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Felicia Langer zu Palästina: Auch schweigen kann töten

ELLWANGEN / sz „Der Krieg kann töten, aber auch das Schweigen kann töten.“ Felicia Langer sprach im Rahmen der Ökumenischen Friedensdekade über die Lage in Palästina, ihr Vortrag in der VR-Bank hieß „Um Hoffnung kämpfen – der lange Weg zum Frieden“. Die Menschenrechtsanwältin forderte, Druck auf Israel auszuüben.

Von unserem MitarbeiterJosef Schneider

Die Besatzung müsse weg. „Das Schweigen der Welt ist schrecklich.“, kritisierte Felicia Langer. Vor allem die Deutschen müssten aufgrund ihrer Vergangenheit ganz entschieden ihre Verpflichtung wahrnehmen und Solidarität mit den Opfern üben, sie dürften zu diesem Unrecht, das in Palästina geschieht, nicht schweigen. „Freundschaft mit Israel – ja, aber eine kritische Freundschaft, sonst ist sie Betrug“, sagte die israelische Menschenrechtsanwältin und Autorin von 13 Büchern, in denen sie die Entrechtung der Palästinenser anklagt. Rassismus bleibe hässlich, auch wenn ihre Vertreter die Opfer von gestern seien.

„Ich habe als Zeitzeugin und Augenzeugin das Ausmaß der Unterdrückung erlebt“, berichtete Felicia Langer über Folterungen, Inhaftierungen, gezielte Tötungen, zerstörte Häuser in Palästina und die Checkpoints, und über die „Entarabisierung von Jerusalem“. Es gebe 500000 Siedler in den besetzten Gebieten, völkerrechtswidrig. Die Besatzung, ein Inbegriff von Gewalt, erinnere an die dunkelste Zeit der Apartheid: „Die Siedlungen gedeihen mit Schwimmbecken, und die Ortschaften der Palästinenser verdursten.“ Eine Wunde sei auch die Flüchtlingsfrage.

Krieg gegen Menschen im Käfig

Felicia Langer, die in Tübingen wohnt und dieses Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet wurde, sprach von einer 350 Kilometer langen, illegalen Mauer, die die Palästinenser von Schulen, Universitäten, Krankenhäusern, ihren Familien und ihren Ländereien trenne. 23 Jahre lang, von 1967 bis 1990, hat die Juristin als Rechtsanwältin in Israel Tausende von Palästinensern verteidigt. Felicia Langer setzte sich in ihrem Vortrag für das Selbstbestimmungsrecht der Völker ein, und zog einen Vergleich: „Die Palästinenser und die Israelis verhandeln, wem die Pizza auf dem Tisch gehört – und während sie verhandeln, ist die Pizza schon aufgegessen.“ Hart ins Gericht ging die Jüdin, Jahrgang 1930, auch mit der Blockade von Gaza und dem Angriff Israels auf den Gazastreifen: „Das war ein Krieg gegen Menschen im Käfig, sie konnten nicht fliehen.“ 75 Prozent der Menschen dort leide an Unterernährung, Gaza sei eine Region am unteren Rand der Existenzfähigkeit. Die Veranstaltung wurde umrahmt von Micha Wagner und Nina Ebert.

(Erschienen: 11.11.2009 19:40)

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