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Biberach steigt in die Zeitmaschine

Biberach steigt in die Zeitmaschine
Biberach steigt in die Zeitmaschine

Biberach / sz Am Schützendienstag startet Biberach traditionell seine Zeitmaschine und reist durch die vergangenen rund 850 Jahre. Der Historische Festzug bot den Tausenden von Besuchern wieder einen lebendigen Eindruck der reichen Stadtgeschichte.

Von unserem Redakteur  Gerd Mägerle

Bevor die Reise in die Vergangenheit begann, wagte Oberbürgermeister Thomas Fettback beim Empfang für die Ehrengäste im Rathaus noch einen Blick in die nähere Zukunft. Mit breiter Mehrheit, wenn nicht gar einstimmig, werde der Gemeinderat am Montag den Neubau der Realschule samt Turnhalle auf den Weg bringen -- Investitionsvolumen rund 45 Millionen Euro -- und damit die Weichen für die Zukunft stellen, sagte der Oberbürgermeister.

Anschließend gaben er und Schützendirektions-Vorsitzender Klaus Bott das Startsignal für den Historischen Festzug, der wie immer mit den Stadartenreitern und den Fanfarenbläsern seinen Anfang nahm. Es folgten die Staufer, die Biberach 1170 das Marktrecht verliehen hatten, dahinter der würdevoll grüßende Abt Berthold, der den vielen applaudierenden Zuschauern eine „scheena Schütza“ wünschte.

So ging die Reise durch die Zeit bei schönstem Sommerwetter dahin: Große und kleine Darsteller zeigten altes Handwerk der Weber, Färber, Gerber oder Bierbrauer und zogen singend, spielend und musizierend durch die Biberacher Straßen. Der Baltringer Haufen forderte lautstark „Freiheit für die Bauern“, was man ob der schweißtreibenden Hitze akustisch durchaus auch als „Freibier für die Bauern“ deuten konnte. Mit lauten „Heja“-Rufen sprang die Bauerntanzgruppe in Formationen über den Marktplatz.

Der Renaissance-Gruppe folgten mit lautem Geläut die Glockengießer. Die Schwedengruppe hatte ihre gewaltige Kanone dabei, „die man mal auf die städtichen Ampelanlagen richten sollte“, meinte Klaus Bott und spielte auf die jüngste Debatte um die grüne Welle an.

Abkühlung im Brunnen

Bei den Gauklern nutzten einige das Defilee vor der Ehrentribüne für einen abkühlenden Sprung in den benachbarten Marktbrunnen. Beeindruckend waren die Wieland- und die Rokokogruppe mit der Stadionschen Kutsche und den prächtigen Kostümen.

Wie man sich auf der Festzugstrecke noch ein paar Euro verdienen kann, bewies der junge Hochzeitslader der „Rißegger Bauernhochzeit“ mit dem Aufsagen der hochzeitlichen Speisefolge. Dafür gaben ihm die Zuschauer gern ein kleines Trinkgeld in seinen Hut.

Mit den Sathmarer Schwaben zog die „Ulmer Schachtel“ ihre Kreise auf dem Marktplatz. „Unterm Jahr ist sie eine wichtige Ergänzung für den Biberacher Nahverkehr“, witzelte Klaus Bott.

Kurz danach gab es den wohl größten Polizeieinsatz des bisherigen Schützenfests mit 40 Beamten der Bereitschaftspolizei die musizierenderweise über den Marktplatz marschierten.

Schließlich war es wieder Zeit für den Schwarzen Veri und seine wilde Räuberbande, die sich in diesem Jahr Schulamtsleiter Wolfgang Mäder als Opfer auserkoren hatten: Für ihn gab es Schwimmunterricht im Marktbrunnen -- bei der Hitze nicht die schlechteste Alternative.

(Erschienen: 20.07.2010 19:05)

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