Von Grufties und Senior(inn)en
BIBERACH - Ganz schön gruseln kann es kleinere Kinder, wenn sie ihnen auf der Straße begegnen, jene schwarz gekleideten und oft auf leichenblass geschminkten "Kinder der Nacht" , die aussehen, als ob sie direkt aus dem Reich der Toten nach Biberach gefunden hätten. Grufties nennen sie sich, und sie schmücken sich mit allerlei Silberzeug, mit Ringen, Ketten oder Kreuzen über den Netzhemden und Leder- oder Lackoutfits. Eine schwarze , aber doch sehr bunte Szene, denn sie lassen sich trotz äußerlicher Ähnlichkeit schlecht in eine Schublade stecken. Bei allem düsteren Aussehen sind sie oft empfindsam, leiden an dem Zustand dieser Welt und protestieren auf ihre Weise. Für andere ist es nur eine von vielen Gelegenheitsmoden. Biberach könn-te zum oberschwäbischen Mekka dieser Gothic-Szene werden, denn der "Sun Flower Club" und das "Absolut" veranstalten monatlich Parties für sie, so genannte Dark Nights. Und dann wird angereist: aus Isny und Messkirch, aus Ulm und Friedrichshafen, denn allzu viele Gelegenheiten, die von ihnen bevorzugte Musik wie Gothic oder Electronic Body Music in stilvoll gestalteter Umgebung tanzend zu genießen, gibt es in der Region nicht. In der Szene kommen diese Biberacher Termine offenbar gut an: "Des klingt echt korrekt, dann müsst ich net jedesmal bis an A*** der Welt fahren, um Gleichgesinnte zu treffen," so eine Äußerung. Wenn Biberach also in den nächsten Monaten schwärzer wird, dann nicht politisch, sondern weil es zum Mekka dieser Szene werden könnte. Und wer sich in den Nächten des 14. und 15. Februars plötzlich einer Reihe aschfahler Gesichter und durch Schminktechnik tiefer gelegten Augen gegenüber sieht, braucht nicht zu erschrecken - es ist nur mal wieder Dark Night in Biberach.
Nicht von Grufties sondern von Senioren und Seniorinnen handelt das nächste Thema. Eine Busladung von ihnen, Bewohner des Bürgerheims, begab sich diese Woche wieder mal auf eine Stadtrundfahrt - oder besser ausgedrückt, auf eine Zeitreise. Heimleiter Wolfram Uhl erklärte ihnen auf der einstündigen Fahrt dabei, was es seit kurzem so Neues gibt an Gebäuden und Wohngebieten, Kreisverkehren und Veränderungen im Stadtbild. Und auch, was es in naher Zukunft Neues geben wird. Ex-Gemeinderat Willi Blessing war beeindruckt. "Es ist schon erstaunlich was für Veränderungen in einer kurzen Zeit passieren." Der Fahrt schlossen sich eine Besichtigung der Krippen in St. Martin und der katholischen Spitalkirche sowie ein Museumsbesuch an. Diese beliebten Rundfahrten, einst von Bürgerheimleiter Heinz Hoppe begonnen, sind auch immer eine Reise in die eigene Vergangenheit. "Hier war doch früher die Jugendherberge", oder "Hier hat doch der Dings gewohnt" oder auch "Herr Uhl, kennen Sie das noch?" - Ein lebendiger Erinnerungsaustausch an frühere Zeiten ist immer Teil dieser spannenden und informativen Rundreise durch die Stadt und um Biberach herum, die dieses Jahr mit einem gemütlichen Beisammensein im Gemeindehaus St. Marien auf Einladung der katholischen Kirchengemeinde bei Kaffee und Kuchen endete. Im Braith-Mali-Museum fand kürzlich auch der Neujahrsempfang der Wirtschaftsjunioren statt und es wird, so ihr Vorstandssprecher Markus Pflug, nicht der letze dort gewesen sein. Was Museumsleiter Frank Brunecker bei einer Führung den Gästen (einigen von ihnen zum ersten Mal) zeigen konnte, gab seiner Aussage recht: "Dieses Museum könnte sich auch in einer Stadt mit 300 000 Einwohnern sehen lassen."
(Erschienen: 24.01.2003 23:30)














