Die Natur vervollständigt das Bild
Von unserer Redakteurin Ingeborg Wagner
Nicht dass Mathematik unkreativ wäre, ganz und gar nicht. Sagt zumindest Kathrin Glau. Aber es bleibt auf der Ebene rein geistiger Produktivität. Deshalb setzt sie etwas zum Anschauen oder Anfassen entgegen: Malerei in der Natur, gemalt und fotografiert zugleich. Diese „See-Kunst und Seh-Kunst“ ist noch bis 15. Mai im Salemer Rathaus zu bestaunen.
Umgekehrter Schaffensweg
Dazu gehört auch das Bild aus Acrylfarben, in dem Rot und Grün dominieren. Befestigt ist es am Zaun des Winzervereins mit Blick über den See. So hat Kathrin Glau es mit ihrer Leica festgehalten -- als ein Element im Sonnenuntergang, mit einem wie pastellartig hingetupft aussehenden lila-blauen Himmel und goldenen Strahlen über dem Wasser. Erst diese Symbiose ergibt das fertige Bild: Das 25 mal 35 Zentimeter große Dia wurde auf Plakatgröße entwickelt. Kathrin Glau geht aber auch den umgekehrten Schaffensweg. In der Garage in ihrem Elternhaus („Hier kann ich mich austoben“) in der Stettener Straße entsteht ein Gemälde. Damit geht sie in die Natur, in den Garten oder ans Seeufer. Mit Wurzeln, Strandgut und Grün verbindet sie das Bild oder legt es ganz in den See. Ihre Kamera fängt diese Verbindung auf.
Dieses Suchen in der Natur, nach Hintergrund, nach Ergänzung, findet sie „eine schöne Tätigkeit“. Wenn sie mit Stativ und Kamera bewaffnet loszieht, zieht sie oft auch das Interesse der Menschen auf sich. „Auch das ist okay.“ Vor allem die Fragen der Kinder freuen sie.
Der Materialaufwand – das Entwickeln der Dia – ist für die Künstlerin eine relativ teure Angelegenheit. Besonders für eine Studentin, die, wie es auch an der Freiburger Universität üblich ist, von einer halben BAT-Stelle leben muss. Das nimmt sie in Kauf: „Ich bin so fasziniert von der Sache.“
Gestern ist Kathrin Glau zu einer internationalen Tagung nach Slowenien geflogen, in der es um angewandte Finanzmathematik ging. Staubtrocken? Ein Wort, das die Promotionsstudentin dafür nicht verwenden würde: „Eher ziemlich wichtig“, vor allem, wenn man es im Kontext der globalen Finanzmarktkrise betrachte. Dieses Jahr noch will sie mit ihrer Promotion abschließen, dann bewirbt sie sich an Hochschulen oder Universitäten – im Grunde weltweit. Auch wenn die Meersburgerin zugeben muss, dass ihr Herz in Meersburg hängt. Der Blick auf See und Berge habe etwas unheimlich Beruhigendes.
Sie braucht Unabhängigkeit
Von ihrer Kunst zu leben, kann sie sich nicht vorstellen, auch wenn es über die Ausübung als Hobby weit hinausgeht. Doch hier sucht Kathrin Glau eine gewisse Unabhängigkeit. „Ich kann es in künstlerischer Richtung nicht brauchen, wenn die Richtung zu stark vorgegeben wird.“ Erfolge hat sie trotz oder gerade deswegen. Der Internationale Bodensee Club (IBC), Sektion Bildende Künste, hat sie als Mitglied aufgenommen. Eine fünfköpfige Jury überzeugte sich von der künstlerischen Qualität ihrer Arbeiten.
Auch in Salem musste sie zuerst Arbeitsproben einreichen, ehe sie ausgewählt wurde. Die nächste Schau steht bereits: Ab Ende Mai zeigt Kathrin Glau ihre Naturbilder oder Bilder der Natur im Meersburger Staatsweingut. Denn das Weinblatt als Naturelement hat die Meersburgerin – natürlich – auch in ihrem künstlerischen Repertoire.
(Erschienen: 05.05.2010 23:00)








