Eine Werbeanlage sorgt für großen Unmut
Jeder kennt sie. Fast jeder wird auch schon einmal davor stehen geblieben sein und sich den Inhalt durchgelesen haben. Die Rede ist von Schaukästen, in denen zum Beispiel Vereine oder Institutionen eigene Inhalte anbringen können. Am Rand finden sich Werbeanzeigen, meistens von lokalen Gewerbetreibenden.
Doch wer hätte gedacht, dass sich um diese Kästen so viel Ärger rankt. Wahrscheinlich nicht um alle, aber auf jeden Fall um die in der Realschule und im Störck-Gymnasium. Die Werbeagentur StarLight GmbH aus Speyer vertreibt die Werbekästen und sucht Anzeigenkunden und Standplätze dafür. Vor ungefähr drei Jahren flog dem ehemaligen Rektor des Gymnasiums, Josef Wilbs, ein Werbezettel der StarLight GmbH ins Haus. "Er konnte die negativen Folgen natürlich nicht absehen und hat eingewilligt, dass so ein Werbekasten hier im Haus aufgehängt werden kann", sagt der jetzige Schulleiter, Stefan Oßwald. Wilbs unterschrieb den dreijährigen Vertrag, denn schließlich sollte noch ein bisschen Geld für seine Schule dabei herausspringen. Vor Kurzem waren die drei Jahre rum und Oßwald wollte den Vertrag kündigen. Allerdings zunächst ohne Erfolg, die Kündigungsfrist sei bereits verstrichen, teilte man ihm bei StarLight mit. "Mich hat die Sache stutzig gemacht. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass das Abzocke ist, was die machen", befürchtet Oßwald.
Firmen bundesweit betroffen
Da ist er nicht der Einzige, denn beim Namen StarLight GmbH werden einige Einzelhändler aus Bad Saulgau ziemlich rasend vor Wut. Ein Blick auf die Bewertungsplattform www.ciao.de zeigt: So geht es mehreren in Deutschland. "Die haben bei mir Hausverbot", schimpft der Schreiner Pius Luib, der eine Anzeige auf dem Kasten im Gymnasium aufgegeben hat. "Wir wurden schlichtweg angelogen. Uns wurde eine Liste gezeigt mit Saulgauer Betrieben, die anscheinend auch Anzeigen aufgeben. Das war aber erfunden", sagt Luib. Angeblich soll er die Anzeige nicht einmal gesehen haben, die er gekauft hatte.
Die gleiche Masche soll StarLight bei der Förster Metallbau GmbH abgezogen haben. Auch dort entsprach die Liste angeblich nicht der Wahrheit. Die Werbeagentur hätte die Gebühr für die Anzeige abgebucht, und erst knapp ein Jahr später soll der Kasten an der Wand gehangen haben.
"Mir wurde gesagt, dass 75 Prozent der Einnahmen durch die Anzeige an soziale Zwecke, also in diesem Fall direkt an das Gymnasium gehen. Ich wollte den Schülern was Gutes tun", sagt Michael Hovorka von "Michas Fahrschule", der ebenfalls auf StarLight hereinfiel. Doch nicht einmal zehn Prozent bekommt das Gymnasium. Knapp 800 Euro kostet so eine Anzeige für drei Jahre, mindestens zehn davon haben auf dem Schaukasten Platz. Das macht 8000 Euro Mindesteinnahme. Da würde sich Oßwald über 75 Prozent freuen. "Wir kriegen aber nur 600 Euro dafür", sagt dieser.
"Wir machen dem Kunden generell keine Angaben, wie viel von seiner Gebühr an die Schulen geht. Der Betrag hängt auch von der Anzahl der Anzeigen ab", sagt Roland Reisig, Gebietsverkaufsleiter für Baden-Württemberg bei der StarLight GmbH. Ansonsten sei alles rechtskräftig durch die Unterschrift auf den Verträgen. "Bei den Kunden wird sich wahrscheinlich dann einen Tag nach Vertragsabschluss das Gefühl einstellen: 'Was habe ich denn da gemacht, das kostet ja Geld"", sagt Reisig.
Vertrag wurde doch gekündigt
Auch der Physiotherapeut Reiner Fessler dachte sich, dass "es eine gute Sache ist, die lokalen Schulen zu unterstützen." Doch wie viel dann noch an das Gymnasium geht, wurde ihm nicht gesagt. "Der Mitarbeiter der Werbefirma sagte mir, es kostet mich nur ungefähr 200 Euro. Nachdem ich den Vertrag unterschrieben habe, las ich, dass das nur der Jahresbetrag exklusive Mehrwertsteuer ist. Bei einer Laufzeit von drei Jahren musste ich so um die 750 Euro zahlen."
Jetzt hängt der Kasten erst einmal weiter im Störck-Gymnasium, doch laut der Aussage von Schulleiter Oßwald soll der Vertrag bereits ordnungsgemäß von seinem Vorgänger Wilbs gekündigt worden sein.
Beim Gewerbeverein "Unser Bad Saulgau e.V." sind solche Fälle nicht bekannt. Vorstandsmitglied Paul Schanz rät aber allen Einzelhändlern, nicht auf solche Angebote einzugehen und lieber bei lokalen und vertrauten Werbepartnern Anzeigen aufzugeben. Für alle Firmen, die das Störck-Gymnasium finanziell unterstützen möchten, ist der Förderverein wohl die bessere Alternative.
