Daniela Chaloun-Brandt führt als Bettlerin durch Ulm
Die Stadtführerin kommt im historischen Kostüm einer "privilegierten Bettlerin". Sie trägt mehrere braune Fetzen übereinander, an der Schulter das "Heilige Blechle" der Stadt Ulm. "Das Heilige Blechle", das das Ulmer Wappen abbildete, besaßen nur diejenigen, die die Stadt als "bedürftig" eingestuft hatte. Frauen trugen es aufgenäht auf der Schulter, Männer am Hut. "Mit dem Heiligen Blechle hatten die Menschen Anrecht auf das Almosen der Stadt, das ,reiche Almosen'", erklärt die historische Bettlerin.
Forschung läuft seit zwei Jahren
Die Stadtführung zeigt die alte Reichsstadt mal von ganz unten. Auf dem Münsterplatz erfahren die zwölf Teilnehmer, dass das Almosen einmal pro Woche im Barfüßer-Kloster ausgegeben wurde, also dort, wo heute das Stadthaus steht. Es gab eines für die Bürger der Stadt mit dem "Heiligen Blechle" und ein anderes für Fremde und Nicht-Bürger.
Seit zwei Jahren forschen Daniela Chaloun-Brandt und Gudrun Litz aus dem Stadtarchiv zum Thema. Sie haben herausgefunden, dass 1528 die Armutsgrenze in Ulm bei drei Schillingen lag. Wer nur zwei Schilling verdiente, bekam einen Schilling von der Stadt hinzu, ansonsten bestand die milde Gabe aus Lebensmitteln. Ulm war "fürsorglicher als andere Städte wie etwa Nürnberg, Augsburg oder Straßburg", sagt Daniela Chaloun-Brandt.
Reiche erwarben Seelenheil
Allerdings habe sich das Klima für Bettler über die Jahrhunderte immer mehr verschlechtert. "Noch im 13. Jahrhundert war das Betteln ein anerkannter Beruf. Niemand hatte etwas gegen Bettler. Als Reicher konnte man sich sogar Seelenheil erwerben, wenn man ihnen etwas gab", erklärt sie die Mentalität des Mittelalters. Ab dem 14. Jahrhundert wurden Bettler zunehmend als "faul" angefeindet, 1382 führte Ulm schließlich die ersten Strafen für Menschen ein, die auf der Straße um Gaben bettelten.
Vor dem Wohnhaus von Münsterpfarrer Konrad Dieterich erzählt die Führerin, dass dieser ranghohe Geistliche den Bettlern vorwarf, im Münster mit ihren körperlichen Leiden schwangere Frauen zu erschrecken. Sie hat viele schaurige und traurige Geschichten parat, alles gut recherchiert.
Weitere Stationen sind das ehemalige Gelände des Heiliggeistspitals - Unterkunft für Pilger, Arme, Langzeitkranke - und die Straße "In der Höll", wo sich das Waisenhaus befand. Wer weiß schon, dass dort Albrecht Ludwig Berblinger, der "Schneider von Ulm" aufwuchs? Er konnte das Schneidern erlernen, da die Stadt ab 1492 benachteiligte Kinder förderte - allerdings nur die Jungen. Buben unter 14 Jahren mussten in die Schule und später in eine Handwerkerlehre.
Führung endet mit einem Essen
Vielleicht das Schlimmste, was einem Bettler in Ulm passieren konnte, war es, bei Zwangsarbeit im "Arbeits- und Zuchthaus" zu landen. Die Führung endet mit einer "Armenspeisung", derzeit in den "Drei Kannen".
(Erschienen: 28.07.2008 00:07)
Die Stadtführerin kommt im historischen Kostüm einer "privilegierten Bettlerin". Sie trägt mehrere braune Fetzen übereinander, an der Schulter das "Heilige Blechle" der Stadt Ulm. "Das Heilige Blechle", das das Ulmer Wappen abbildete, besaßen nur diejenigen, die die Stadt als "bedürftig" eingestuft hatte. Frauen trugen es aufgenäht auf der Schulter, Männer am Hut. "Mit dem Heiligen Blechle hatten die Menschen Anrecht auf das Almosen der Stadt, das ,reiche Almosen'", erklärt die historische Bettlerin.
Forschung läuft seit zwei Jahren
Die Stadtführung zeigt die alte Reichsstadt mal von ganz unten. Auf dem Münsterplatz erfahren die zwölf Teilnehmer, dass das Almosen einmal pro Woche im Barfüßer-Kloster ausgegeben wurde, also dort, wo heute das Stadthaus steht. Es gab eines für die Bürger der Stadt mit dem "Heiligen Blechle" und ein anderes für Fremde und Nicht-Bürger.
Seit zwei Jahren forschen Daniela Chaloun-Brandt und Gudrun Litz aus dem Stadtarchiv zum Thema. Sie haben herausgefunden, dass 1528 die Armutsgrenze in Ulm bei drei Schillingen lag. Wer nur zwei Schilling verdiente, bekam einen Schilling von der Stadt hinzu, ansonsten bestand die milde Gabe aus Lebensmitteln. Ulm war "fürsorglicher als andere Städte wie etwa Nürnberg, Augsburg oder Straßburg", sagt Daniela Chaloun-Brandt.
Reiche erwarben Seelenheil
Allerdings habe sich das Klima für Bettler über die Jahrhunderte immer mehr verschlechtert. "Noch im 13. Jahrhundert war das Betteln ein anerkannter Beruf. Niemand hatte etwas gegen Bettler. Als Reicher konnte man sich sogar Seelenheil erwerben, wenn man ihnen etwas gab", erklärt sie die Mentalität des Mittelalters. Ab dem 14. Jahrhundert wurden Bettler zunehmend als "faul" angefeindet, 1382 führte Ulm schließlich die ersten Strafen für Menschen ein, die auf der Straße um Gaben bettelten.
Vor dem Wohnhaus von Münsterpfarrer Konrad Dieterich erzählt die Führerin, dass dieser ranghohe Geistliche den Bettlern vorwarf, im Münster mit ihren körperlichen Leiden schwangere Frauen zu erschrecken. Sie hat viele schaurige und traurige Geschichten parat, alles gut recherchiert.
Weitere Stationen sind das ehemalige Gelände des Heiliggeistspitals - Unterkunft für Pilger, Arme, Langzeitkranke - und die Straße "In der Höll", wo sich das Waisenhaus befand. Wer weiß schon, dass dort Albrecht Ludwig Berblinger, der "Schneider von Ulm" aufwuchs? Er konnte das Schneidern erlernen, da die Stadt ab 1492 benachteiligte Kinder förderte - allerdings nur die Jungen. Buben unter 14 Jahren mussten in die Schule und später in eine Handwerkerlehre.
Führung endet mit einem Essen
Vielleicht das Schlimmste, was einem Bettler in Ulm passieren konnte, war es, bei Zwangsarbeit im "Arbeits- und Zuchthaus" zu landen. Die Führung endet mit einer "Armenspeisung", derzeit in den "Drei Kannen".
(Erschienen: 28.07.2008 00:07)
Die letzten Leserkommentare






























































