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Das Mittelalter war hart und grausam

Das Mittelalter war hart und grausam
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ELLWANGEN / sz Das Mittelalterspektakel ist eine runde Sache: Gaukler, Krämer, Ritter und viel anderes Volk zeigen das Mittelalter von seinen besten Zeiten. Doch tatsächlich war es alles andere als schön und bunt. Das Leben war hart, grausam und manchmal auch unfair.

Von unserem Redakteur  David Oliver Betz

Das Ellwanger Spektakel ist eine Augenweide: Gewandete Burgfräulein, Ritter und Handwerker, so weit das Auge reicht. Es duftet nach Seifen, nach allerlei leckeren Speisen, nach Süßigkeiten und Lagerfeuern. Doch im Mittelalter war das ganz gewiss nicht so. Die Waffenbrüder zur Burgekh aus dem Allgäu wissen das. „Es gab ja keine Kanalisation, da hat es schon gerochen. Und gebadet wurde auch nicht so oft“, weiß Fabienne Thoma. Ritter Oswin Glöckler ergänzt: „Da hatte jeder sein ganz eigenes Parfüm, es roch halt nach Mensch.“

Auch die Ernährung war damals nicht so ausgewogen wie heute. Das Rothenburger Aufgebot weiß das. „Fleisch konnte man nur durch Trocknen, Räuchern und Einsalzen haltbar machen. Aber Salz war teuer und für die einfachen Leute quasi nicht erschwinglich“, sagt Mathias Grüner, der Vorsitzender des Aufgebots. Auch waren die Speiseangebote begrenzt. „Kartoffeln und Tomaten gab es nicht“, erklärt er. Ebenso wenig Mais. Fleisch war eher die Ausnahme, denn jagen durfte nur der Adel, und so gab es Fleisch nur an Feiertagen, wenn überhaupt.

Aber auch die Jagd war damals anders als heute. Das weiß Falkner Volker Roth, der mit zwei Falken und einem Uhu zu den Höhepunkten des Festes zählt. Denn ohne Flinte wurde früher hauptsächlich mit Greifvögeln gejagt, was Roth eindrucksvoll bei seinen Vorführungen zeigt. Außerdem ging man laut Roth mit Fallen, Netzen und Hunden auf Jagd. Mit Pfeil und Bogen haben wohl wenige Leute ihren Hasenbraten erlegt. Auch was das Fleisch angeht, hat man durch Ritterfilme falsche Vorstellungen. Die krosse Wildsau, das herrliche Spanferkel, der Ochs am Spieß – von wegen! Auf Amsel, Drossel, Krähen und Reiher hatten es die Jäger abgesehen. „Man hat einfach alles gegessen, was man erwischen konnte“, weiß Falkner Roth.

Auch die Medizin war im Mittelalter noch in ihren Kinderschuhen, erzählt der Rothenburger Grüner. „Erst Ende des 15. Jahrhunderts haben sich ja die ersten Menschen getraut, Gräber zu schänden und den menschlichen Körper genauer zu untersuchen. Davor basierte im Grunde alles auf dem Wissen der alten Griechen.“ Doch nicht nur das. Die Kräuterkundigen waren dünn gesät, wohl dem, der ein Kloster in der Nähe hatte, wo wenigstens ein bisschen was über Heilpflanzen bekannt war.

(Erschienen: 04.06.2010 21:20)

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