Engel in Not: Da hilft der Konkurrent
So richtig weiß Karl Engel in diesen Tagen nicht, wo ihm der Kopf steht. Am Samstagabend ist der Ofen seiner Backstube in Stafflangen explodiert. Bäcker Jürgen Engel, Karl Engels Sohn, wurde schwer verletzt. "Er liegt in einer Ulmer Spezialklinik", sagt Vater Engel, "undbangt um sein Augenlicht." Das ist Engels Hauptsorge.
Und es ist nicht die einzige: Da sind die 15 Mitarbeiter, die sich Sorgen machen. "Für sie trage ich die Verantwortung", sagt Karl Engel. Da sind die Experten von Versicherung und Polizei, die in der Backstube ein und aus gehen, um nach den Ursachen des Unglücks zu suchen. Da ist der kaputte Ofen, wegen dem in der Backstube gar nichts geht. Und da sind die Kunden. "Wenn ich jetzt zumache", sagt Engel, "dann habe ich, bis ich irgendwann einen neuen Ofen habe, keine Kunden mehr."
Aber da ist auch noch Gustav Eisinger, der Biberacher Bäcker - "eigentlich", sagt Engel, "ein Konkurrent". Und doch vielmehr ein wahrer Freund. Als Eisinger vom Unglück in der Backstube des Kollegen erfuhr, willigte er spontan ein, die Engel-Bäcker in seiner Backstube aufzunehmen, damit Karl Engel auch weiterhin seine Kunden mit Brot und Brezeln versorgen kann.
Der Kontakt der beiden Bäckereien besteht schon lang. "Eisinger senior war mein Lehrmeister", erzählt Karl Engel. Mehr als 40 Jahre sei es inzwischen her, dass er in Eisingers Backstube das Bäckerhandwerk erlernte. "Seither ist die Verbindung nie abgebrochen - auch über die Generationen hinaus." Als Karl Engel den Kollegen Eisinger fragte, ob seine Bäcker nicht bei ihm backen könnten, gab es kein Zögern.
Was die Zusage bedeutete, wurde den beiden erst später klar. Immerhin müssen nun in der Pfluggasse jede Nacht einige tausend Backwaren mehr entstehen. "Das ist nicht so einfach, schließlich arbeiten wir unter Zeitdruck", sagt Eisinger. "Egal, was passiert, um 5.30 Uhr wird geliefert. Und ein Betrieb ist auf eine bestimmte Menge ausgerichtet - und die bestimmt den Ablauf." Der wurde über den Haufen geworfen. Und auch der Transport musste organisiert werden.
Doch aller Schwierigkeiten zum Trotz: Die Zusammenarbeit funktionierte: Am Montag bekamen die Engel-Kunden trotz kaputten Ofens ihre Backwaren. Das sei, da sind sich die beiden Bäcker einig, vor allem den Mitarbeitern zu verdanken. "Sie waren sofort dabei", sagt Eisinger. Und Engel ergänzt: "Meine Mitarbeiter sind hier sofort integriert. Das finde ich ganz toll."
Neuer Ofen braucht Zeit
Wie lang die vier Engel-Mitarbeiter noch gemeinsam mit den zehn Eisinger-Mitarbeitern in der Backstube stehen, wissen die Inhaber der beiden Bäckereien nicht. Gingen sie zunächst von zwei, drei Wochen aus, ist ihnen heute klar, dass es viel länger dauern wird, bis Engel wieder in Stafflangen backen kann. "Erst, wenn mir die Experten grünes Licht geben, kann ich den Ofen abbauen", sagt Bäcker Engel. "Dann muss ich einen neuen Ofen bestellen." Bis der geliefert werde, dauere es - da hat er sich erkundigt - zwölf Wochen.
Um so dankbarer ist Engel für die Möglichkeit, Eisingers Backstube zu nutzen. "Eigentlich hört bei Bäckern die Freundschaft am Eingang zur Backstube auf", sagt er. "Dass hier die Konkurrenz völlig außen vor ist, ist keineswegs selbstverständlich - gerade in der heutigen Zeit."