(Erschienen: 28.11.2008 16:17)
Jeder kennt sie. Fast jeder wird auch schon einmal davor stehen geblieben sein und sich den Inhalt durchgelesen haben. Die Rede ist von Schaukästen, in denen zum Beispiel Vereine oder Institutionen eigene Inhalte anbringen können. Am Rand finden sich Werbeanzeigen, meistens von lokalen Gewerbetreibenden.
Doch wer hätte gedacht, dass sich um diese Kästen so viel Ärger rankt. Wahrscheinlich nicht um alle, aber auf jeden Fall um die in der Realschule und im Störck-Gymnasium. Die Werbeagentur StarLight GmbH aus Speyer vertreibt die Werbekästen und sucht Anzeigenkunden und Standplätze dafür. Vor ungefähr drei Jahren flog dem ehemaligen Rektor des Gymnasiums, Josef Wilbs, ein Werbezettel der StarLight GmbH ins Haus. "Er konnte die negativen Folgen natürlich nicht absehen und hat eingewilligt, dass so ein Werbekasten hier im Haus aufgehängt werden kann", sagt der jetzige Schulleiter, Stefan Oßwald. Wilbs unterschrieb den dreijährigen Vertrag, denn schließlich sollte noch ein bisschen Geld für seine Schule dabei herausspringen. Vor Kurzem waren die drei Jahre rum und Oßwald wollte den Vertrag kündigen. Allerdings zunächst ohne Erfolg, die Kündigungsfrist sei bereits verstrichen, teilte man ihm bei StarLight mit. "Mich hat die Sache stutzig gemacht. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass das Abzocke ist, was die machen", befürchtet Oßwald.
Firmen bundesweit betroffen
Da ist er nicht der Einzige, denn beim Namen StarLight GmbH werden einige Einzelhändler aus Bad Saulgau ziemlich rasend vor Wut. Ein Blick auf die Bewertungsplattform www.ciao.de zeigt: So geht es mehreren in Deutschland. "Die haben bei mir Hausverbot", schimpft der Schreiner Pius Luib, der eine Anzeige auf dem Kasten im Gymnasium aufgegeben hat. "Wir wurden schlichtweg angelogen. Uns wurde eine Liste gezeigt mit Saulgauer Betrieben, die anscheinend auch Anzeigen aufgeben. Das war aber erfunden", sagt Luib. Angeblich soll er die Anzeige nicht einmal gesehen haben, die er gekauft hatte.
Die gleiche Masche soll StarLight bei der Förster Metallbau GmbH abgezogen haben. Auch dort entsprach die Liste angeblich nicht der Wahrheit. Die Werbeagentur hätte die Gebühr für die Anzeige abgebucht, und erst knapp ein Jahr später soll der Kasten an der Wand gehangen haben.
"Mir wurde gesagt, dass 75 Prozent der Einnahmen durch die Anzeige an soziale Zwecke, also in diesem Fall direkt an das Gymnasium gehen. Ich wollte den Schülern was Gutes tun", sagt Michael Hovorka von "Michas Fahrschule", der ebenfalls auf StarLight hereinfiel. Doch nicht einmal zehn Prozent bekommt das Gymnasium. Knapp 800 Euro kostet so eine Anzeige für drei Jahre, mindestens zehn davon haben auf dem Schaukasten Platz. Das macht 8000 Euro Mindesteinnahme. Da würde sich Oßwald über 75 Prozent freuen. "Wir kriegen aber nur 600 Euro dafür", sagt dieser.
"Wir machen dem Kunden generell keine Angaben, wie viel von seiner Gebühr an die Schulen geht. Der Betrag hängt auch von der Anzahl der Anzeigen ab", sagt Roland Reisig, Gebietsverkaufsleiter für Baden-Württemberg bei der StarLight GmbH. Ansonsten sei alles rechtskräftig durch die Unterschrift auf den Verträgen. "Bei den Kunden wird sich wahrscheinlich dann einen Tag nach Vertragsabschluss das Gefühl einstellen: 'Was habe ich denn da gemacht, das kostet ja Geld"", sagt Reisig.
Vertrag wurde doch gekündigt
Auch der Physiotherapeut Reiner Fessler dachte sich, dass "es eine gute Sache ist, die lokalen Schulen zu unterstützen." Doch wie viel dann noch an das Gymnasium geht, wurde ihm nicht gesagt. "Der Mitarbeiter der Werbefirma sagte mir, es kostet mich nur ungefähr 200 Euro. Nachdem ich den Vertrag unterschrieben habe, las ich, dass das nur der Jahresbetrag exklusive Mehrwertsteuer ist. Bei einer Laufzeit von drei Jahren musste ich so um die 750 Euro zahlen."
Jetzt hängt der Kasten erst einmal weiter im Störck-Gymnasium, doch laut der Aussage von Schulleiter Oßwald soll der Vertrag bereits ordnungsgemäß von seinem Vorgänger Wilbs gekündigt worden sein.
Beim Gewerbeverein "Unser Bad Saulgau e.V." sind solche Fälle nicht bekannt. Vorstandsmitglied Paul Schanz rät aber allen Einzelhändlern, nicht auf solche Angebote einzugehen und lieber bei lokalen und vertrauten Werbepartnern Anzeigen aufzugeben. Für alle Firmen, die das Störck-Gymnasium finanziell unterstützen möchten, ist der Förderverein wohl die bessere Alternative.
(Erschienen: 28.11.2008 16:17)
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