Die Grünen sehen weder schwarz noch dunkelrot
Während der donnernden Rede des Fraktionsvorsitzenden Fritz Kuhn steht der Biberacher Neu-Landtagsabgeordnete Eugen Schlachter etwas abseits der Bühne an die Wand gelehnt. "Die Zukunft kümmert die Linken einen Dreck", zieht Kuhn gerade über Linksparteichef Oskar Lafontaine her. Eine rot-rot-grüne Koalition sei derzeit keine Alternative. Die Koalitionsdebatte nach der Hessenwahl trieb die grüne Parteispitze auch beim Politischen Aschermittwoch um. Schlachter selbst hält sich da raus. "Das ist nicht mein Ding", sagte er vor Beginn der Veranstaltung. "Ich will mich im Landtag um meine Themen kümmern und nicht Koalitionen schmieden."
Fritz Kuhn und Renate Künast geht es um mehr als einzelne Themen, es geht ihnen um die Macht und wie die Grünen wieder ganz oben mitspielen können. Koalitionspartner sind dazu zwingend nötig - nur welche? Fritz Kuhns strikte Ablehnung rot-rot-grüner Bündnisse ist eine schallende Ohrfeige für Parteifreund Jürgen Trittin, der jüngst bei Annäherungsversuchen an die Linke erwischt wurde. Renate Künast ist dagegen das Werben des Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust um die dortige grüne Spitzenkandidatin Christa Goetsch unheimlich: "Das grenzt an Stalking". In Hamburg wird am 24. Februar gewählt. In Hessen ist für Fritz Kuhn die Sache klar: "Wenn die FDP noch Reste von Liberalität hat, muss sie bei einer Ampel mit SPD und Grüne mitmachen."
Eugen Schlachter blendet diese Seite der Politik derzeit noch aus. "Auf diese Abschnitte der Reden hätte ich verzichten können. Das war doch nur fürs Fernsehen." Er selber predigt das Prinzip Genossenschaft. "Eigenverantwortung und Solidarität" sind ihm wichtig. Der Mittelstand ist sein Thema. Als Vorstandssprecher der Raiffeisenbank Dellmensingen weiß er wovon er spricht. "Die Mittelständler stützen unsere Gesellschaft", sagt Schlachter.
Sein neuer Chef, der Landtagsfraktionsvorsitzende Winfried Kretschmann, lacht, wenn man nach einer Einordnung Schlachters ins grüne Spektrum fragt: "Der Eugen ist ein Hardcore-Realo". Kretschmann entschuldigt sich zu Beginn seiner Rede, seine Stimme hätte etwas unter dem Fastnachtstreiben gelitten. Erst einmal in Fahrt, zeigt er dennoch der Lautsprecheranlage der Stadthalle ihre Grenzen auf und bringt die Gläser der knapp 500 Zuhörer zum Klirren. Am lautesten dröhnen die Sätze, die den Namen Oettinger enthalten. "Wenn es um eine warme Mahlzeit für finanziell benachteiligte Schüler geht, erklärt Oettinger das Land für nicht zuständig. Beim neuen Bahnhof Stuttgart 21, für den das Land wirklich nicht zuständig ist, macht er aber Milliarden locker", beklagt Kretschmann.
"Das sind Rattenfänger"
Auffallend oft taucht in den Biberacher Aschermittwochsreden das Wort konservativ auf. Von einem Linksruck bei den Grünen ist jedenfalls nicht viel zu spüren. Oswald Metzgers Nachfolger Eugen Schlachter wird eine Annäherung an die Linke auch nicht wollen: "Das sind Rattenfänger."
Beim Klimaschutz pochen die Grünen weiter auf ihre Patentrechte ("Wir waren die ersten"). An Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) lässt Renate Künast kein gutes Haar. Bei der Bali-Konferenz habe er noch groß getönt und "zu Hause bricht er dann vor jedem Lobbyisten ein oder versteckt sich in einer Kiste, deren Deckel er von innen zuhält". Sätze wie für den Politischen Aschermittwoch geschrieben. Der ehemaligen Verbraucherministerin Künast merkt man mit jedem Wort an, dass sie nur eines noch schlimmer findet als die politischen Gegner: die vergangenen zwei Jahre in der Opposition.
