Das alte Postamt wollen alle erhalten
Von unserem Redakteur Winfried Leiprecht
Unterstützt von der Stadt und mehreren Firmen hatte das Bürgerforum Altstadt die Studenten im November zu einem Workshop eingeladen. Daraus entstanden die Arbeiten, die am Samstag präsentiert wurden. Hatten die Studenten im November dazu tendiert, im Postareal "tabula rasa" zu machen und alles abzureißen, gab es jetzt eine Überraschung: Alle Entwürfe sehen den Erhalt der alten Post vor. Vier Studentengruppen würden auch die frühere Bäckerei Dörflinger (Ecke Georgstraße) stehen lassen, drei Gruppen sogar das Haus daneben.
Knotenamt spielt keine Rolle
Im Oktober hatte Architekt Volker Petzold eine Studie zu dem Quartier vorgelegt. Auch er hielt die Post und die Bäckerei für erhaltenswert. Das von ihm daneben für interessant erachtete Fernknotenamt (Richtung Busbahnhof) spielt in keiner der Studentenarbeiten eine Rolle. Genauso wenig der frühere "Deutsche Kaiser".
Alle Entwürfe gehen von einem großen Innenhof in der Mitte des Areals aus. Was um ihn herum gebaut werden kann, darüber gehen die Vorstellungen auseinander. Sie reichen von kleineren Gebäuden, die sich an die Form der Altbauten anlehnen, bis zu kühnen neuen Komplexen mit großen Glasfassaden. Die Studenten richteten den Blick über die engen Grenzen des Postareals hinaus. Ein Entwurf sieht ein Hochhaus neben dem Bahnhof vor. Andere wollen das Gelände beiderseits der Gleise bis zur Deisenfangbrücke als große Park- und Sportlandschaft entwickeln.
Die künftige Nutzung des Postareals spielte in den Arbeiten eine nachrangige Rolle. Sie gingen von einem Kultur- und Medienzentrum mit hoher Publikumsfrequenz aus. Gisela Müller (SPD) wollte von den Hochschullehrern wissen, ob Gedanken an eine "prozesshafte Nutzung" gegen den Verkauf an nur einen Investor sprechen. Die Antwort der Professoren: Grundproblem sei, einen aus Einzelhäusern bestehenden Block als Einheit darzustellen. Mehrere Architekten sollten sich nicht unabhängig voneinander ans Werk machen. Gefragt sei ein "robustes Rahmenkonzept".
Einen Farbtupfer brachte die Ravensburger Schule für Gestaltung mit eigenen Entwurf in die Diskussion: Alle Gebäude, so der Vorschlag, sollen stehen bleiben. Initiativen und Existenzgründer sollten für ein halbes Jahr mietfrei einziehen dürfen. Dr. Dietmar Hawran, Sprecher des Altstadtforums, findet das Konzept revolutionär, aber nicht abwegig. In der Halle der früheren Maschinenfabrik habe Ähnliches funktioniert.
Vergeben wurde am Samstag im Studentenwettbewerb der Architektur-, aber noch nicht der Medienpreis. In der Wertung waren nur die Stuttgarter Entwürfe. Das Preisgericht fand zwei Entwürfe so wegweisend, dass es den mit 1000 Euro dotierten ersten Preis teilte: Ihn erhalten zu gleichen Teilen die beiden Koreanerinnen Hyun Hwe Lee und Yeon-Ug Jung sowie Hyo Ko Park und Anita Bragic.
(Erschienen: 13.02.2006 00:15)
Von unserem Redakteur Winfried Leiprecht
Unterstützt von der Stadt und mehreren Firmen hatte das Bürgerforum Altstadt die Studenten im November zu einem Workshop eingeladen. Daraus entstanden die Arbeiten, die am Samstag präsentiert wurden. Hatten die Studenten im November dazu tendiert, im Postareal "tabula rasa" zu machen und alles abzureißen, gab es jetzt eine Überraschung: Alle Entwürfe sehen den Erhalt der alten Post vor. Vier Studentengruppen würden auch die frühere Bäckerei Dörflinger (Ecke Georgstraße) stehen lassen, drei Gruppen sogar das Haus daneben.
Knotenamt spielt keine Rolle
Im Oktober hatte Architekt Volker Petzold eine Studie zu dem Quartier vorgelegt. Auch er hielt die Post und die Bäckerei für erhaltenswert. Das von ihm daneben für interessant erachtete Fernknotenamt (Richtung Busbahnhof) spielt in keiner der Studentenarbeiten eine Rolle. Genauso wenig der frühere "Deutsche Kaiser".
Alle Entwürfe gehen von einem großen Innenhof in der Mitte des Areals aus. Was um ihn herum gebaut werden kann, darüber gehen die Vorstellungen auseinander. Sie reichen von kleineren Gebäuden, die sich an die Form der Altbauten anlehnen, bis zu kühnen neuen Komplexen mit großen Glasfassaden. Die Studenten richteten den Blick über die engen Grenzen des Postareals hinaus. Ein Entwurf sieht ein Hochhaus neben dem Bahnhof vor. Andere wollen das Gelände beiderseits der Gleise bis zur Deisenfangbrücke als große Park- und Sportlandschaft entwickeln.
Die künftige Nutzung des Postareals spielte in den Arbeiten eine nachrangige Rolle. Sie gingen von einem Kultur- und Medienzentrum mit hoher Publikumsfrequenz aus. Gisela Müller (SPD) wollte von den Hochschullehrern wissen, ob Gedanken an eine "prozesshafte Nutzung" gegen den Verkauf an nur einen Investor sprechen. Die Antwort der Professoren: Grundproblem sei, einen aus Einzelhäusern bestehenden Block als Einheit darzustellen. Mehrere Architekten sollten sich nicht unabhängig voneinander ans Werk machen. Gefragt sei ein "robustes Rahmenkonzept".
Einen Farbtupfer brachte die Ravensburger Schule für Gestaltung mit eigenen Entwurf in die Diskussion: Alle Gebäude, so der Vorschlag, sollen stehen bleiben. Initiativen und Existenzgründer sollten für ein halbes Jahr mietfrei einziehen dürfen. Dr. Dietmar Hawran, Sprecher des Altstadtforums, findet das Konzept revolutionär, aber nicht abwegig. In der Halle der früheren Maschinenfabrik habe Ähnliches funktioniert.
Vergeben wurde am Samstag im Studentenwettbewerb der Architektur-, aber noch nicht der Medienpreis. In der Wertung waren nur die Stuttgarter Entwürfe. Das Preisgericht fand zwei Entwürfe so wegweisend, dass es den mit 1000 Euro dotierten ersten Preis teilte: Ihn erhalten zu gleichen Teilen die beiden Koreanerinnen Hyun Hwe Lee und Yeon-Ug Jung sowie Hyo Ko Park und Anita Bragic.
(Erschienen: 13.02.2006 00:15)
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