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Der Herzog von Biberach kriegt auch als 90er Rosen

Der Herzog von Biberach kriegt auch als 90er Rosen
Der Herzog von Biberach kriegt auch als 90er Rosen

BIBERACH / sz „Als 85er bin ich noch den ganzen Umzug mitgelaufen“, sagt Otto Herzog. Von Kindheit an ist der einstige Leiter des Schützentheaters beim Schützenfest dabei. Und auch heute will er versuchen mitzulaufen – beim Jahrgängerumzug als 90er.

Von unserer Redakteurin  Franziska Rötzsch

An seinen ersten Schützenfestumzug erinnert sich Otto Herzog noch genau. „Ich hatte einen weißen Matrosenanzug an mit roter Schärpe. Dann fing es an zu regnen. Und die Lehrerin sagte, wir sollen die Schärpen ausziehen.“ Doch der kleine Otto hörte nicht. Und als ihm die Mutter später auf dem Gigelberg die Schärpe abnahm, hatte der schöne weiße Anzug einen roten Abdruck.

„Meine Mutter hat gelacht. So war die. Mein Vater hat geschimpft. So war der auch.“ In den 20er Jahren war das. Es ist die erste Erinnerung Otto Herzogs an das Schützenfest.

Dem Fest ist Herzog treu geblieben. Jedes Jahr kommt er nach Biberach – ist vom Start am Freitag bis zu Bauernschützen dabei. Das lässt er sich nicht nehmen: „Ein echter Biberacher – ob nun gebürtiger oder gewordener – geht zum Schützenfest.“

Theater ist seine Leidenschaft

Seit 40 Jahren lebt Herzog nun schon in Altshausen. Doch noch immer sagt er über sich selbst: „Ich bin der Herzog von Biberach.“ Nach dem Krieg kehrte der Biberacher in seine Heimat zurück, arbeitete als Raumausstatter im Laden des Onkels, übernahm später das Geschäft. Doch sein Herz hing an der Kultur: 18 Jahre lang war er Spielleiter des Dramatischen Vereins. Das Schützentheater leitete Herzog von 1949 bis 66. Als die Heimatstunde entstand, übernahm er auch diese vier Jahre lang.

Heute redet Herzog viel über die Schützenfeste seiner Kindheit und Jugend. Dann lacht er, die fast blinden Augen leuchten. Von den Umzügen erzählt er, von den Klassenmützen, die je nach Jahrgangsstufe eine andere Farbe hatten, von den Kinderspielen. „Das Wichtigste war der Schützenbatzen. Für 50 Pfennig konnte man fünf Mal Karussellfahren.“ Ein stolzer Fahnenträger sei er gewesen – „Da bekam man 50 Pfennig extra“ –, und ein noch stolzerer Gymnasiumstrommler.

Viele Jahre später, bei seinem ersten Jahrgängerumzug, packte Herzog die Trommel wieder aus. 50 war er da, die 40er liefen noch nicht mit. „Wir waren sechs ehemalige Schützen- und drei Gymnasiumstrommler. Als wir trommelnd im Umzug gelaufen sind, das hat natürlich Mords-Furore gemacht. In einem einzigen Jubelruf sind wir durch die Stadt gelaufen.“

Die Trommel hat Herzog noch heute. An seinen Geburtstagen holt er sie hervor. Dann stellt er sich in den Garten seines Hause in Altshausen, trommelt – und singt gemeinsam mit dem Nachbarn, der auch aus Biberach kommt, das „Rund um mich her …“. Im Januar haben die beiden das wieder gemacht. Da feierte Herzog seinen 90.

Auch wenn er die Trommel nicht mehr mitbringen wird, das Laufen beim Jahrgängerumzug will sich Herzog nicht nehmen lassen. Dabei fällt ihm das Gehen inzwischen schwer. „Ich werde versuchen, mindestens bis zum Marktplatz zu kommen“, sagt er. „Wenn’s noch weiter geht, dann laufe ich weiter.“ Geschenke brauche man ihm keine umzuhängen, meint er. Und dann lächelt der 90-Jährige verschmitzt: „Aber auf einige Rosen kann ich zählen.“

(Erschienen: 16.07.2010 17:55)

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