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Die maßlose Gier hat sich überlebt

Die Finanzwelt ist aus den Fugen. Vieles bleibt unbegreiflich an dieser Krise. Aber sie bietet auch Chancen.

Die Finanzwelt ist aus den Fugen. Vieles bleibt unbegreiflich an dieser Krise. Aber sie bietet auch Chancen.

Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Diese grundlegende Frage muss jetzt beantwortet werden. Denn die Entwicklung hin zu einem implodierenden Finanzsystem muss früh eingesetzt haben. Am Anfang ging es recht unspektakulär um Kleinkredite amerikanischer Häuslebauer. Man sprach vernebelnd von einer "Subprime"-Krise, wobei "subprime" zu deutsch "weniger als erstklassig" heißt. Ein Hohn, denn diese Kreditpakete waren schon längst unterste Schublade. Geld im Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten war billig, jeder bekam seinen Kredit, man lebte auf großem Fuß, ohne es sich leisten zu können. Der Einfallsreichtum der Banken kaschierte die Probleme, die Banker erfanden immer neue Finanzkonstrukte, man handelte eifrig weiter, denn der Bonus des Händlers sollte ja am Jahresende möglichst hoch ausfallen. Keiner wollte wahrhaben, dass etwas schieflief. Die Party musste weitergehen.

Vor 14 Tagen dann platzte diese Blase, und nichts ist mehr wie vorher. Die Machtzentren der amerikanischen Finanzwelt - binnen weniger Tage untergegangen. Investmentbanken mit jahrhundertealter Tradition - nicht mehr da. Die Wall Street - als Symbol eines zügellosen Casino-Kapitalismus nur noch Geschichte. So schnell kann das gehen. Die US-Regierung greift zum letzten möglichen Mittel: Verstaatlichung, Planwirtschaft. Ein Treppenwitz der Geschichte.

Vieles bleibt unbegreiflich in dieser Finanzmarktkrise. Das System hat sich vom gesunden Menschenverstand verabschiedet. Es ist nur noch perfide, wenn Hedge-Fonds viele Millionen Dollar am Tag damit verdienen, dass sie sogenannte Leerverkäufe - Wetten auf einen Kursabsturz - tätigen. Geht es der Bank schlecht, hurra, köpfen die Spekulanten eine Flasche Champagner. Diese "Finanzinnovationen", wie man uns vorgaukelte, haben sich verselbstständigt, und sie haben sich auch selbst erledigt.

Das Ende der Wall Street ist nicht das Ende des Kapitalismus. Es ist aber vielleicht das Ende des maßlosen Kapitalismus. Wenn alle daraus gelernt haben, werden Geschäfte mit Geld wieder risikoloser, nachvollziehbarer, geordneter, vor allem transparenter. Die gute, alte Geschäftsbank übernimmt das Kommando. Dafür zumindest ist der Schock an den globalen Finanzmärkten heilsam.

(Erschienen: 22.09.2008 00:06)

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