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Ein Optimist sucht den Frieden

LAUPHEIM - Auf Einladung dreier Laupheimer Gymnasiastinnen hat der Israeli Jonatan Kislov im Laemmle-Kino des Museums einen Vortrag zum Nahost-Konflikt gehalten. Der junge Israeli hielt das Publikum mit der Frage "Ist Frieden möglich?" in Atem und versuchte, israelischen und palästinensischen Standpunkten gerecht zu werden. "Sie sagen, ich sei zu optimistisch - damit haben Sie wohl recht.

"Sie sagen, ich sei zu optimistisch - damit haben Sie wohl recht. Ich habe Ihnen pazifistische Aktivitäten einer Minderheit präsentiert. Aber was soll ich Ihnen erzählen? Die negative Seite kennen Sie doch bereits."

Das Leben wird kompliziert

Jonatan Kislov ist 22 Jahre alt. Vor ihm sitzen rund 50 Menschen, die seinem Vortrag gespannt lauschen. Der Israeli wohnt in der Nähe von Tel Aviv und ist somit selbst ein Kind des Konflikts: Er wuchs in einer Gesellschaft heran, in der gut und böse klar definiert waren. Im Alter von 13 Jahren wendete sich das Blatt für ihn: Er stieß zu zu eine Jugendbewegung, der israelische und palästinensische Jugendliche angehörten. "An diesem Tag begann mein Leben kompliziert zu werden", stellt er heute fest. Plötzlich gab es kein schwarz-weißes Bild mehr; er freundete sich mit palästinensischen Jugendlichen an. Der Israeli ist dankbar für diese Freundschaften, dankbar für den Dialog. "Manchmal kommen wir zu einer Übereinstimmung, meistens nicht", erklärt er. Darum gehe es aber nicht. Wichtig sei, dass sich Israelis wie Palästinenser nach Frieden sehnen.

Ist Frieden möglich? Diese Frage durchzieht Jonatan Kislovs Vortrag wie ein roter Faden. Die Präsentation legte die verworrene Geschichte des Staates Israel und der palästinensischen Bevölkerung dar. Eine Geschichte zwischen Judentum und Islam, Zionismus und Holocaust, zwischen dem Sechs-Tage-Krieg und den Intifadas. Dass der Israeli dabei subjektiv erzählt, ist unumgänglich; dennoch ist er bemüht, beiden Standpunkten gerecht zu werden.

Kislovs Umgang mit dem Thema hat nichts von Bitterkeit oder erhobenem Zeigefinger. Mit Humor und Leichtigkeit erklärt er die Geschichte seines Landes, sein Vortrag jedoch verliert dadurch nichts an seiner Intention. "Ich möchte mich mit Leidenschaft engagieren, weil mir dieses Thema sehr am Herzen liegt", sagt er.

Unterschiedliche Ansätze israelisch-palästinensischer Friedensorganisationen machen deutlich: Der Friede könnte möglich sein. Allerdings, da sind sich Kislov und seine israelisch-palästinensischen Bekannten einig, hängt dieser Frieden von drei Faktoren ab: Das Ende des Hasses muss in der Jugend heranwachsen, was allein durch angemessene Bildung erzielt werden kann. Die palästinensische Bevölkerung fordert Gleichberechtigung im alltäglichen Miteinander; in Zuge dessen fordern die Israelis Sicherheit ohne weitere Selbstmordanschläge.

Apropos Selbstmordattentäter: Sind Religion und die zunehmende Gewalt islamistischer Fanatiker das Hauptproblem? "Nicht alle Muslime sind fanatisch", gibt Kislov zu bedenken, "ich hoffe, dass es sich hierbei ebenso um Minderheiten handelt."

(Erschienen: 10.07.2008 01:02)

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