Wer hat schon einen Zoo?
ULM - "Im ganz kleinen Kreis" fei-ert Grete Steinbacher morgen im Seniorenstift Elisa ihren 90. Geburtstag.
Von unserem Mitarbeiter Gerrit-Richard Ranft
Grete Steinbacher wurde in Rabaul auf Neu-Guinea geboren, als ein Stück der Pazifikinsel deutsche Kolonie war. "Die Zeit habe ich nur als winziger Säugling erlebt", sagt die betagte Dame. "Als ich ein Jahr war, reisten wir zum Urlaub nach Deutschland, der Erste Weltkrieg begann, die Kolonien gingen verloren, wir blieben in Berlin". Auch der Halbbruder, ein Javaner, den der Vater mit einer Einheimischen hatte, "wie das so üblich war".
Der Vater starb früh. Die Tochter, noch Grete Hesner, wurde Sekretärin einer chemisch-pharmazeutischen Fa-brik, besorgte die Firmenwerbung. Über eine Freundin lernte sie den Zoologen Dr. Georg Steinbacher kennen. In der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wurde das Paar 1938 getraut.
Der Zoologe Steinbacher wurde mit 27 Jahren Direktor des Zoologischen Gartens in Frankfurt am Main, direkter Vorgänger Bernhard Grzimeks. Der Krieg vertrieb die Familie aus Frankfurt ins Dörfchen Gönnern am Westerwald, wo sie bis 1947 blieb. Dann wurde der Zoologe, aus dem Krieg heimgekehrt, in Augsburg gebraucht. Es galt, den zerstörten Zoo wieder aufzubauen.
Länger als 30 Jahre war Steinbacher Chef am Lech. "Das war schon manchmal aufregend", meint Grete Steinbacher. Zwei der zwölf Enkel verbrachten regelmäßig die Ferien in Augsburg. "Denn wer hat schon einen eigenen Zoo?" Als sie eines Tages im Elefantengehege - unbeschädigt - aufgegriffen wurden, hatten die Aufregungen ihren Höhepunkt erreicht. Zwischen den senkrecht gestellten Eisenbahnschienen, die Elefanten und Besucher trennten, hatten sich die Kleinen hindurchgeschoben. "Es ist gut gegangen, mit einem solchem Risiko muss man im Zoo leben".
Heute ist alles Erinnerung. "Man muss zufrieden sein, auch im Alter", sagt Grete Steinbacher. Mögen auch die Augen nun zu schwach sein fürs Lesen.
(Erschienen: 04.01.2001 22:49)








