BAP ist, wenn die Band brennt
SZ-Redakteur Herbert Beck hatte den Künstler und Musiker auf einer Afrika-Reise kennen gelernt und ihn in die Reihe „SZ-Forum“ eingeladen. Und von seinem Afrika-Engagement beginnt Niedecken zu erzählen, nachdem er das mit dem Preis erklärt hat. Den werde er annehmen, den haben schon andere Größen bekommen, die weder etwas mit Fernsehköchen noch mit Dieter Bohlen zu tun hätten. Die Nummer von Reich-Ranicki, den Deutschen Fernsehpreis abzulehnen, findet bei Niedecken Zustimmung, weil „wir keine Populisten brauchen, sondern Bildung und verantwortungsvolle Medien.“
In Afrika engagiert sich der Kölner zusammen mit Bundespräsident Horst Köhler. Afrika komme zu selten in den Medien vor, finde nur Platz in den Zeitungen und bleibe den meisten Menschen verschlossen. Voll von den Erlebnissen in Uganda schildert Niedecken seine Eindrücke, erzählt von den 8 bis 15 jährigen Kindersoldaten und den jungen Mädchen, die, vergewaltigt von den Milizenführern, eine traumatische Vergangenheit haben. „Bitte vergessen Sie uns nicht“, habe ein kleines Mädchen ihm gesagt. Vergessen wird Wolfgang Niedecken das nie. Beeindruckend und ergreifend schildert der Musiker seine Arbeit und von der Reise mit Horst Köhler. Für dessen Engagement für Afrika „hat er meine ewige Loyalität“. Ob er ihn auch wiedergewählt sehen wolle, beantwortet er mit einem deutlichen „Ja“. Dass sich die SPD in ihrem jetzigen Zustand damit noch beschäftige, könne er nicht verstehen, sagt er und spricht damit die Kandidatur Gesine Schwans an.
Niedeckens Meinung zur derzeitigen Finanzkrise will Joachim Umbach kennen lernen. Der Musiker outet sich als Nicht-Wirtschaftsexperte, schließt aber mit deutlichen Worten: „In Europa muss das kriminelle Potential, das hinter der Finanzkrise steckt, kontrolliert werden, sonst klappt die europäische Idee nicht. Es ist schon denkwürdig, dass ein kleiner Ladendieb vorbestraft ist und so welchen jetzt der Arsch gerettet werden soll“.
Die Fragerunde weitet sich auf das Publikum aus und das will in erster Linie wissen, wie es mit BAP weitergeht und was die ehemaligen Bandmitglieder machen. Die jetzige Bandbesetzung spiele seit zehn Jahren zusammen, das habe es zuvor nie gegeben. „Reisende muss man reisen lassen“, spielt der BAP-Mann auf die Streitigkeiten und die Vergangenheit der Kölner Band an. Er verrät, dass das nächste Konzert in unserer Region am 9. Juli 2009 in Meersburg stattfindet, Sabine Becker, so ist später am Rande zu erfahren, hatte als gebürtige Kölnerin die Band eingeladen. Er erzählt aber auch von dem Geist, der in der Band steckt, die kein Comeback feiert, weil sie niemals weg war. „BAP ist, wenn wir gemeinsam Songs spielen, die wir gemeinsam ausgedacht haben und die Band brennt“.
Und dann greift er zur Gitarre. Vier Songs spielt er im Graf Zeppelin Haus und bekommt Beifall, der für ein ganzes Konzert reichen würde. Niedecken hinterlässt Vorfreude auf die kommende Tour, macht neugierig auf die hunderten Bands, die wegen der Machenschaften des Musikmarktes nie zu hören sein werden, außer in Konzerten und macht die Medien, wie VIVA und Co., verantwortlich für die angebliche Kritiklosigkeit der Jugendlichen. „Das ist doch nicht mehr die Alternative zu MTV, sondern ein Klingelton-Werbesender“.
Wolfgang Niedecken gibt Autogramme, spricht mit den Gästen und strahlt aus. Ein Vollblut-Rockmusiker eben, wie es neben ihm nur wenige gibt.
