatzkonzept und die Pläne für die beiden Wachen vorstellen. Dabei dürfen auch besorgte Insulaner ihre Fragen stellen und ihre Meinung äußern.

(Erschienen: 17.10.2009 11:00)

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