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"Das war der andere Dicke"

FRIEDRICHSHAFEN - Zugespitzt formulieren sei eine der Aufgaben eines Generalsekretärs, sagt Hubertus Heil, der einst das Bild von der SPD im Maschinenraum und der Union auf dem Sonnendeck ersann. Heute ist der 34-Jährige froh darüber, dass die SPD die unpopulären Ministerien inne hat. "Das bietet die Chance, dort etwas zu erreichen", sagt er beim SZ-Forum in Friedrichshafen.

Als Hubertus Heil mit 14 zu den Jusos im niedersächsischen Peine kam, hielten die ihn zunächst für einen Spitzel der Jungen Union. So adrett, so untypisch jungsozialistisch kam er daher in seinem Jackett. Heute ist Heil Generalsekretär der SPD, trägt immer noch Jackett und - beim SZ-Forum - Jeans dazu. Verwechselt wird der 34-Jährige allenfalls noch mit Parteigenossen, wie er erzählt: Es war bei einer Veranstaltung im Willy-Brandt-Haus, zu der viele Künstler geladen waren, als eine junge hübsche Schauspielerin auf ihn zu kam. Heil, "verheiratet, aber nicht blind", war sichtlich entzückt, als die Dame ihm mitteilte, wie sehr sie sich freue, ihn kennen zu lernen. Dann aber nannte sie den Grund ihrer Zuneigung: "Ich find das so toll, dass Sie die Patenschaft für diesen süßen Knut übernommen haben." Heil trocken: "Das war der andere Dicke." - Umweltminister Sigmar Gabriel.

Ein Hauch von Buddha

In der Tat liegt ein Hauch von Buddha auch über Heil. Weit zurückgelehnt sitzt er im Sessel, auch seine Gestik ist zurückgenommen, und dennoch ist er hellwach. "Nervosität kann ich mir in meinem Job nicht leisten", sagt Heil über den Posten des Generalsekretärs, den er im November 2005 mit gerade einmal 33 Jahren antrat. "Außerdem komme ich aus Peine/Niedersachsen. Da ist man eher geerdet."

Dementsprechend gelassen sieht Heil auch die Diskussion um die Führungsstärke von Parteichef Kurt Beck: Während etwa der Parteilinke Ottmar Schreiner verlauten lässt, die SPD befinde sich gerade im Schwebezustand, betont Heil beim SZ-Forum: "Beck hat der Partei Stabilität gebracht. Er ist unumstritten die Nummer eins in der SPD."

Die eher mageren Umfragewerte der SPD interessierten ihn derzeit "nicht so", behauptet der Generalsekretär. "Ich freue mich vielmehr darüber, dass dieses Land in Fahrt kommt." Das sei vor allem ein Verdienst der SPD und ihrer Reformpolitik unter Gerhard Schröder. Die Genossen müssten allerdings auch endlich zugeben, für die Reformen verantwortlich zu sein. "Mein Ziel ist es, den Stolz in der SPD wieder stärker zu machen", sagt Heil, der kein Pathos scheut. "Sie soll ihr underdog-Gefühl" wieder loswerden.

Die große Koalition ist auch für ihn bloße Zweckgemeinschaft, keine Liebesbeziehung. Doch einem Bündnis mit der neuen Linken auf Bundesebene steht der studierte Politikwissenschaftler skeptisch gegenüber. Links sein heiße nicht, die Ängste der Menschen zu schüren, meint Heil und kündigt an, den Kampf mit der"PDSML - der PDS mit Lafontaine" aufzunehmen: "Es gibt nur eine linke Volkspartei in Deutschland und das ist die SPD." Obwohl viele Gewerkschaftler sich dieser "PDSML" mittlerweile näher fühlen als der SPD, sieht Heil keinen Grund, von einer Entfremdung zu sprechen. "Wir wissen, dass wir aufeinander angewiesen sind."

Rechtsanspruch bei Krippen

Das gilt auch für den koalitionsinternen Streit um den Ausbau der Kinderkrippen, bei dem sich jedoch ein Konsens abzuzeichnen scheint. "Die SPD hat einen Rechtsanspruch bei Kinderkrippen vereinbart", verrät Heil. Am 14. Mai sollen die Koalitionsspitzen das Konsensmodell beschließen. Dann wird sich zeigen, ob Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) tatsächlich sozialdemokratische Schutztruppen anfordern muss. "Es gibt Unionsminister, die müssen wir manchmal vor ihrer eigenen Partei beschützen", sagt Heil, lacht und lehnt sich wieder weit zurück in den Ledersessel.

(Erschienen: 11.05.2007 00:06)

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