(Erschienen: 15.08.2008 00:06)
So richtig weiß Karl Engel in diesen Tagen nicht, wo ihm der Kopf steht. Am Samstagabend ist der Ofen seiner Backstube in Stafflangen explodiert. Bäcker Jürgen Engel, Karl Engels Sohn, wurde schwer verletzt. "Er liegt in einer Ulmer Spezialklinik", sagt Vater Engel, "undbangt um sein Augenlicht." Das ist Engels Hauptsorge.
Und es ist nicht die einzige: Da sind die 15 Mitarbeiter, die sich Sorgen machen. "Für sie trage ich die Verantwortung", sagt Karl Engel. Da sind die Experten von Versicherung und Polizei, die in der Backstube ein und aus gehen, um nach den Ursachen des Unglücks zu suchen. Da ist der kaputte Ofen, wegen dem in der Backstube gar nichts geht. Und da sind die Kunden. "Wenn ich jetzt zumache", sagt Engel, "dann habe ich, bis ich irgendwann einen neuen Ofen habe, keine Kunden mehr."
Aber da ist auch noch Gustav Eisinger, der Biberacher Bäcker - "eigentlich", sagt Engel, "ein Konkurrent". Und doch vielmehr ein wahrer Freund. Als Eisinger vom Unglück in der Backstube des Kollegen erfuhr, willigte er spontan ein, die Engel-Bäcker in seiner Backstube aufzunehmen, damit Karl Engel auch weiterhin seine Kunden mit Brot und Brezeln versorgen kann.
Der Kontakt der beiden Bäckereien besteht schon lang. "Eisinger senior war mein Lehrmeister", erzählt Karl Engel. Mehr als 40 Jahre sei es inzwischen her, dass er in Eisingers Backstube das Bäckerhandwerk erlernte. "Seither ist die Verbindung nie abgebrochen - auch über die Generationen hinaus." Als Karl Engel den Kollegen Eisinger fragte, ob seine Bäcker nicht bei ihm backen könnten, gab es kein Zögern.
Was die Zusage bedeutete, wurde den beiden erst später klar. Immerhin müssen nun in der Pfluggasse jede Nacht einige tausend Backwaren mehr entstehen. "Das ist nicht so einfach, schließlich arbeiten wir unter Zeitdruck", sagt Eisinger. "Egal, was passiert, um 5.30 Uhr wird geliefert. Und ein Betrieb ist auf eine bestimmte Menge ausgerichtet - und die bestimmt den Ablauf." Der wurde über den Haufen geworfen. Und auch der Transport musste organisiert werden.
Doch aller Schwierigkeiten zum Trotz: Die Zusammenarbeit funktionierte: Am Montag bekamen die Engel-Kunden trotz kaputten Ofens ihre Backwaren. Das sei, da sind sich die beiden Bäcker einig, vor allem den Mitarbeitern zu verdanken. "Sie waren sofort dabei", sagt Eisinger. Und Engel ergänzt: "Meine Mitarbeiter sind hier sofort integriert. Das finde ich ganz toll."
Neuer Ofen braucht Zeit
Wie lang die vier Engel-Mitarbeiter noch gemeinsam mit den zehn Eisinger-Mitarbeitern in der Backstube stehen, wissen die Inhaber der beiden Bäckereien nicht. Gingen sie zunächst von zwei, drei Wochen aus, ist ihnen heute klar, dass es viel länger dauern wird, bis Engel wieder in Stafflangen backen kann. "Erst, wenn mir die Experten grünes Licht geben, kann ich den Ofen abbauen", sagt Bäcker Engel. "Dann muss ich einen neuen Ofen bestellen." Bis der geliefert werde, dauere es - da hat er sich erkundigt - zwölf Wochen.
Um so dankbarer ist Engel für die Möglichkeit, Eisingers Backstube zu nutzen. "Eigentlich hört bei Bäckern die Freundschaft am Eingang zur Backstube auf", sagt er. "Dass hier die Konkurrenz völlig außen vor ist, ist keineswegs selbstverständlich - gerade in der heutigen Zeit."
(Erschienen: 15.08.2008 00:06)
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