Sprachlos
Von Gunther Dahinten
Bürgermeister Martin Loth machte den Gemeinderat mit seiner Ankündigung, für eine dritte Wahlperiode nicht anzutreten, sprachlos. Immerhin reagierte Stadtrat Gutermann schnell und verband mit dem Ausdruck der Bestürzung auch den Dank an Loth, was als Aussage des Gremiums verstanden werden durfte und Loth sicher gut tat. Denn hinter seinem Verzicht steckt ja eine Entwicklung. Zweifellos darf man auch bei nur 16 Jahren Amtszeit von einer Ära Loth reden, denn der Finanzbürgermeister war in seiner Rolle absolut präsent. Und man durfte gewiss sein, dass höchstes Verantwortungsbewusstsein seine Amtsführung steuerte, dass ihm das solide, unriskante, von schwäbischer Sparsamkeit geprägte treuhänderische Verwalten der städtischen, sprich der Bürger-Gelder oberstes Gebot war. Zum Wohl der Stadt. Und nicht zu vergessen: Wenn er die Stadt in Vertretung des Oberbürgermeisters repräsentierte, machte er beste Figur, zeigte sich optimal vorbereitet. Die andere Seite war die, wie er als Person, als Mensch wirkt(e), welche politische Dimension er verkörpert(e), ob er zu fachorientiert und zu sehr ein Mann der Nummer sicher war, wie seine oft verklausulierten Formulierungen erkennen ließen. Gerüchte wollten nicht verstummen, wonach er wohl in der CDU nicht mehr vollen Rückhalt gehabt hätte (obwohl dann die Live-Abstimmung und das parteipolitische Kalkül vielleicht wieder etwas anderes gewesen wären). Wenn man weiß, wie betroffen er 1994 war, als ein Viertel der Gemeinderäte nicht für ihn als den einzigen Kandidaten stimmte (zu einem Teil aber "nur" aus parteipoltitischen Gründen), wird deutlich, wie sensibel bis empfindlich Loth reagieren kann. Und das, obwohl man weiß, dass er selbst durchaus harsch sein kann. In seine Biberacher Zeit fielen auch Wahlen zu regionalen Ämtern wie OB, Landrat und MdL. Man hätte sich der Sache nach denken können, dass er mitmischte, aber es kam nicht oder nur bedingt (Landratswahl 1992) dazu. Sechzehn Biberacher Jahre reichen, mag sich Martin Loth in der Summe gesagt haben, und wer weiß, ob der Nicht-Vorsitz im Aufsichtsrat der neue n e.wa riss (die Entscheidung fiel für den Oberbürgermeister, obwohl man sich in fachlicher Sicht auch den Ersten Bürgermeister mit diesem Profil hätte vorstellen können) seinen Rückzug nicht mit bedingte. Zum Schluss bleibt die ausdrückliche Feststellung, dass Loth mit seinem selbst gewählten Verzicht Größe zeigte. Er kann hoch erhobenen Hauptes aufhören und wird sehen, dass ihm seine Entscheidung, auch wenn sie mit schmerzlichem Verzicht einhergeht, ein riesengroßes Maß an Respekt einbringt.
(Erschienen: 18.12.2001 22:39)













