Alkohol: Wie sich Sucht besiegen lässt
"Ein Gläschen in Ehren..." Was so harmlos klingt, kann zu schwerwiegenden Folgen führen, für den Betroffenen wie für sein Umfeld, wenn der Alkohol zur Abhängigkeit führt. "Sich selbst einzugestehen, dass man alkoholkrank ist, ist häufig ein langer Prozess", erläutert die Suchttherapeutin, Cornelia Reischmann-Walter Die erste Kontaktaufnahme mit der Suchtberatungsstelle ist ein wichtiger Schritt, erfolgt aber meist unter dem Druck von Angehörigen, Arbeitgebern und manchmal über den Hausarzt.
So auch beim 45-jährigen Alfred U., der von seinem Arbeitgeber aufgefordert worden war, Kontakt mit der Suchtberatungsstelle aufzunehmen, nachdem er zweifach mit einer deutlichen Alkoholfahne am Arbeitsplatz aufgefallen war. Während der Beratung zeigte sich, dass sich die Alkoholproblematik von Alfred U. über viele Jahre entwickelt hatte. Früher trank er ausschließlich bei geselligen Anlässen. Vor drei Jahren begann er mit täglichem Trinken, die übliche Dosis waren drei Bier. In den letzten Jahren stieg er schließlich auf Wein um und erhöhte stetig die Menge. Vor der Kontaktaufnahme trank er nahezu täglich bis zu zwei Flaschen Rotwein.
Ehepartner begleitet Süchtigen
Nach einer mehrwöchigen Beratungs- und Vorbereitungsphase trat Alfred U. seine ambulante Suchtbehandlung in der PSB in Ravensburg an. Im Rahmen der Behandlung setzte er sich mit den Hintergründen seiner Alkoholproblematik auseinander. Durch die Einbeziehung der Ehefrau in die Behandlung konnten Spannungen in der Partnerschaft abgebaut werden.
Die Ambulante Behandlung wird von der Suchtberatung als eine Alternative zur stationären Therapie angeboten. Die betroffenen Personen bleiben zu Hause in ihrem Umgebung. "Das Familienleben, den Freundeskreis, den Arbeitsplatz, die vertraute Wohnung - all das können alkoholkranke Menschen beibehalten, wenn sie sich für eine ambulante Behandlung entschließen", sagt Cornelia Reischmann-Walter. "Diese Form der Therapie ist ideal für Menschen, die in ihrem Umfeld abstinent leben können und sozial eingebunden sind", bestätigt die Diplom-Psychologin Monika Becker von der Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtkranke und ihre Angehörigen in Ravensburg.
Im Alltag auftretende Probleme, etwa Konflikte oder Stress, werden direkt in die Therapie eingebracht, und das dort Erarbeitete kann gleich wieder auf seine Tauglichkeit und Wirksamkeit hin überprüft werden. Reischmann-Walter betont: "Es geht darum, Einsicht und Verständnis für die eigene Suchtentwicklung zu bekommen. Das Suchtmittel (Alkohol, Medikamente, Drogen, Spielen) steht ja für irgendetwas und deckt eine Sehnsucht, ein Gefühl ab. Die Therapie ermöglicht, einen Zugang zu sich selbst zu finden, seine wirklichen Bedürfnisse wahrzunehmen und eine Identität ohne Suchtmittel aufzubauen. Es sollen neue Wege gefunden und Alternativen eingeübt werden."
Alfred U. hat es geschafft
Heute ist Alfred U., ein Jahr nach Abschluss der ambulanten Behandlung, wieder ein geschätzter Mitarbeiter, der keine Angst um seinen Arbeitplatz haben muss. Auch in der Familie hat sich die Beziehung zu Frau und Kindern verbessert. Inzwischen engagiert er in einer Selbsthilfegruppe und kann seine Errfahrung weitergeben. "Der Weg war nicht leicht, das Vertrauen der Familie wiederzugewinnen, sich selbst zu hinterfragen, aber es hat sich gelohnt", sagt er. "Jetzt bin ich froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe, die Hilfen auch anzunehmen."
