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Braig bringt die Kugel: Tambourstab fliegt wieder

BIBERACH - Bis nach Südtirol ist Alfred Braig gereist, um die WG-Trommler besser auszustatten: Dort formte ihm ein Metalldrückerei-Meister eine Kugel für den Tambourstab. Zuvor hatte Braig drei Jahre lang jemanden gesucht, der solch alte Handwerkskunst noch kann. Jetzt gibt es einen Tambourstab mit idealen Flugeigenschaften, der an Schützen eifrig Saltos drehen wird.

"Warum werfen die das Ding nicht mehr gescheit?" Jahrelang stand Alfred Braig beim Schützenumzug am Straßenrand und musterte kopfschüttelnd die WG-Trommler. Seine einstige Truppe ist das, in der er 1966 als Tambourmajor den Takt angegeben hat. Dann ging dem Biberacher Zahnarzt und Gemeinderat ein Licht auf: Die Kugel war an allem schuld. Jene Metallkugel, die unten am Stab des Tambourmajors montiert ist. Sie entscheidet über die Flugeigenschaften des etwa einen Meter langen, mit blau-gelben Kordeln verzierten Stabs. An ihr liegt es, dass der Tambourmajor den Stab zu zwei- und dreifachen Saltos durch die Luft schleudern kann - oder eben nicht.

"Es gibt heute keinen mehr, der diese Kugeln so herstellt, wie ich sie von früher kenne", erzählt Alfred Braig. Er hat damals schon in den Wintermonaten daheim im Garten mit Wurfübungen begonnen. Die Kugeln an seinen Stäben waren nicht ganz rund, eher ein wenig flach gequetscht. Man konnte sie aufschrauben und mit Sand füllen. Gramm für Gramm und ganz individuell. Mit Experimenten wurde getüftelt, bis die Flugeigenschaften optimal waren.

"Ich weiß heute in ganz Deutschland nur noch einen Hersteller von Tambourstäben - und die sind zu schwer, die Kugeln zu rund und zu groß. Die fliegen einfach schlecht." Deswegen machte Fred Braig sich auf die Suche. Traf in Bad Schussenried den Sohn jenes Mannes, der ihm einst seinen Stab gedrechselt hatte. Fahndete in ganz Deutschland weiter nach einem Handwerker, der die so eigentümlich verformte Metallkugel herstellen kann, mitsamt ihrem Schaft zur Befestigung am Stab - doch drei Jahre lang fand er niemanden.

Bis er im Internet auf den Sepp stieß, Sepp Oberrauch, der im Südtiroler Städtchen Brixen gemeinsam mit einem zweiten Meister die "Erste Südtiroler Metalldrückerei" betreibt, bei der man beispielsweise Weihrauch-Kessel bekommt. "Das mach i dir, hat er mir am Telefon gleich gesagt", erzählt Braig. Das war am Donnerstag. Tags darauf saß Braig schon im Auto und tüftelte den gesamten Freitagnachmittag mit Sepp Oberrauch in Brixen an der idealen Kugel für die WG-Trommler.

"Als Vorlage nahmen wir die Kugel meines Tambourstabs. Die hatte eini-ges hinter sich, weil ich den Stab noch Jahre später verliehen habe, wenn Not am Mann war. Dabei ist der Stab irgendwann zu Bruch gegangen", erzählt Braig. Doch auch die Fragmente reichten, um daraus das Modell zu entwickeln. Das ist das Negativ, der feste Innenkörper, um den herum später die Kugel geformt wird.

Ein Messingrohr muss her

Zweites Problem: das Messingrohr für den Schaft, Durchmesser zweieinhalb Zentimeter, Metalldicke ein halber Millimeter. Meister Sepp hatte ausrichten lassen: "Das kriege ich in ganz Italien nicht." Braig, zurück in Biberach, telefonierte sich wieder durch ganz Deutschland. Und hörte überall nur: "Wollen Sie zwei oder drei Tonnen kaufen?" Rettung in der Not war der Verkäufer einer Biberacher Eisenwarenhandlung, der sechs Meter als Beilieferung orderte und in handliche Stücke zersägte. Braig holte die fertigen Kugeln persönlich in Brixen ab. Und reichte sie weiter an KaVo, wo man sie polierte und in der Galvanik verchromte.

Gleich zwei Tambourstäbe hat Braig den diesjährigen WG-Trommlern jetzt gestiftet - "sind ja Verschleißteile." Auch die Feuerwehr hat von Braig Stäbe bekommen. Und nachbestellen kann man jetzt auch wieder. Kosten? Da winkt Braig nur ab.

Der Nachwuchs ist begeistert

Michael Fürgut sorgt dieses Jahr für den Takt bei den WG-Trommlern und ist begeistert von der Sonderanfertigung. "Diesen Stab kann man viel besser für den Flug beschleunigen", lobt er. "Er dreht gut und kommt mit dem Gewicht voran runter, so dass man ihn leichter fangen kann." Das Wurftraining für Schützen läuft bestens. Die PG-Trommlerinnen, die nebenan auf dem Liebherr-Parkplatz üben, hätten sich das gute Stück schon zu gern mal ausgeliehen.

(Erschienen: 20.06.2008 00:06)

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