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Die Rückkehr des ehrbaren Kaufmanns

Im Zuge der Finanzkrise feiert die Politik einen Bedeutungszuwachs. Gleichzeitig findet eine Rückbesinnung statt auf das, was die Menschen antreibt. Die entscheiden, werden nicht gewählt.

Im Zuge der Finanzkrise feiert die Politik einen Bedeutungszuwachs. Gleichzeitig findet eine Rückbesinnung statt auf das, was die Menschen antreibt.

Die entscheiden, werden nicht gewählt. Und die gewählt werden, entscheiden nicht. Dieser Eindruck hat sich in der Phase der Globalisierung in vielen Köpfen festgesetzt. Die Finanzkrise aber hat die Rückkehr der Politik gebracht. Regierungen müssen die Wirtschaft retten. Das Zeitalter des Marktradikalismus ist vorbei. "Wer künftig noch verkündet, man müsse nur die Märkte walten lassen, dann werde alles gut, wird sich lächerlich machen", sagt Erhard Eppler. Er hat recht. Die Politik ist wie selten gefragt, ordnend einzugreifen. Auch wenn das Vertrauen in die Politik in den letzten Jahren enorm gelitten hat, so ist es doch noch größer als jenes in die Wirtschaft. Im Zweifel vertrauen die Menschen auf den Staat an ihrer Seite.

Das ist nicht nur in Deutschland so. Die Finanzkrise hat in Amerika einem Hoffnungsträger wie Obama in das Amt des Präsidenten verholfen. Auch in den USA verkörpert seine Generation den Ansatz, dass man nicht nur für sich selbst, sondern für sein Land und die Welt etwas tun kann.

Das ist der eigentliche Gewinn der Krise, die große Chance. Über die Frage des Eingreifens des Staates mit ordnenden Regeln für Finanzmärkte hinaus taucht die Frage nach den Werten des Lebens wieder auf. Die Frage nach einer gesunden Umwelt, nach guter Bildung, nach ausreichender Nahrung und einer Gerechtigkeit, die sich über Nationen spannt. Im Schlepptau dieser Diskussion findet in Deutschland eine fast rührend altmodische Rückbesinnung auf die soziale Marktwirtschaft eines Ludwig Erhard und auf ein Unternehmertum des Nachkriegsdeutschland statt, als der väterliche Firmenchef neben seinen eigenen Interessen auch die seiner Mitarbeiter beachtete und wahrte.

Der "ehrbare Kaufmann" wird plötzlich allerorten zitiert. Das ist das Bild eines Geschäftsmannes, der Profitstreben und Werte miteinander vereint. Oder, einfacher gesagt, der über Kultur verfügt. Dass die Frage nach dem Handeln des Einzelnen im Zusammenwirken des Marktes wieder laut wird, die Frage nach dem moralischen Fundament unserer Gesellschaft und Wirtschaft wieder hörbar gestellt wird, das ist die gute und große Nachricht nach all den schlechten Nachrichten der letzten Wochen.

(Erschienen: 22.12.2008 00:07)

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