(Erschienen: 11.05.2009 00:06)
"Ein Gläschen in Ehren..." Was so harmlos klingt, kann zu schwerwiegenden Folgen führen, für den Betroffenen wie für sein Umfeld, wenn der Alkohol zur Abhängigkeit führt. "Sich selbst einzugestehen, dass man alkoholkrank ist, ist häufig ein langer Prozess", erläutert die Suchttherapeutin, Cornelia Reischmann-Walter Die erste Kontaktaufnahme mit der Suchtberatungsstelle ist ein wichtiger Schritt, erfolgt aber meist unter dem Druck von Angehörigen, Arbeitgebern und manchmal über den Hausarzt.
So auch beim 45-jährigen Alfred U., der von seinem Arbeitgeber aufgefordert worden war, Kontakt mit der Suchtberatungsstelle aufzunehmen, nachdem er zweifach mit einer deutlichen Alkoholfahne am Arbeitsplatz aufgefallen war. Während der Beratung zeigte sich, dass sich die Alkoholproblematik von Alfred U. über viele Jahre entwickelt hatte. Früher trank er ausschließlich bei geselligen Anlässen. Vor drei Jahren begann er mit täglichem Trinken, die übliche Dosis waren drei Bier. In den letzten Jahren stieg er schließlich auf Wein um und erhöhte stetig die Menge. Vor der Kontaktaufnahme trank er nahezu täglich bis zu zwei Flaschen Rotwein.
Ehepartner begleitet Süchtigen
Nach einer mehrwöchigen Beratungs- und Vorbereitungsphase trat Alfred U. seine ambulante Suchtbehandlung in der PSB in Ravensburg an. Im Rahmen der Behandlung setzte er sich mit den Hintergründen seiner Alkoholproblematik auseinander. Durch die Einbeziehung der Ehefrau in die Behandlung konnten Spannungen in der Partnerschaft abgebaut werden.
Die Ambulante Behandlung wird von der Suchtberatung als eine Alternative zur stationären Therapie angeboten. Die betroffenen Personen bleiben zu Hause in ihrem Umgebung. "Das Familienleben, den Freundeskreis, den Arbeitsplatz, die vertraute Wohnung - all das können alkoholkranke Menschen beibehalten, wenn sie sich für eine ambulante Behandlung entschließen", sagt Cornelia Reischmann-Walter. "Diese Form der Therapie ist ideal für Menschen, die in ihrem Umfeld abstinent leben können und sozial eingebunden sind", bestätigt die Diplom-Psychologin Monika Becker von der Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtkranke und ihre Angehörigen in Ravensburg.
Im Alltag auftretende Probleme, etwa Konflikte oder Stress, werden direkt in die Therapie eingebracht, und das dort Erarbeitete kann gleich wieder auf seine Tauglichkeit und Wirksamkeit hin überprüft werden. Reischmann-Walter betont: "Es geht darum, Einsicht und Verständnis für die eigene Suchtentwicklung zu bekommen. Das Suchtmittel (Alkohol, Medikamente, Drogen, Spielen) steht ja für irgendetwas und deckt eine Sehnsucht, ein Gefühl ab. Die Therapie ermöglicht, einen Zugang zu sich selbst zu finden, seine wirklichen Bedürfnisse wahrzunehmen und eine Identität ohne Suchtmittel aufzubauen. Es sollen neue Wege gefunden und Alternativen eingeübt werden."
Alfred U. hat es geschafft
Heute ist Alfred U., ein Jahr nach Abschluss der ambulanten Behandlung, wieder ein geschätzter Mitarbeiter, der keine Angst um seinen Arbeitplatz haben muss. Auch in der Familie hat sich die Beziehung zu Frau und Kindern verbessert. Inzwischen engagiert er in einer Selbsthilfegruppe und kann seine Errfahrung weitergeben. "Der Weg war nicht leicht, das Vertrauen der Familie wiederzugewinnen, sich selbst zu hinterfragen, aber es hat sich gelohnt", sagt er. "Jetzt bin ich froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe, die Hilfen auch anzunehmen."
(Erschienen: 11.05.2009 00:06)
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