Sorge um unabhängige Berichterstattung
BIBERACH - Zu den Personalentscheidungen bei der SZ-Biberach haben sich auch die Kreisverbände der CDU, der SPD und der Grünen geäußert.
Der CDU-Kreisverband Biberach weist
die Gerüchte und Unterstellungen von Rot-Grün entschieden zurück, die Union im Kreis Biberach hätte Einfluss auf die Personalpolitik der SZ-Biberach genommen. Die Partei wörtlich: "Vielmehr müssen sich die SPD im Kreis und die Mandatsträger der Grünen fragen, ob es im Sinne einer unabhängigen und freien Berichterstattung gerechtfertigt ist, dass der Landtagskandidat der Grünen im Landkreis, sowohl im Vorwahlkampf wie auch in der heißen Wahlkampfphase, als Mitarbeiter in eigener Sache Berichte über Veranstaltungen anderer Kandidaten und Parteien beziehungsweise Verbände schreiben und veröffentlichen kann. Die SPD muss sich fragen lassen, ob es mit einer unabhängigen Berichterstattung vereinbar ist, dass der SPD-Kreisvorsitzende von Biberach als freier Mitarbeiter einen direkten Zugang für Pressemitteilungen der SPD hatte. Genauso fraglich ist die Unabhängigkeit eines SPD-Kreisvorstandsmitgliedes als Redakteurin von "INFO", das dem selben Verlag angehört wie die SZ. Diese Redakteurin hat zum Beispiel vier Tage vor der OB-Wahl in Biberach einen persönlichen Kommentar einseitig pro SPD-Kandidat veröffentlicht."
"Aufgrund dieser Fakten erscheint es grotesk, wenn sich nun die SPD im Landkreis Biberach um die Unabhängigkeit in der Berichterstattung der Medien sorgt. Der CDU-Kreisverband kann auf jeden Fall diese Befürchtungen der SPD zerstreuen, denn die CDU wird nicht wie Rot-Grün versuchen, Funktionsträger der Partei, weder als Angestellte noch als freie Mitarbeiter, in die Redaktionen der SZ zur politischen Berichterstattung zu bringen."
"Der CDU-Kreisverband braucht keine redaktionellen Wühlmäuse, sondern kämpft immer noch für eine faire, freie und unabhängige Berichterstattung aller Medien."
In der Stellungnahme des SPD-Kreisverbandes Biberach heißt es: "SPD-Kreisverband, SPD-Ortsvereine sowie SPD-Kreis-und Gemeinderäte sorgen sich um die Unabhängigkeit der Medien im Kreis. Die SPD ist bestürzt über die Nachricht, dass zwei leitende Redakteure der SZ-Biberach Knall auf Fall ihre Schreibtische räumen mussten."
"Trotz des Dementis von CDU-Landrat Peter Schneider, MdL, verstärkt sich der Eindruck, dass maßgebliche CDU-Vertreter massiven Einfluss auf die SZ ausgeübt haben. Die SPD fragt sich, welch andere Gründe so gewichtig sein konnten, dass Lokalchef Gunter Dahinten, nach 34 Jahren Tätigkeit, und Kreisredakteur Roland Reck gleichzeitig über Nacht gehen mussten."
"Der SPD liegen gesicherte Informationen vor, wonach schon vor Monaten der CDU-Bundestagsabgeordnete Franz Romer bei der Geschäftsleitung und Chefredaktion der SZ in Leutkirch interveniert hat, um zu erreichen, dass politisch anders Denkende nicht mehr als freie Mitarbeiter für die SZ schreiben dürfen. Danach wurde den Betroffenen mitgeteilt, dass von ihnen keine weiteren Beiträge mehr erwünscht sind."
"Die SPD befürchtet, dass die SZ im Kreis Biberach endgültig dem Druck der CDU nachgegeben hat und fortan keine journalistisch unabhängige Berichterstattung mehr gewährleisten kann."
Der Kreisverband Biberach Bündnis 90 / Die Grünen stellt fest: "Herr Gunter Dahinten, der Redaktionsleiter der SZ-Biberach, und Herr Roland Reck, zuständig für die Kreispolitik, wurden vom Schwäbischen Verlag gekündigt und mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt. Beide Kündigungen sind ein schwerer Schlag gegen die Biberacher Redaktion der SZ. Die Kündigungen erfolgten für die Öffentlichkeit überraschend. Als offizielle Gründe werden zum einen betriebliche Gründe (Herr Reck) und Differenzen (Herr Dahinten) angegeben. Im Falle Herrn Recks trifft es just einen Journalisten, der in letzter Zeit Themen wie die Vergabepraxis des Sozialamtes Biberach oder die Heggbacher Einrichtungen aufgegriffen hat. Durch die Form eines kritischen Journalismus wurden fruchtbare Debatten in unserem Landkreis losgetreten."
"Wir befürchten, dass manche Berichte einigen Herren zu weit gingen und dass versucht wurde, in Leutkirch politischen Einfluss geltend zu machen. Sollte dies der Fall sein, wäre der Vorgang ein schwerer Schlag gegen den Meinungspluralismus innerhalb einer Zeitung mit regionaler Monopolstellung."
(Erschienen: 25.03.2002 22:37)