(Erschienen: 07.02.2008 00:08)
Während der donnernden Rede des Fraktionsvorsitzenden Fritz Kuhn steht der Biberacher Neu-Landtagsabgeordnete Eugen Schlachter etwas abseits der Bühne an die Wand gelehnt. "Die Zukunft kümmert die Linken einen Dreck", zieht Kuhn gerade über Linksparteichef Oskar Lafontaine her. Eine rot-rot-grüne Koalition sei derzeit keine Alternative. Die Koalitionsdebatte nach der Hessenwahl trieb die grüne Parteispitze auch beim Politischen Aschermittwoch um. Schlachter selbst hält sich da raus. "Das ist nicht mein Ding", sagte er vor Beginn der Veranstaltung. "Ich will mich im Landtag um meine Themen kümmern und nicht Koalitionen schmieden."
Fritz Kuhn und Renate Künast geht es um mehr als einzelne Themen, es geht ihnen um die Macht und wie die Grünen wieder ganz oben mitspielen können. Koalitionspartner sind dazu zwingend nötig - nur welche? Fritz Kuhns strikte Ablehnung rot-rot-grüner Bündnisse ist eine schallende Ohrfeige für Parteifreund Jürgen Trittin, der jüngst bei Annäherungsversuchen an die Linke erwischt wurde. Renate Künast ist dagegen das Werben des Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust um die dortige grüne Spitzenkandidatin Christa Goetsch unheimlich: "Das grenzt an Stalking". In Hamburg wird am 24. Februar gewählt. In Hessen ist für Fritz Kuhn die Sache klar: "Wenn die FDP noch Reste von Liberalität hat, muss sie bei einer Ampel mit SPD und Grüne mitmachen."
Eugen Schlachter blendet diese Seite der Politik derzeit noch aus. "Auf diese Abschnitte der Reden hätte ich verzichten können. Das war doch nur fürs Fernsehen." Er selber predigt das Prinzip Genossenschaft. "Eigenverantwortung und Solidarität" sind ihm wichtig. Der Mittelstand ist sein Thema. Als Vorstandssprecher der Raiffeisenbank Dellmensingen weiß er wovon er spricht. "Die Mittelständler stützen unsere Gesellschaft", sagt Schlachter.
Sein neuer Chef, der Landtagsfraktionsvorsitzende Winfried Kretschmann, lacht, wenn man nach einer Einordnung Schlachters ins grüne Spektrum fragt: "Der Eugen ist ein Hardcore-Realo". Kretschmann entschuldigt sich zu Beginn seiner Rede, seine Stimme hätte etwas unter dem Fastnachtstreiben gelitten. Erst einmal in Fahrt, zeigt er dennoch der Lautsprecheranlage der Stadthalle ihre Grenzen auf und bringt die Gläser der knapp 500 Zuhörer zum Klirren. Am lautesten dröhnen die Sätze, die den Namen Oettinger enthalten. "Wenn es um eine warme Mahlzeit für finanziell benachteiligte Schüler geht, erklärt Oettinger das Land für nicht zuständig. Beim neuen Bahnhof Stuttgart 21, für den das Land wirklich nicht zuständig ist, macht er aber Milliarden locker", beklagt Kretschmann.
"Das sind Rattenfänger"
Auffallend oft taucht in den Biberacher Aschermittwochsreden das Wort konservativ auf. Von einem Linksruck bei den Grünen ist jedenfalls nicht viel zu spüren. Oswald Metzgers Nachfolger Eugen Schlachter wird eine Annäherung an die Linke auch nicht wollen: "Das sind Rattenfänger."
Beim Klimaschutz pochen die Grünen weiter auf ihre Patentrechte ("Wir waren die ersten"). An Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) lässt Renate Künast kein gutes Haar. Bei der Bali-Konferenz habe er noch groß getönt und "zu Hause bricht er dann vor jedem Lobbyisten ein oder versteckt sich in einer Kiste, deren Deckel er von innen zuhält". Sätze wie für den Politischen Aschermittwoch geschrieben. Der ehemaligen Verbraucherministerin Künast merkt man mit jedem Wort an, dass sie nur eines noch schlimmer findet als die politischen Gegner: die vergangenen zwei Jahre in der Opposition.
(Erschienen: 07.02.2008 00:08)
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