(Erschienen: 17.10.2008 01:20)
SZ-Redakteur Herbert Beck hatte den Künstler und Musiker auf einer Afrika-Reise kennen gelernt und ihn in die Reihe „SZ-Forum“ eingeladen. Und von seinem Afrika-Engagement beginnt Niedecken zu erzählen, nachdem er das mit dem Preis erklärt hat. Den werde er annehmen, den haben schon andere Größen bekommen, die weder etwas mit Fernsehköchen noch mit Dieter Bohlen zu tun hätten. Die Nummer von Reich-Ranicki, den Deutschen Fernsehpreis abzulehnen, findet bei Niedecken Zustimmung, weil „wir keine Populisten brauchen, sondern Bildung und verantwortungsvolle Medien.“
In Afrika engagiert sich der Kölner zusammen mit Bundespräsident Horst Köhler. Afrika komme zu selten in den Medien vor, finde nur Platz in den Zeitungen und bleibe den meisten Menschen verschlossen. Voll von den Erlebnissen in Uganda schildert Niedecken seine Eindrücke, erzählt von den 8 bis 15 jährigen Kindersoldaten und den jungen Mädchen, die, vergewaltigt von den Milizenführern, eine traumatische Vergangenheit haben. „Bitte vergessen Sie uns nicht“, habe ein kleines Mädchen ihm gesagt. Vergessen wird Wolfgang Niedecken das nie. Beeindruckend und ergreifend schildert der Musiker seine Arbeit und von der Reise mit Horst Köhler. Für dessen Engagement für Afrika „hat er meine ewige Loyalität“. Ob er ihn auch wiedergewählt sehen wolle, beantwortet er mit einem deutlichen „Ja“. Dass sich die SPD in ihrem jetzigen Zustand damit noch beschäftige, könne er nicht verstehen, sagt er und spricht damit die Kandidatur Gesine Schwans an.
Niedeckens Meinung zur derzeitigen Finanzkrise will Joachim Umbach kennen lernen. Der Musiker outet sich als Nicht-Wirtschaftsexperte, schließt aber mit deutlichen Worten: „In Europa muss das kriminelle Potential, das hinter der Finanzkrise steckt, kontrolliert werden, sonst klappt die europäische Idee nicht. Es ist schon denkwürdig, dass ein kleiner Ladendieb vorbestraft ist und so welchen jetzt der Arsch gerettet werden soll“.
Die Fragerunde weitet sich auf das Publikum aus und das will in erster Linie wissen, wie es mit BAP weitergeht und was die ehemaligen Bandmitglieder machen. Die jetzige Bandbesetzung spiele seit zehn Jahren zusammen, das habe es zuvor nie gegeben. „Reisende muss man reisen lassen“, spielt der BAP-Mann auf die Streitigkeiten und die Vergangenheit der Kölner Band an. Er verrät, dass das nächste Konzert in unserer Region am 9. Juli 2009 in Meersburg stattfindet, Sabine Becker, so ist später am Rande zu erfahren, hatte als gebürtige Kölnerin die Band eingeladen. Er erzählt aber auch von dem Geist, der in der Band steckt, die kein Comeback feiert, weil sie niemals weg war. „BAP ist, wenn wir gemeinsam Songs spielen, die wir gemeinsam ausgedacht haben und die Band brennt“.
Und dann greift er zur Gitarre. Vier Songs spielt er im Graf Zeppelin Haus und bekommt Beifall, der für ein ganzes Konzert reichen würde. Niedecken hinterlässt Vorfreude auf die kommende Tour, macht neugierig auf die hunderten Bands, die wegen der Machenschaften des Musikmarktes nie zu hören sein werden, außer in Konzerten und macht die Medien, wie VIVA und Co., verantwortlich für die angebliche Kritiklosigkeit der Jugendlichen. „Das ist doch nicht mehr die Alternative zu MTV, sondern ein Klingelton-Werbesender“.
Wolfgang Niedecken gibt Autogramme, spricht mit den Gästen und strahlt aus. Ein Vollblut-Rockmusiker eben, wie es neben ihm nur wenige gibt.
(Erschienen: 17.10.2008 01:20)
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