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Denkmal hat jetzt öffentlichen Platz

ULM / köd Was lange währt, wird nun doch noch gut: Nach 16 Jahren ist das Ulmer Deserteurs-Denkmal aus einem Ludwigsfelder Privatgarten umgezogen und hat nun seinen offiziellen Platz im Lehrer Tal, gegenüber dem Eingang zum Botanischen Garten, gefunden. Dort wurde es am Samstag feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Markus Kienle, Fraktionssprecher der Ulmer Grünen, hatte es nicht mehr für möglich gehalten, doch auf Initiative des jungen Ulmer Friedensnetzwerkes steht Hannah Stütz-Mentzels Kunstwerk der fallenden Dominosteine, jetzt an einem öffentlichen Ort (wir berichteten darüber).

Markus Kienle, Fraktionssprecher der Ulmer Grünen, hatte es nicht mehr für möglich gehalten, doch auf Initiative des jungen Ulmer Friedensnetzwerkes steht Hannah Stütz-Mentzels Kunstwerk der fallenden Dominosteine, jetzt an einem öffentlichen Ort (wir berichteten darüber). Es erinnert symbolisch an jene Soldaten des Zweiten Weltkrieges, die sich verweigerten und andere mitrissen gegen den Krieg.

Konzipiert wurde das Denkmal mit seiner Aussage "Nicht das Desertieren ist verwerflich, sondern der Krieg" bereits 1985, sechs Jahre später wurde es vor dem Roxy enthüllt. Doch bald darauf beschloss der Ulmer Kulturausschuss die Entfernung des Kunstwerks, die fünf Tonnen Stahl fanden auf der bayerischen Seite der Donau in einem Privatgarten Asyl. Ein zweiter Versuch, den fallenden Dominosteinen einen Platz zu geben, scheiterte 1995. Die Zeit war noch nicht reif, denn erst 2002 wurden die Urteile gegen Wehrmachtsdeserteure aufgehoben; davon ausgenommen blieb allerdings bis heute der Straftatbestand "Kriegsverrat".

Vielfach wurden jene Wehrmachts-Angehörigen, die nicht töten und nicht getötet werden wollten, sondern die leben wollten, weiterhin als "Vaterlandsverräter" und "Kameradenschweine" beschimpft, und keiner der Wehrmachts-Juristen, die die Todesurteile verhängt hatten, wurde je zur Verantwortung gezogen. Rund 30 000 Deserteure waren es, die in Deutschland bis zum Kriegsende 1945 zum Tode verurteilt worden waren, mehr als 20 000 dieser Urteile wurden vollstreckt. Von den in Straflager gebrachten Deserteuren überlebten weniger als 4000.

Traurige Vergangenheit

So hat auch die Stelle, an der das Ulmer Deserteurs-Denkmal nun gegenüber dem Lehrer Tal-Eingang zum Botanischen Garten steht, eine traurige Vergangenheit, in die es sich unmittelbar einfügt: "Es war noch dunkel, als sie morgens loszogen ins Lehrer Tal", berichtete später ein Augenzeuge. "Am dortigen Schießstand etwa 50 Meter oberhalb der Straße nach Lehr wurde Aufstellung genommen. (É) Der Deserteur wurde gebracht, er trug Handschellen. (É) Das Urteil wurde noch einmal verlesen. Dann wurde dem Mann über der Herzgegend ein roter Fleck als Zielscheibe befestigt und die Augen verbunden. Beim Kommando "Gewehr über - Feuer!' riss er die Hände hoch, die Binde von den Augen und sah in die Mündungen."

Fünf unbekannte Männer waren es, die ab Anfang 1942 in der unmittelbaren Umgebung des heutigen Botanischen Gartens der Uni Ulm hingerichtet wurden, zuletzt im März 1945 ein 17-Jähriger. Mit einer Gedenkminute und Rosen erinnerten die Teilnehmer der Einweihungsfeier 60 Jahre nach Kriegsende an die Unbekannten, die sich dem Krieg verweigerten. }

Mit einem Zitat von Kurt Tucholsky ist das Kunstwerk von Hannah Stütz-Mentzel versehen, das jetzt im Lehrer Tal an das Schicksal der Wehrmachts-Deserteure im Zweiten Weltkrieg erinnert. SZ-Foto: köd

(Erschienen: 21.11.2005 00:16)

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