Die Löhne sind so niedrig wie vor 20 Jahren
Wie hoch sind die Löhne?
Im Jahr 1986 lagen die Reallöhne – also abzüglich Lohnsteuer, der Beiträge zu den Sozialversicherungen und bereinigt um die Preisentwicklung – bei 15.785 Euro jährlich. Zwanzig Jahre später, im Jahr 2006 lag der Wert bei 15.845 Euro, kaum mehr also. Die Statistik des Bundesarbeitsministeriums
zeigt auch, dass die Netto-Reallöhne im Zeitraum dazwischen teilweise
bereits deutlich höher lagen: Am besten ging es den Deutschen demnach im
Jahr 1993. Damals beliefen sich die Nettoreallöhne auf 17280 Euro pro
Arbeitnehmer. Alle Zahlen sind Durchschnittslöhne.
Greift der Staat den Arbeitnehmern immer tiefer in die Tasche? Teils, teils: Im Zusammenhang mit der Deutschen Einheit nach 1990 wurden diverse Erhöhungen fällig: Vom Soli-Zuschlag abgesehen, erhöhten sich auch die Beiträge zur Renten- Arbeitslosen- und Krankenversicherung deutlich. Die Pflegeversicherung wurde 1995 neu eingeführt. Teils wurden Einheitskosten über die Sozialsysteme abgewickelt, was die Nettolöhne schmälerte. Andererseits ist der direkte staatliche Eingriff in die Löhne eher rückläufig: Mit der Steuerreform ab 2001 wurden Spitzen- und Eingangssteuersätze gesenkt. Zumindest bei der Arbeitslosenversicherung macht sich die bessere Konjunktur ab diesem Jahr mit einer Senkung bemerkbar. Und die Rentenbeiträge sind nicht mehr auf dem Höchststand.
Welche anderen Gründe für die niedrigen Löhne gibt es? In Kombination mit relativ niedrigen Lohnabschlüssen in den letzten Jahrenmacht die Inflation einen Grund aus, warum die durchschnittlichen Einkommen gesunken sind. Trotz vergleichsweise niedriger Preissteigerungen konnten die Löhne nicht Schritt halten. In den Krisenjahren seit Mitte der 90er und dann ab 2002 nach dem Ende des Booms der New Economy haben nicht nur geringe Lohnsteigerungen ihren Teil beigetragen, sondern auch die gleichzeitige Kürzung anderer Ansprüche, vom Urlaubs- bis zum Weihnachtsgeld. In den vergangenen zwölf Jahren, so Konjunkturforscher Gustav Adolf Horn, war nicht der Staat, sondern die Tarifpartner schuld an meist sinkenden Reallöhnen.Bei den Durchschnittswerten für die Nettorealverdienste je Arbeitnehmer ist noch eine andere Entwicklung vor allem der letzten Jahre zu berücksichtigen, erklärt Klaus Brandner, der sozialpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion: „Immer mehr Menschen arbeiten Teilzeit oder in geringfügiger Beschäftigung.“ Als ein Mittel gegen die Nettolohn-Krise empfiehlt Brandner Mindestlöhne.
Wie entwickeln sich die Einkommen der Unternehmer? Zumindest in den letzten Jahren deutlich besser: Das verdeutlichen Zahlen für die Bruttolöhne. Die sind zwischen 2000 und 2006 um 4,5 Prozent gestiegen, während sich die Einkommen aus Vermögen und Unternehmen um 42 Prozent gesteigert. Eine „sehr deutliche Unwucht“, heißt es im Arbeitsministerium. Als Mittel, um die Kluft zu verringern, überlegen SPD und Union Modelle der Mitarbeiterbeteiligung an Firmen. Allerdings bleibt ein Modell schwer zu finden, dass beides vereinen würde: Zuwächse für Arbeitnehmer auf dem Niveau der Firmen bei gleichzeitiger Ausschaltung des unternehmerischen Risikos.
Wie geht die Entwicklung weiter? Trotz teils vergleichsweise hoher Lohnabschlüsse in einigen Branchen in diesem Jahr rechnet das Bundesarbeitsministerium offenbar weiter mit teils sinkenden Durchschnittslöhnen. Indiz dafür ist, dass nach derzeitigem Stand die Beitragsbemessungsgrenze in der Renten- und Arbeitslosenversicherung in den neuen Ländern im kommenden Jahr leicht von 4550 Euro auf 4500 Euro sinken soll, während sie im Westen von 5250 auf 5300 steigen würde. Abschließend festgelegt sind die Werte allerdings noch nicht.
