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Disneys Doppelschlag: «Narnia» für Fantasy-Fans und Christen

New York / dpa Es soll eines der großen Kinoereignisse dieses Jahres werden, ein würdiger Nachfolger der "Herr der Ringe"-Trilogie: Das Fantasy-Epos "Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia", das am 8. Dezember in die deutschen Kinos kommt. Doch schon lange vor der Premiere ist in den USA ein ideologischer Streit um den Film entbrannt.

Doch schon lange vor der Premiere ist in den USA ein ideologischer Streit um den Film entbrannt. Denn Disney fährt eine beispiellose Doppelstrategie zur Vermarktung des Films. Der religiösen Rechten verkauft der Konzern den Film als christlich, um an den Erfolg von Mel Gibsons "Passion Christi" anzuknüpfen. Dem Rest des Publikums dagegen wird "Narnia" als klassischer Fantasy-Film unter der Regie von Andrew Adamson ("Shrek") und mit Spezialeffekten aus der Werkstatt von Peter Jackson angepriesen.

Gibsons Jesus-Film war für die Marketingstrategen in Hollywood die größte Überraschung der vergangenen Jahre. Der anfangs belächelte Streifen spielte Hunderte Millionen Dollar ein, weil er den bis dahin vernachlässigten Markt der frommen Kirchgänger anzapfte. Das hat Disney auf die Idee gebracht, seine bisher größte Produktion "Narnia" - Kosten 120 Millionen Euro - offensiv als christliche Parabel herauszubringen, zumindest in Amerika.

Und die Rechnung scheint aufzugehen. So sagt Lon Allison, Direktor des religiösen Billy-Graham-Zentrums in Illinois: "Wir glauben, dass Gott durch diesen Film die Frohe Botschaft unseres Herrn Jesus Christus verkündet." Ted Haggard, Präsident der amerikanischen Prediger-Gesellschaft, sieht den Film ebenfalls als "weiteres Mittel, um Jesu Botschaft an Menschen weiterzugeben, die für andere Darstellungen nicht empfänglich sind".

Das ist ungewohntes Lob für Disney. In der Vergangenheit war der Unterhaltungskonzern von der religiösen Rechten schon öfters boykottiert worden, zum Beispiel weil er in Disneyland Thementage für Homosexuelle organisierte. Allerdings melden sich nun Kritiker von der liberalen Seite zu Wort: "Indem der Film versucht, es jedem recht zu machen, könnte er am Ende gerade niemanden zufrieden stellen", bemängelt die "New York Times".

Der "König von Narnia" erzählt die Geschichte von vier Kindern, die während des Zweiten Weltkriegs aus dem bombardierten London aufs Land geschickt werden. Dort entdecken sie einen Zauberschrank, durch den sie in das Land Narnia gelangen. Das Epos umfasst sieben Bände - im Erfolgsfall darf man also nach dem Potter-Prinzip sechs Fortsetzungen erwarten.

Die Buchvorlage - Weltauflage 95 Millionen - stammt von dem englischen Autor C.S. Lewis (1898-1963), dessen Leben 1993 mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle verfilmt wurde ("Shadowlands - Ein Geschenk des Augenblicks"). Lewis war zeitweise eng mit John Ronald Reuel Tolkien befreundet, dem "Herr der Ringe"-Schöpfer. Angeblich soll dieser ihn sogar vom Atheismus zum Christentum bekehrt haben.

Von "Narnia" allerdings war Tolkien wenig begeistert, und er ist nicht der einzige Kritiker geblieben. Der englische Fantasy-Autor Philip Pullman ("Das magische Messer") etwa bezeichnet die Bücher als eine "mürrische Mischung aus rassistischen, frauenfeindlichen und reaktionären Vorurteilen. Wenn Disney diesen Film als große christliche Geschichte vermarkten will, dann geht das nur mit Lügen." Lewis hat unter den modernen Fantasy-Schriftstellern allerdings einen großen Fürsprecher: Die Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling hat die Bücher ausdrücklich zur Verfilmung empfohlen.

(Erschienen: 10.11.2005 08:27)

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