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„So junge Menschen trifft es extrem selten“

AULENDORF / sz Ein 15-jähriger Schüler des Gymnasiums Aulendorf hat am Mittwoch während eines Hockey-Spiels einen Schlaganfall erlitten.

SZ: Meistens hört man von älteren Menschen, die einen Schlaganfall gehabt haben. Ist es nicht ungewöhnlich, dass ein 15-Jähriger einen Schlaganfall erleidet?

Dr. Dietmar Bengel: Es kommt extrem selten vor. In Ravensburg behandeln wir 1000 bis 1200 Schlaganfälle pro Jahr. Darunter sind vielleicht ein, zwei Patienten unter 18 Jahren. Grundsätzlich ist das Auftreten eines Schlaganfalls eindeutig altersabhängig – je älter jemand ist, desto wahrscheinlicher ist es.

SZ: Was sind die häufigsten Ursachen?

Bengel: Bei Kindern in Mitteleuropa sind es häufig ein angeborener Herzfehler, angeborene Störungen bei der Blutgerinnung und Gefäßmissbildungen. Bei Erwachsenen ist es alles, was die Gefäße schlecht macht: Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen. Auch Herzerkrankungen spielen eine ganz große Rolle.

SZ: Gibt es Anzeichen, auf die jeder achten kann?

Bengel: Der Schlaganfall heißt so, weil er schlagartig auftritt. Er kommt sehr, sehr häufig ohne jegliche Vorboten. Anzeichen können Lähmungen in der Hand oder im Gesicht sein. Auch Taubheitsgefühle können auftreten. Der Betroffene kann Bilder doppelt sehen, Probleme beim Sprechen, beim Verstehen haben. Das sind Symptome, die auch vorübergehend auftreten können. Bei solchen Problemen sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen.

SZ: In welchem Abstand vor dem Schlaganfall können diese Anzeichen auftauchen?

Bengel: Bei manchen Patienten treten die Beschwerden über mehrere Wochen immer wieder auf. Bei anderen passiert es einmal, dann geschieht lange nichts und dann kommt der Schlaganfall. Das Problem ist, dass diese Vorboten in der Regel schmerzlos sind und eher toleriert werden – wenn es nicht weh tut, gehen die Leute nicht zum Arzt.

SZ: Wie behandeln Sie bei einem Schlaganfall?

Bengel: Zunächst ist es wichtig, dass die Patienten innerhalb von drei Stunden in die Klinik gebracht werden. So haben sie die Chance, dass das verschlossene Gefäß im Gehirn vor dem Auftreten bleibender Schäden wieder geöffnet werden kann. Die verstopfenden Blutgerinnsel werden mithilfe eines Medikaments aufgelöst. Wenn die Versorgung des Gewebes mit Blut zu lange unterbrochen wird, dann stirbt das Gewebe ab.

SZ: Was folgt auf diese Erstbehandlung?

Bengel: Die Behandlung geschieht entsprechend der zugrundeliegenden Ursache. Die kann sehr vielschichtig sein. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich der Zustand des Menschen nach dem Schlaganfall verschlechtert. Deswegen müssen die Patienten kontinuierlich überwacht und stabilisiert werden, möglichst auf einer der Schlaganfall-Spezialstationen.

SZ: Von welchen Faktoren hängen die Heilungschancen ab?

Bengel: Das Alter ist dabei ein ganz, ganz wichtiger Faktor. Dazu kommt der allgemeine Gesundheitszustand. Bei Übergewichtigen, Menschen mit mehreren Erkrankungen und dementen Menschen ist es viel schwieriger, sie wieder richtig aufzubauen.

SZ: Wie groß ist die Chance, dass jemand nach einem Schlaganfall wieder völlig gesund wird?

Bengel: Das hängt sehr stark davon ab, in welchen Gehirnregionen sich der Schlaganfall abzeichnet, wie groß der geringer durchblutete Bereich ist und wo er liegt. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Chance zu genesen wesentlich höher als bei alten Menschen. Dass junge Schlaganfallpatienten wieder zu 100 Prozent im Alltag funktionieren, sieht man häufig.

(Erschienen: 04.07.2009 15:00)

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