(Erschienen: 24.09.2007 19:00)
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Die Löhne sind so niedrig wie vor 20 Jahren
Wie hoch sind die Löhne?
Im Jahr 1986 lagen die Reallöhne – also abzüglich Lohnsteuer, der Beiträge zu den Sozialversicherungen und bereinigt um die Preisentwicklung – bei 15.785 Euro jährlich. Zwanzig Jahre später, im Jahr 2006 lag der Wert bei 15.845 Euro, kaum mehr also. Die Statistik des Bundesarbeitsministeriums
zeigt auch, dass die Netto-Reallöhne im Zeitraum dazwischen teilweise
bereits deutlich höher lagen: Am besten ging es den Deutschen demnach im
Jahr 1993. Damals beliefen sich die Nettoreallöhne auf 17280 Euro pro
Arbeitnehmer. Alle Zahlen sind Durchschnittslöhne.
Greift der Staat den Arbeitnehmern immer tiefer in die Tasche? Teils, teils: Im Zusammenhang mit der Deutschen Einheit nach 1990 wurden diverse Erhöhungen fällig: Vom Soli-Zuschlag abgesehen, erhöhten sich auch die Beiträge zur Renten- Arbeitslosen- und Krankenversicherung deutlich. Die Pflegeversicherung wurde 1995 neu eingeführt. Teils wurden Einheitskosten über die Sozialsysteme abgewickelt, was die Nettolöhne schmälerte. Andererseits ist der direkte staatliche Eingriff in die Löhne eher rückläufig: Mit der Steuerreform ab 2001 wurden Spitzen- und Eingangssteuersätze gesenkt. Zumindest bei der Arbeitslosenversicherung macht sich die bessere Konjunktur ab diesem Jahr mit einer Senkung bemerkbar. Und die Rentenbeiträge sind nicht mehr auf dem Höchststand.
Welche anderen Gründe für die niedrigen Löhne gibt es? In Kombination mit relativ niedrigen Lohnabschlüssen in den letzten Jahrenmacht die Inflation einen Grund aus, warum die durchschnittlichen Einkommen gesunken sind. Trotz vergleichsweise niedriger Preissteigerungen konnten die Löhne nicht Schritt halten. In den Krisenjahren seit Mitte der 90er und dann ab 2002 nach dem Ende des Booms der New Economy haben nicht nur geringe Lohnsteigerungen ihren Teil beigetragen, sondern auch die gleichzeitige Kürzung anderer Ansprüche, vom Urlaubs- bis zum Weihnachtsgeld. In den vergangenen zwölf Jahren, so Konjunkturforscher Gustav Adolf Horn, war nicht der Staat, sondern die Tarifpartner schuld an meist sinkenden Reallöhnen.Bei den Durchschnittswerten für die Nettorealverdienste je Arbeitnehmer ist noch eine andere Entwicklung vor allem der letzten Jahre zu berücksichtigen, erklärt Klaus Brandner, der sozialpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion: „Immer mehr Menschen arbeiten Teilzeit oder in geringfügiger Beschäftigung.“ Als ein Mittel gegen die Nettolohn-Krise empfiehlt Brandner Mindestlöhne.
Wie entwickeln sich die Einkommen der Unternehmer? Zumindest in den letzten Jahren deutlich besser: Das verdeutlichen Zahlen für die Bruttolöhne. Die sind zwischen 2000 und 2006 um 4,5 Prozent gestiegen, während sich die Einkommen aus Vermögen und Unternehmen um 42 Prozent gesteigert. Eine „sehr deutliche Unwucht“, heißt es im Arbeitsministerium. Als Mittel, um die Kluft zu verringern, überlegen SPD und Union Modelle der Mitarbeiterbeteiligung an Firmen. Allerdings bleibt ein Modell schwer zu finden, dass beides vereinen würde: Zuwächse für Arbeitnehmer auf dem Niveau der Firmen bei gleichzeitiger Ausschaltung des unternehmerischen Risikos.
Wie geht die Entwicklung weiter? Trotz teils vergleichsweise hoher Lohnabschlüsse in einigen Branchen in diesem Jahr rechnet das Bundesarbeitsministerium offenbar weiter mit teils sinkenden Durchschnittslöhnen. Indiz dafür ist, dass nach derzeitigem Stand die Beitragsbemessungsgrenze in der Renten- und Arbeitslosenversicherung in den neuen Ländern im kommenden Jahr leicht von 4550 Euro auf 4500 Euro sinken soll, während sie im Westen von 5250 auf 5300 steigen würde. Abschließend festgelegt sind die Werte allerdings noch nicht.
(Erschienen: 24.09.2007 19:00)
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