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Bei brutalen Spielen geht's in der Schule bergab

Wilhelmsdorf / sz "Zu viel Medienkonsum macht Kinder dick, krank, dumm und traurig", sagt Professor Christian Pfeiffer. Der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen sprach bei der Herbsttagung der Gotthilf-Vöhringer-Schule in Wilhelmsdorf über den Zusammenhang von Schulversagen und Computerspielen.

Professor Pfeiffer beginnt beim Pisatest und den Schulversagern: Er spricht von der "klaren Dominanz der Mädchen bei Spitzenleistungen" auf der einen Seite, vom "Leistungstief der jungen Männer" auf der anderen. Die Ursache liege im unterschiedlichen Medienkonsum der Geschlechter. Studien hätten gezeigt, dass viel mehr Jungen als Mädchen eine eigene Playstation besitzen, weiß der Professor.

Beim Medienkonsum spiele auch das Bildungsniveau der Eltern eine Rolle, sagt Pfeiffer: Zehnjährige Jungen, deren Eltern beide Abitur haben, würden im Schnitt eine Stunde am Tag vor dem Fernseher oder vor Computerspielen verbringen. Bei zehnjährigen Jungen, deren Eltern Hauptschulabschluss haben, seien es im Schnitt drei Stunden. Zum einen fehle den Kindern die Zeit zum Lernen und zum Hausaufgabenmachen. Zum andern stellt der Professor fest: "Je brutaler die Inhalte, desto schlechter die Schulnoten." Denn je intensiver eine Information mit Gefühlen verbunden sei, desto besser bleibe sie im Gedächtnis haften. Gewaltspiele blockierten den Kopf nachhaltig, besonders beim Lernen.

"In Computerspielen selber Gewalt anzuwenden wirkt sich schlimmer auf die Schulnoten aus, als passiv Gewaltfilme zu konsumieren", sagt Pfeiffer. "World of Warcraft ist der schlimmste Leistungskiller in Deutschland."

Ob Computerspiele die Jugendlichen auch gewalttätig machten, will ein Zuhörer wissen. "Man wird nicht zum Amokläufer, weil man am Computer spielt", antwortet der Professor. Ohnmächtiger Hass entstehe nicht am Computer, sondern im realen Leben. Aber: "Wenn jemand Wut hat und zuschlagen will, dann könnte Mitleid ihn noch bremsen." Ständiges Computerspielen jedoch vermindere das Mitleid. Die US-amerikanische Armee nutze ähnliche "Killerspiele", um die Tötungsfähigkeit ihrer Soldaten zu steigern.

Pfeiffers Fazit: keine Bildschirmgeräte in Kinderzimmern. Jugendlichen sollten die Eltern das Spielen am Computer nicht verbieten - das sei "eine pädagogische Dummheit" und würde die Sache nur noch interessanter machen. Stattdessen müsse man die langweiligen Nachmittage vor allem der Jungen mit Herausforderungen wie Höhlenerkundungen, Bungee-Springen, Sport oder Musikunterricht füllen. Eltern mit niedrigem Einkommen könnten das nicht leisten. Deshalb plädiert Pfeiffer für eine Ganztagsschule, die am Nachmittag mit kreativen Angeboten "Lust auf Leben" weckt. Um die schulischen Leistungen von Kindern und Jugendlichen zu steigern, setzt der Direktor des kriminologischen Instituts auf ein Beispiel aus den USA: Dort hat er Schulen kennengelernt, die anstelle des herkömmlichen Sportunterrichts gezieltes Fitness-Training anbieten. Die Bewegung am Vormittag steigere die Hirndurchblutung und die Konzentration in der Schule. Der positive Zusatzeffekt: "Bewegung fördert die Hirnentwicklung stärker als alles andere", sagt der Professor. Er arbeitet daran, ähnliche Schulkonzepte in Bayern und Niedersachsen zu entwickeln.

Rund um den Vortrag des Professors hat die Schülerband "Relax" aus der Haslachmühle gezeigt, dass kreative Betätigung nicht nur pädagogisch wertvoll ist, sondern Musikern und Zuhörern auch viel Spaß macht.

Von unserer Mitarbeiterin
Elke Oberländer

(Erschienen: 20.10.2009 19:20)

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