"Erfolg hängt vom Engagement der Lehrer ab"
Das Konzept der jahrgangskombinierten Klassen kommt allerdings nicht aus einem Finanzministerium, sondern aus der Reformpädagogik. Demnach lernen Kinder in altersgemischten Gruppen besser von- und miteinander. Das schildern auch die Wasserburger Mütter Sandra Karl, Elke Heider, Claudia Nusser und Imke Janthur. Alle vier haben Kinder, die die sogenannte Familienklasse der Wasserburger Grundschule besuchen, und alle vier sind begeistert.
"Die Großen zeigen den Kleineren, wie es geht und festigen durch das Erklären selbst ihr Wissen", erzählt Elke Heider. Ihre Tochter Marie geht in die zweite Klasse - gemeinsam mit Imke Janthurs Sohn Tom, der Erstklässler ist. Einen weiteren großen Vorteil sehen die vier darin, dass durch das Miteinander die Sozialkompetenz ihrer Kinder gefördert wird. "Sie sind kompromissbereiter und lernen, Rücksicht aufeinander zu nehmen", sagt Sandra Karl, deren Sohn Andre ansonsten gerne mal aufdreht. "In der Kombiklasse geht das eben nicht."
Wie es funktioniert, dass beispielsweise Dritt- und Viertklässler miteinander lernen, erklärt Claudia Nusser, deren Tochter Luisa in die dritte Klasse geht: "Übergreifende Themen wie Heimat-und Sachunterricht machen die Kinder gemeinsam, Deutsch und Mathe getrennt." Für diese Fächer gibt es eine Förderlehrerin, die fünf bis acht Stunden pro Woche mit einem Teil der Kindern arbeitet, während die Klassenlehrerin mit den anderen lernt.
Wie Lehrerin Giesela Canter erklärt, funktioniere Jahrgangsmischung nur mit offenen Unterrichtsformen wie Frei- und Projektarbeit, Wochenplan und Stationen-Lernen. In der Praxis heißt das: Jeder Schüler bekommt die Aufgaben, die zu seinem derzeit Leistungsstand passen. Solch ein offener Unterricht bedeutet aber auch die doppelte Vorbereitungszeit, die der Lehrer investieren muss, um das Unterrichtsmaterial aus zwei Klassenstufen zu kombinieren. Canter sieht das als Vorteil. "So kann ich das Material genau auf meine Schüler zuschneiden."
Neue Herausforderung angehen
Schulleiterin Heidemarie Balla hat sich vor der Einführung von Kombiklassen umfassend informiert, was auf sie zukommen wird. Sie hat sich dafür entschieden, die neue Herausforderung mit aller Kraft anzugehen. Und die Mühe zahlt sich aus, glaubt man den Berichten der Mütter: "Mittlerweile äußern mehr Eltern den Wunsch, dass ihre Kinder in eine Kombiklasse gehen sollen, als es möglich ist, Schüler aufzunehmen."
Im Landkreis regen sich aber auch kritische Stimmen. Angelika Eller-Wiedemann, Konrektorin der Lindenberger Grundschule, sieht sich mit schlechten Rahmenbedingungen allein gelassen, sagte sie vor kurzem. Es gebe keine Materialien, die zusätzlichen Lehrerstunden seien zu wenig und die Klassen in der Regel zu groß.
"Der Erfolg von jahrgangsgemischten Klassen steht und fällt mit dem Engagement der Lehrer", sind sich die Wasserburger Mütter einig. "Unsere Schulleiterin sieht die Kombiklasse nicht als Notlösung. Sie steht voll dahinter. Nur deshalb funktioniert das in Wasserburg so gut."
(Erschienen: 28.05.2009 06:00)
Das Konzept der jahrgangskombinierten Klassen kommt allerdings nicht aus einem Finanzministerium, sondern aus der Reformpädagogik. Demnach lernen Kinder in altersgemischten Gruppen besser von- und miteinander. Das schildern auch die Wasserburger Mütter Sandra Karl, Elke Heider, Claudia Nusser und Imke Janthur. Alle vier haben Kinder, die die sogenannte Familienklasse der Wasserburger Grundschule besuchen, und alle vier sind begeistert.
"Die Großen zeigen den Kleineren, wie es geht und festigen durch das Erklären selbst ihr Wissen", erzählt Elke Heider. Ihre Tochter Marie geht in die zweite Klasse - gemeinsam mit Imke Janthurs Sohn Tom, der Erstklässler ist. Einen weiteren großen Vorteil sehen die vier darin, dass durch das Miteinander die Sozialkompetenz ihrer Kinder gefördert wird. "Sie sind kompromissbereiter und lernen, Rücksicht aufeinander zu nehmen", sagt Sandra Karl, deren Sohn Andre ansonsten gerne mal aufdreht. "In der Kombiklasse geht das eben nicht."
Wie es funktioniert, dass beispielsweise Dritt- und Viertklässler miteinander lernen, erklärt Claudia Nusser, deren Tochter Luisa in die dritte Klasse geht: "Übergreifende Themen wie Heimat-und Sachunterricht machen die Kinder gemeinsam, Deutsch und Mathe getrennt." Für diese Fächer gibt es eine Förderlehrerin, die fünf bis acht Stunden pro Woche mit einem Teil der Kindern arbeitet, während die Klassenlehrerin mit den anderen lernt.
Wie Lehrerin Giesela Canter erklärt, funktioniere Jahrgangsmischung nur mit offenen Unterrichtsformen wie Frei- und Projektarbeit, Wochenplan und Stationen-Lernen. In der Praxis heißt das: Jeder Schüler bekommt die Aufgaben, die zu seinem derzeit Leistungsstand passen. Solch ein offener Unterricht bedeutet aber auch die doppelte Vorbereitungszeit, die der Lehrer investieren muss, um das Unterrichtsmaterial aus zwei Klassenstufen zu kombinieren. Canter sieht das als Vorteil. "So kann ich das Material genau auf meine Schüler zuschneiden."
Neue Herausforderung angehen
Schulleiterin Heidemarie Balla hat sich vor der Einführung von Kombiklassen umfassend informiert, was auf sie zukommen wird. Sie hat sich dafür entschieden, die neue Herausforderung mit aller Kraft anzugehen. Und die Mühe zahlt sich aus, glaubt man den Berichten der Mütter: "Mittlerweile äußern mehr Eltern den Wunsch, dass ihre Kinder in eine Kombiklasse gehen sollen, als es möglich ist, Schüler aufzunehmen."
Im Landkreis regen sich aber auch kritische Stimmen. Angelika Eller-Wiedemann, Konrektorin der Lindenberger Grundschule, sieht sich mit schlechten Rahmenbedingungen allein gelassen, sagte sie vor kurzem. Es gebe keine Materialien, die zusätzlichen Lehrerstunden seien zu wenig und die Klassen in der Regel zu groß.
"Der Erfolg von jahrgangsgemischten Klassen steht und fällt mit dem Engagement der Lehrer", sind sich die Wasserburger Mütter einig. "Unsere Schulleiterin sieht die Kombiklasse nicht als Notlösung. Sie steht voll dahinter. Nur deshalb funktioniert das in Wasserburg so gut."
(Erschienen: 28.05.2009 06:00)
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