Südfinder
Südfinder JOB
Südfinder AUTO
Südfinder IMMO
Südfinder TICKET
Südfinder HANDWERK
bodensee
Lakeparty
Regio-TV
inserieren
abo
e-paper
Schwäbisch.Media

Dr. Dirk Solte: "Die Musik muss wieder spielen"

ALTSHAUSEN - Die Finanzkrise verweise auf Symptome einer Weltwirtschaft, die in dieser Art nur noch begrenzte Zeit funktionieren kann. Dies zeigte der Vortrag von Dr. Dirk Solte auf Einladung des Progymnasiums Altshausen zum Thema "Welt mit Zukunft, Überleben im 21.

Alle zweieinhalb Sekunden verhungert auf der Welt ein Kind. Jedes Jahr wächst die Weltbevölkerung um 80 Millionen Menschen - so viel, wie Deutschland Einwohner hat. Schon jetzt verbraucht die Weltbevölkerung mehr Ressourcen, als die Erde auf Dauer bieten kann - "1,35 Planeten", erklärt Dr. Dirk Solte in der vollbesetzten Mensa des Schulzentrums Altshausen. Er betrachtet die Welt aus der Sicht des Betriebswirtschaftlers - und eines Familienvaters, der "mit jeder Faser meines Körpers für meine beiden Töchter" kämpft, so der Wissenschaftler am Ende eines Vortrages, der nicht Pessimismus verbreiten, sondern den Blick schärfen wollte für die laut Solte geringe Chance von 35 Prozent, dass die Menschheit mit ihrem jetzigen Lebensstil nicht in einer Katastrophe untergeht. 35 Prozent betrage die Wahrscheinlichkeit, dass die Erde nicht in weniger als zwei Generationen unbewohnbar geworden sei, oder aber in Szenario zwei durch immer größere Gegensätze zwischen Arm und Reich die Welt endgültig "brasilianisiert" ist - mit Zugang zu allen Ressourcen für nur noch zehn Prozent ihrer Bewohner und dem Schicksal der Verelendung für den Rest.

Diese Thesen, bereits vor Jahrzehnten von Wissenschaftlern immer wieder beschworen, erhalten durch die derzeitige weltweite Finanzkrise eine weitere Zuspitzung, so der Referent. Wie ein gesunder Wirtschaftskreislauf funktioniert, erlebte das Publikum hautnah am Beispiel einer Münze, die nach dem Austausch von "Dienstleistungen" durch den Saal wanderte, ohne selbst je an Wert zu gewinnen oder zu verlieren. Dass der Wert dieser Münze sich auf dem Papier durch einige geschickte Gedankenspiele ohne reellen Gegenwert um das 1000-fache steigern kann, war Sinn der zweiten Demonstration. Spätestens in dem Moment, in dem ein halbes Dutzend Zuhörer wertlose "Wertpapiere" in den Händen hielt, hatte die Finanzkrise auch die Mensa des Schulzentrums erreicht.

Solte verglich diesen Moment des Erwachens mit dem Kinderspiel "Die Reise nach Jerusalem" - allerdings in einer außergewöhnlichen Variante: "Stellen Sie sich vor, dass 100 Kinder und sieben Gorillas um zwei Stühle herumtanzen - und was geschieht, wenn die Musik jetzt aufhört zu spielen?". Die Kinder und Gorillas ohne einen Sitzplatz, stellvertretend für Banken, Versicherungen und Investmentfonds, müssten ein Pfand abgeben. "Und wie sieht das in der Realität aus mit dem Pfänder abgeben? Da kann man sich jetzt zum Beispiel den deutschen Konzern Merckle angucken und die Firmen des Konzerns wie Heidelberg Zement, Ratiopharm, Phönix: Die werden überall dahin gehen, wo vor der Krise der größte Teil des Finanzvolumens verteilt war", so Solte mit Hinweis darauf, dass die großen amerikanischen Vermögensverwaltungen vor der Krise 50 Prozent des gesamten Weltvermögens betreuten. Japan folge mit elf Prozent, Großbritannien mit etwa 10,5 Prozent, dann die Franzosen und die Deutschen mit jeweils knapp unter fünf Prozent. "Damit haben Sie ein Gefühl dafür, wo denn die knappen Ressourcen hingehen werden - denn die knappen Ressourcen sind das, worum es gerade in dem Spiel geht".

Soltes Schlussfolgerung lautet: "Was im Moment läuft, geht voll und ganz in Richtung einer Brasilianisierung". Die Frage laute, wie viel Ungleichheit die Demokratien aushielten, "und da kann es eben auch zu einem Kollaps kommen". Seine drei dringenden Handlungsempfehlungen lauten daher: Sobald "die Musik wieder spielt", eine Mehrwertsteuer auf Finanzprodukte, "um die Gorillas einen fairen Beitrag zahlen zu lassen, der bis zu 2000 Milliarden Dollar pro Jahr betragen könnte", so Solte.

Zweites Element müssten Finanzhilfen der reichen für die armen Länder sein - wie beim Marshall-Plan, der Deutschland nach dem Krieg wieder auf die Beine geholfen habe oder als Erfolgsmodell innerhalb der EU funktioniere.

Weltweit harmonisieren

Drittes Element sei eine weltweite Harmonisierung der Unternehmenssteuern samt Austrocknen von Steueroasen - mit weiteren 2000 Milliarden Dollar Einnahmen für die Gemeinwesen jährlich. Unterm Strich stünden Gelder, die es jedem Land ermöglichen, Infrastruktur für gesundes wirtschaftliches Wachstum samt Bildung und Gesundheitswesen bereitzustellen. Ein Wachstum allerdings, das Solte mit "ökosoziale Marktwirtschaft" bezeichnet, und das nichts mit Sozialismus zu tun habe.

Denn der lasse die Menschen zu wenig Kreativität für die Herausforderungen der künftigen Generationen entwickeln. Kreativität für intelligentes Wirtschaften jedoch sei in Zukunft von der Menschheit mehr denn je gefordert.

(Erschienen: 05.05.2009 00:08)

Artikelfunktionen
drucken
Bewertungen
0.0
0,0 (0 Stimmen)
Das könnte Sie auch interessieren
- Anzeige -
- Anzeige -

Ski-Special

- Anzeige -
- Anzeige -

Jetzt Bild hochladen...

...und mit etwas Glück zur Dirndl-Prinzessin 2012 gekürt werden und tolle Preise gewinnen! mehr

Fasnet

Und es geht schon wieder los!

Neuigkeiten und Veranstaltungen rund um die schöne Fasnetszeit gibt es hier in unserem Special. mehr

Der Süden sucht das Super-Tier

Jetzt Bild hochladen...

...und mit etwas Glück gewinnen Sie ein professionelles Tier-Fotoshooting und einen Gutschein über 150 Euro für Tierbedarf. mehr
- Anzeige -

Die letzten Leserkommentare

Partybilder aus unserer Region
Party in Konstanz am 03. Februar 2012 in Konstanz
Party in Konstanz am 03. Februar 2012 in Konstanz