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6000 ziehen gegen Gentechnik zu Felde

Ulm / boz Es war alles andere als ein Heimspiel, das die Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan am Sonntag in ihrem Wahlkreis hatte. Buh-Rufe empfingen sie, als sie am Nachmittag auf einer Podiumsdiskussionen das Engagement der Bundesregierung für die "grüne" Gentechnik verteidigte. Kein Wunder, denn den ganzen Tag über waren von den Veranstaltern im übertragenen wie im Wortsinn auf dem Münsterplatz Alternativen "aufgetischt" worden.

Kein Wunder, denn den ganzen Tag über waren von den Veranstaltern im übertragenen wie im Wortsinn auf dem Münsterplatz Alternativen "aufgetischt" worden. Sieben bäuerliche Organisationen, darunter auch das katholische Landvolk, hatten unter dem Motto "Vielfalt ernährt die Welt" zu einer Wende in der Agrarpolitik aufgerufen.

Begonnen hatte der Sonntag mit einer Treckerdemonstration, an der nach Auskunft der Veranstalter 120 Fahrzeuge aus der Region mit entsprechenden Spruchbändern und Plakaten teilnahmen. 230 Helfer sorgten den ganzen Tag dafür, dass die geschätzten 6000 Gäste den Tag über genug zu essen und zu trinken hatten und dass das Programm über die Bühne gehen konnte.

Es gab 2000 Würste, Spätzle und Linsen von der Alb. Serviert und verspeist wurden die an einer --zusammen-gerechnet - 500 Meter langen Tafel. Zahlreiche Sponsoren aus dem Bio-Bereich unterstützten das Gentechnik freie Fest.

Die Zukunft säen

Auf einer Pressekonferenz wie in Ansprachen betonten die Aktivisten für natürliche Produktion in der Landwirtschaft: Es gelte, wie es ein Vertreter des Demeter-Landesverbandes formulierte, die Zukunft zu "säen", wie auch zu sehen. Es sei eine Mär, dass sich mit gentechnisch veränderten Pflanzen der Einsatz von Pestiziden verringere. Veröffentlicht wurde auch eine neue Umfrage, wonach 65 Prozent der Bundesbürger, sogar 70 Prozent der Baden-Württemberger, sich gegen Gentechnik aussprechen. Und nur 14 Prozent der Bevölkerung seinen dafür, das Steuergelder für die Forschung ausgegeben werden.

Hier erntete Ministerin Schavan die meisten Pfiffe. Sie bezeichnete die grüne Gentechnik als eine Zukunfstechnologie, "an der Deutschland und die Europäische Union nicht vorbei-gehen dürfen". Um zu wissen, welches Potenzial darin stecke, werde Forschung gebraucht. Wie die meisten Zuhörer hielten auch die Vertreterinnen von SPD, Grünen und Linke da-gegen. Pfiffe gab es, als die sich als überparteilich bezeichnenden Organisatoren bekanntgaben, dass FDP und CSU nicht auf die Einladung reagiert hätten.

Wie Wissenschaftsministerin Annette Schavan erläuterte, ist die grüne Gentechnik schon weit verbreitet. 125 Millionen Hektar werden mit ihr bereits bewirtschaftet, und zwar von 13 Millionen Landwirten in 24 Ländern. Das höre sich relativ viel an, sei es aber nicht. Über den Druck, den amerikanische Agrarkonzerne in Mexico machen, berichtete Aldo Gonzales vom Komitee zum Schutz des Maises aus dem Land, aus dem der Mais stammt. Über die Gefahren der Gentechnik berichtet auch der Schweizer Professor Hans Herren vom Weltagrarrat.

Nach Auskunft der Veranstalter gibt es derzeit fünf Pflanzenarten, die vorzugsweise gentechnisch verändert werden, um gegen Schädlinge wiederstandsfähig zu werden und bessere Erträge abzuliefern. Es sind dies Mais, Reis, Baumwolle, Soja und Raps.

Den ganzen Tag über gab es auf der Bühne Talkrunden zu den verschiedensten Aspekten. Für Kinder war eine Streichelzoo mit Hasen, Ferkeln und Eseln eingerichtet.

Mit der Veranstaltung gegen die "grüne" Gentechnik war der Protest gegen die Politik der Bundesregierung noch nicht beendet. Am Nachmittag gab es auf der Bühne viel Beifall für etliche Milchbäuerinnen, die auf dem Münsterplatz übernachten und am Montag auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warten wollen. Ihr Anliegen ist, für bessere Milchpreise und die Unterstützung der Bundesregierung zu protestieren.

(Erschienen: 14.09.2009 00:07)

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