DFB-Chef will Anwalt des kleinen Fußballs sein
Das soziale Engagement des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu stärken und mit wohltätigen Initiativen die gesellschaftlichen Aufgaben des Sports zu erfüllen, hat sich der 61-Jährige zum Programm gemacht.
Mehr als je zuvor in seiner Laufbahn als Fußball-Funktionär wird Zwanziger nach der bevorstehenden Wahl zum DFB-Chef beim Bundestag in Frankfurt/Main jedoch auch den Profibereich im Blick haben müssen. Der promovierte Jurist - bislang Geschäftsführender Präsident - verspricht, ein Mann des Dialogs zu bleiben: «Du darfst nie Zement anrühren. Du musst immer versuchen, einen Ausgleich zu erzielen», sagte Zwanziger in einem Interview der dpa.
Mit dem schon vor zwei Jahren beim Bundestag von Osnabrück beschlossenen Ende der Doppelspitze und dem Abschied von Gerhard Mayer-Vorfelder vom höchsten Posten bekommt der DFB wieder einen Präsidenten, der sich durch die Hierarchien des Amateurfußballs nach oben gearbeitet hat. Die Vertreter der Amateur-Verbände hievten ihn vor zwei Jahren mit dem Komplott von Barsinghausen letztlich ins Amt an der Seite von Mayer-Vorfelder. Dennoch bezeichnet Zwanziger den Leistungssport als Lokomotive und Nummer 1 und beteuert seine gute Kooperation mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) und deren Chef Werner Hackmann.
Den Aufstieg zur Führungsfigur des größten Sportfachverbandes der Welt war für Zwanziger nach eigener Aussage aber nie ein Lebensziel. «Ich habe nicht mit 20 Jahren gedacht, ich könnte dieses oder jenes werden.» Erst in den 90er Jahren habe ihn sein Förderer und Amtsvorgänger Egidius Braun an die DFB-Arbeit herangeführt. Startschuss für die Karriere war ein Treffen mit Braun bei einem Jagdausflug in der Eifel.
Aufgaben warten auf den früheren Spielmacher des VfL Altendiez genug. Ob Regionalliga-Reform oder Schuhstreit mit den Nationalspielern: Auch in den Tagen kurz vor dem Bundestag musste Zwanziger an verschiedenen Fronten als Vermittler ran. Als Geschäftsführender Präsident managte er auch die Krisenzeit des Wett- und Manipulationsskandals um Schiedsrichter Robert Hoyzer im Vorjahr mit Erfolg.
Dabei will der frühere Koblenzer Regierungspräsident in der alltäglichen Arbeit in der DFB-Zentrale kein Ober-Guru sein. «Natürlich werde ich fragen, ob es klappt, aber ich werde nicht jeden Brief, der an der Verwaltung aufläuft, kontrollieren», sagte der ehemalige rheinland-pfälzische CDU-Landtagsabgeordnete.
Zwei wesentliche Bereiche hat Zwanziger für eine funktionierende Verbandsarbeit ausgemacht: «Die Nationalmannschaft und die Nachwuchsarbeit müssen stimmen.» Da mit dem WM-Boom und angesichts vieler neuer Talente die Strukturen dort momentan gerichtet scheinen, will sich Zwanziger vermehrt um die sozialen Aktivitäten des DFB, gerade beim Mädchenfußball und der Integration von Ausländern kümmern. «Das ist nichts, was man mit Sprechblasen machen kann. Da muss man über Jahre hinweg Kraft einsetzen.»
Wie lange er als zehnter DFB-Präsident fungieren will, lässt Zwanziger überraschend offen. «Ich plane überhaupt nicht. Wenn ich es machen darf, bin ich dankbar. Es ist immer die Frage, bleibst Du gesund, kommst du mit den Leuten klar, und dann wird es sich zeigen.»
Auch das dem DFB-Präsidenten quasi zustehende Aufrücken in die Exekutive der Europäischen Fußball-Union (UEFA) - als Nachfolger des dort bis 2009 gewählten Mayer-Vorfelder - will er nicht öffentlich einfordern. «Wenn sie nach meinen Neigungen fragen: Für mich ist es faszinierend, was wir in Deutschland machen, wo wir Entwicklungen in Gang setzen, wo ich Bewusstsein entwicklen will. Ich bräuchte keine persönliche Aufgabe, um meinen Ehrgeiz zu befriedigen.»
