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Agnieszka Malczak: "Europa ist mehr als die Gurkenkrümmung"

WEINGARTEN - Die Grünen schicken verstärkt die junge Generation in den Kampf um Sitze im Europaparlament. Drei Vertreter(innen) hat die "Grüne Jugend" auf aussichtsreichen Listenplätzen platzieren können. In Weingarten präsentierte sich mit Ska Keller, 27-jährige Vorsitzende des Landesverbandes Brandenburg, eine davon.

Der grüne Nachwuchs erschien am Dienstagabend im Doppelpack im "Rössle": Ska Keller, seit 2002 bei den Grünen, und ihre 24-jährige Parteifreundin Agnieszka Malczak. Malczak, die Landesvorsitzende der "Grünen Jugend" Baden-Württemberg. Das knappe Dutzend Gäste, unter ihnen die einheimischen Grünen Susanne Münz und Roland Zintl sowie Manne Lucha aus Ravensburg, nutzte nach dem Dialog die Gelegenheit, Fragen an die Kandidatin zu richten, die Probleme auch außerhalb der europäischen Grenzen betrafen.

Eine Frage: Haben die Grünen die rosarote Brille an, wenn es um Europa geht? Kritik an der europäischen Union - warum nicht, meint Ska Keller, die gleichwohl keinen Zweifel daran lässt, wie unglaublich wichtig diese ist, und hinzufügt: "Es ist aber komisch, dass man dies immer wieder betonen muss." Die 27-Jährige sagt "Ja" zum Vertrag von Lissabon sagt, räumt aber diesbezügliche Bauchschmerzen ein. Trotz alledem: "Im Vertrag von Lissabon stehen unglaubliche Verbesserungen."

Europa müsse, so nimmt Keller eine Frage von Agnieszka Malczak auf, ein Europa der Menschenrechte sein. Die Kandidatin bedauert, dass die Wünsche auf Aufnahme in die Union teilweise sehr zurückhaltend beantwortet werden. An die Adresse eines Gastes gerichtet, verspricht sich Keller, die neben Islam und Judaistik auch Turkologie studiert, im Falle der Aufnahme der Türkei in die europäische Familie mehr Chancen als Risiken.

Europa solle im Zeichen der aktuellen Krise Dinge im Zusammenhang sehen und in alternative Energie als Mittel gegen steigende Energiepreise, in Bildung, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz investieren, "nicht in Autos", wie Keller in Anspielung auf die Abwrackprämie fordert. Es gelte, das Thema Klima mit dem Wirtschaftsthema zu verknüpfen: "In Brandenburg, einer Braunkohleregion, arbeiten schon mehr Leute im alternativen Energiebereich als in der Braunkohle ."

Soziale Einheit "tingelt hinterher"

Auf die Frage, ob das soziale Europa auf der Strecke bleibt, räumt Ska Keller ein, dass zwar der Binnenmarkt vereinigt ist, die soziale Einheit indessen "hinterhertingelt". Sie macht sich für einen Mindestlohn stark, der regionalen Gegebenheiten jedoch Rechnung tragen soll. Kleingeisterei erteilt die Grüne eine Absage, nachdem Agnieszka Malczak gesagt hat, dass "Europa mehr ist als die Debatte über die Krümmung der Gurke". Den Hinweis, dass diese Variante europäischer Regulierungswut deutschen Gurkenbauern zu verdanken ist, wollte sich Ska Keller nicht verkneifen.

(Erschienen: 23.05.2009 06:07)

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