(Erschienen: 04.09.2006 13:55)
Das soziale Engagement des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu stärken und mit wohltätigen Initiativen die gesellschaftlichen Aufgaben des Sports zu erfüllen, hat sich der 61-Jährige zum Programm gemacht.
Mehr als je zuvor in seiner Laufbahn als Fußball-Funktionär wird Zwanziger nach der bevorstehenden Wahl zum DFB-Chef beim Bundestag in Frankfurt/Main jedoch auch den Profibereich im Blick haben müssen. Der promovierte Jurist - bislang Geschäftsführender Präsident - verspricht, ein Mann des Dialogs zu bleiben: «Du darfst nie Zement anrühren. Du musst immer versuchen, einen Ausgleich zu erzielen», sagte Zwanziger in einem Interview der dpa.
Mit dem schon vor zwei Jahren beim Bundestag von Osnabrück beschlossenen Ende der Doppelspitze und dem Abschied von Gerhard Mayer-Vorfelder vom höchsten Posten bekommt der DFB wieder einen Präsidenten, der sich durch die Hierarchien des Amateurfußballs nach oben gearbeitet hat. Die Vertreter der Amateur-Verbände hievten ihn vor zwei Jahren mit dem Komplott von Barsinghausen letztlich ins Amt an der Seite von Mayer-Vorfelder. Dennoch bezeichnet Zwanziger den Leistungssport als Lokomotive und Nummer 1 und beteuert seine gute Kooperation mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) und deren Chef Werner Hackmann.
Den Aufstieg zur Führungsfigur des größten Sportfachverbandes der Welt war für Zwanziger nach eigener Aussage aber nie ein Lebensziel. «Ich habe nicht mit 20 Jahren gedacht, ich könnte dieses oder jenes werden.» Erst in den 90er Jahren habe ihn sein Förderer und Amtsvorgänger Egidius Braun an die DFB-Arbeit herangeführt. Startschuss für die Karriere war ein Treffen mit Braun bei einem Jagdausflug in der Eifel.
Aufgaben warten auf den früheren Spielmacher des VfL Altendiez genug. Ob Regionalliga-Reform oder Schuhstreit mit den Nationalspielern: Auch in den Tagen kurz vor dem Bundestag musste Zwanziger an verschiedenen Fronten als Vermittler ran. Als Geschäftsführender Präsident managte er auch die Krisenzeit des Wett- und Manipulationsskandals um Schiedsrichter Robert Hoyzer im Vorjahr mit Erfolg.
Dabei will der frühere Koblenzer Regierungspräsident in der alltäglichen Arbeit in der DFB-Zentrale kein Ober-Guru sein. «Natürlich werde ich fragen, ob es klappt, aber ich werde nicht jeden Brief, der an der Verwaltung aufläuft, kontrollieren», sagte der ehemalige rheinland-pfälzische CDU-Landtagsabgeordnete.
Zwei wesentliche Bereiche hat Zwanziger für eine funktionierende Verbandsarbeit ausgemacht: «Die Nationalmannschaft und die Nachwuchsarbeit müssen stimmen.» Da mit dem WM-Boom und angesichts vieler neuer Talente die Strukturen dort momentan gerichtet scheinen, will sich Zwanziger vermehrt um die sozialen Aktivitäten des DFB, gerade beim Mädchenfußball und der Integration von Ausländern kümmern. «Das ist nichts, was man mit Sprechblasen machen kann. Da muss man über Jahre hinweg Kraft einsetzen.»
Wie lange er als zehnter DFB-Präsident fungieren will, lässt Zwanziger überraschend offen. «Ich plane überhaupt nicht. Wenn ich es machen darf, bin ich dankbar. Es ist immer die Frage, bleibst Du gesund, kommst du mit den Leuten klar, und dann wird es sich zeigen.»
Auch das dem DFB-Präsidenten quasi zustehende Aufrücken in die Exekutive der Europäischen Fußball-Union (UEFA) - als Nachfolger des dort bis 2009 gewählten Mayer-Vorfelder - will er nicht öffentlich einfordern. «Wenn sie nach meinen Neigungen fragen: Für mich ist es faszinierend, was wir in Deutschland machen, wo wir Entwicklungen in Gang setzen, wo ich Bewusstsein entwicklen will. Ich bräuchte keine persönliche Aufgabe, um meinen Ehrgeiz zu befriedigen.»
(Erschienen: 04.09.2006 13:55)
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